Besucher im lfd Monat

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Juni 2018  14714 

Mai 2018   12322

April 2018  15715

 

BESUCHERSTATISTIK

2013 - 1949/13053 Besucher/Zugriffe

2014 - 4545/15360 Besucher/Zugriffe

2015 - 11556/14525 Besucher/Zugriffe

 

2016 - 8326/19441 Besucher/Zugriffe

 

2017 - 8736/33478 Besucher/Zugriffe 

Zählung je Zugriff ab Mai 2018

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Das Paradebeispiel der Be- und gesteuerten Lustbarkeit

ist das uns heute bestens bekannte Gasthaus.

 

Die Geschichte des Wirtshauses begann ganz ohne Haus der Wirte. Im Rom der Antike - von wo uns ausführliche Beschreibungen des kulinarischen Lebens erreichen - wurden die Speisen auf der Straße zubereitet, verkauft und an der frischen Luft verzehrt. Das war immerhin schon eine Kochdienstleistung. Zur Bewirtung wurde es aber erst, als wohlhabende Bürger die besten Straßenköche für die kulinarische Begleitung ihrer Festlichkeiten anmieteten. Die Köche rückten dann mit Gerätschaften, Zutaten und Sklaven an, um im Haus des Gastgebers aufzukochen.

   Mit gewissen Unterbrechungen - als da waren Kriege, Seuchen, Hungersnöte - wurde diese Form der Speisenverabreichnung, heute würde man es Catering nennen, zu einem prächtigen Geschäft, zumal an den späteren Fürstenhöfen großer Bedarf an Festlichkeiten herrschte - zum eigenen Vergnügen, aber auch zu gesellschaftlichen Repräsentation und für die Anbahnung von Geschäften. Diese Festessen wurden häufig in Dimensionen ausgerichtet, die jeden damals wie heute denkbaren Wirtshausrahmen gesprengt hätten. Berichtet wird beispielsweise von einer Feier zur Inthronisation des Erzbischofs von York (England) im Jahr 1466, bei der unter anderem 104 Ochsen, 6 wilde Stiere, 400 Schwäne, 2000 Spanferkel, 1000 Silberreiher und 500 Hirsche wenn schon nicht verzehrt, so zumindest zubereitet wurden. Aber auch auf dem europäischen Festland ließen sich Fürsten und Bischöfe auch nicht lumpen. Oder denken sie an das Konzil von Konstanz 1414-1418 oder an das Konzil von Trient 1545-1563, wo über Jahre Bischöfe und ihre Begleiter, Berater, Mätressen und sonstiges Begleitpersonal versorgt werden mußte. Oder an den Wiener Kongreß 1815, nach Napoleons entgültigem Ende, wo die Neuordnung Europas beschlossen werden sollte, jedoch mehr dem Tanze gefrönt wurde, auch da waren tausende Personen zu versorgen.

 

Von der Taverne zum Restaurant

 

Nicht nur von fürstlichen Festen, auch von privaten Feiern mit kulinarischer Begleitung existieren aus dieser Epoche Zeugnisse. Am berühmtesten ist wohl die Darstellung einer Bauernhochzeit durch den holländischen Maler Pieter Brueghel dem Älteren (um1568). Zu sehen ist auf dem Gemälde nicht nur, wie das Bier in reichem Schwalle von einem großen Krug in kleinere gegossen wird - man also durchaus trinkfreudig war - sondern auch, dass es verschiedene Speisen zur Auswahl gab. Das war in der Gastronomie zu jener Zeit nicht selbstverständlich, wurde in den Tavernen doch üblicherweise das gegessen, was gerade im Topf auf dem Herd oder Dreifuß stand und in aller Regel Eintopf war.

   Geändert hat sich die bescheidene Auswahl in den Gaststätten erst mit dem Auftreten der "Schildwirtshäuser" und später der Restaurants; Restaurant kommt übrigens vom Restaurieren, was durch die kräftigenden Bissen, die man in den ersten Restaurants verabreichte, bewerkstelligt wurde.

 

Das Schild macht das Wirtshaus

 

Schild-Wirtshäuser wurden vergleichsweise gehobene gastliche Stätten genannt, weil sie im Unterschied zu den stets nebenberuflich betriebenen Einrichtungen für das "Leutgeben" (etwas "den Leuten geben", den Vorläufern unserer Heurigen) mit einem massiven Schild aus Holz oder Metall um Gäste warben, während die einfachen Schenken lediglich einen Grünen Buschen zum Zeichen der Betriebsbereitschaft ausgesteckt hatten. Die Wirtshäuser mit Speisenauswahl und alkoholischen Getränken - was, je nach Standort, entweder Bier oder Wein gewesen ist, niemals beides zur Auswahl - hatten auch eine andere, luxuriösere Funktion als die Tavernen früherer Zeiten. Sie boten dem Reisenden nicht nur Unterkunft und Verpflegung, sondern auch einen öffentlichen Raum mit gastronomischem Service. Damit wurden sie zu Orten der Kommunikation und zu Mittelpunkten des gesellschaftlichen Lebens.

   Der Obrigkeit war dies einerseits ganz recht, konnte man doch dort, wo sich die Menschen - insbesondere der unterer Schichten - trafen, die Spitzbuben und Gauner aus der Menge fassen oder die Wirte zur Denunziation zwielichtiger Gestalten anleiten. (Was, wie das Beispiel des Räuberhauptmannes Grasl zeigt auch nicht immer funktionierte, da sich Wirte aus Angst oder Gewinnsucht auf die Seite der Gauner und Verbrecher stellten.) Andererseits waren Versammlungen einfacher Bürger nicht gern gesehen, konnte doch aus jedem Meinungsaustausch von Untertanen ganz schnell auch eine Verschwörung oder ein Aufstand werden.

 

Be- und gesteuerte Lustbarkeit

 

Als Raum für Festlichkeiten war das Wirtshaus aber notwendig und von Amts wegen vorbehaltlos akzeptiert. Den sehr bescheiden lebenden Menschen mangelte es für die Bewirtung größerer Gesellschaften schlicht am Raum in den eigenen Wänden, die häufig nicht mehr als die sprichwörtlichen vier waren. Und die Obrigkeit nutzte den Treffpunkt Wirtshaus als sprudelnde Quelle für Steuereinnahmen, was sich in abgemilderter Form bis heute erhalten hat. Nur das heute bereits alles und jedes besteuert wird. 

   Grundsätzlich mussten von den Wirtshäusern auf alkoholische Getränke Abgaben entrichtet werden, wofür ein komplexes System aus Kontrollen, Prüfzetteln und Verordnungen entwickelt wurde.

   Darüber hinaus waren - wie man zum Beispiel einer Wiener Chronik aus dem frühen 19. Jahrhundert entnehmen kann - Festlichkeiten wie "Hochzeiten, Ehr- und Kindmahle, Kirchtage, Baumsteigen oder Veranstaltungen zu Schnitt- und Faschingszeiten" der Behörde anzuzeigen und darauf im Vorhinein eine Abgabe zu entrichten.

   Damit das Vergnügen nicht gar zu billig wurde, setzten die Steuerfüchse noch weitere Abgaben in Kraft. So wurde eine Extra-Steuer fällig, wenn die Musik aufspielte: 15 Kreuzer für jeden Musiker und jeden Tag in die Stadtkassa, auf dem Land zahlte man nur deren sechs in die Schatulle des Wiener Hofes.

   Die Lustbarkeitsabgabe vulgo Vergnügungssteuer hat sich in manchen Ländern und Gemeinden bis heute erhalten. Ankündigungspflichtig sind private Feste und Feiern im Wirtshaus freilich nicht mehr oder derzeit nicht.

 

Quelle: Die "Wirtshaus-Zeitung" Ausgabe 74