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Lesehöfe in der Wachau

 

   Die in der Wachau begüterten Klöster schufen sich hier Höfe, die der Betreuung und Verwaltung ihres Besitzes dienen sollten, der teils durch Kauf erworben war, teils auch aus Schenkungen stammte. Der zu den Höfen gehörige Grundbesitz bestand zum größten Teil aus Weingärten, daher besaß jeder Hof einen Preßraum (sehr früh schon als "toreularium" erwähnt); auch ein Keller ("cellarium") gehörte dazu. Schon im Jahre 1168 werden Keller und Pressen das erste Mal urkundlich erwähnt.

   Auf jedem dieser Klosterhöfe saß ein Verwalter, der zumeist ein Geistlicher des betreffenden Stiftes war. Ursprünglich wurde er als "procurator curiae" oder "magister curiae" bezeichnet. Im 15. Jahrhundert bürgerte sich dann die Bezeichnung "Hofmeister" ein. Es gab auch weltliche Hofmeister, die manchmal besondere Titel führten wie z.B. der Hofmeister des Hochstiftes Berchtesgaden, der als "kurfürstlicher Rat" oder "hochfürstlicher Rat" aufscheint.

   Während der meisten Zeit des Jahres kümmerte man sich in den fernen Klöstern wenig um die Lesehöfe, erst zur Zeit der Weinlese zeigte man größeres Interesse und jeder wollte dann in die Wachau geschickt werden. Die Abgesandten des Stiftes (neben Mönchen auch Weltliche), kamen als "Leseoffiziere oder "Lesemeister" auf die Höfe und wurden dort mit besonderem Aufwand beherbergt. Man hielt für sie im Lesehof eigene Stuben bereit, die schön verziert und ausgemalt waren. Die überlieferte Bezeichnung "stuba picta" (bemalte Stube) beweist dies. Eine solche mit Wandmalereien geschmückte Lesestube besaß einst auch der Passauerhof (jetzt Pfarrhof) in Krems. Reste dieser Wandmalereien sind noch vorhanden (leider zum größten Teil zerstört); sie stellen Motive nach Physiologusfabeln dar. Die sehr schön einrichtete Wohnung für den Lesemeister des Stiftes St. Florian ist noch heute in dessen Hof in Wösendorf erhalten. Wenn weltliche Hofmeister einen Lesehof zur Bewirtschaftung übernahmen, mußten sie ebenfalls den Leseoffizieren Quartier und Verköstigung gewähren.

   Den Leseoffizieren oblagen verschiedene wirtschaftliche Aufgaben. Sie überwachten die Betreuung der Weingärten und die ordentliche Behandlung des Lesegutes; weiters hatten sie auch für den Abtransport des Weines ins Kloster zu sorgen.

    Der Hofmeister mußte im Wirtschaftsbetrieb gut Bescheid wissen. Von besonderer Wichtigkeit war die Beschaffung der Rebsorten. Er hatte darauf zu achten, daß die Weingärten des Stiftes richtig und sorgfältig bearbeitet wurden. Ihm kam die Befugnis zu, den Arbeitern Ackerland zu überlassen. (Schon 1180 ist in einer Arnsdorfer Urkunde von einer solchen Ackerüberlassung die Rede). Es war auch die Aufgabe des Hofmeisters, die Weinstecken zu besorgen. Diese wurden aus dem Oberland eingeführt. Berchtesgaden sowie andere Klöster aus Bayern und Oberösterreich lieferten aus ihren waldreichen Besitzungen die Weinstecken an die Wachauer Lesehöfe. Für bestimmte Bauernhöfe in diesen Gebieten bestand die Verpflichtung, die Weinstecken eine Strecke weit zu transportieren (Weinlehen). Dabei war in manchen Fällen ein Relaisverkehr bis zur Donau eingerichtet, auf der dann die Stecken zu Schiff weiter verfrachtet wurden.

   Eine ganz besondere Wichtigkeit erlangten die Lesehöfer der Klöster dadurch, daß sie in vergangenen Zeiten dieselbe Aufgabe wie heute unsere landwirtschaftlichen Schulen erfüllten. Auf diesen Mustergütern lernten die Hauer der alten Zeit den richtigen Weinbaubetrieb kennen. Die Hofmeister, zum überwiegenden Teil aus Bayern und Franken stammend, hatten ihre Erfahrungen an rheinischen und französischen Klöstern gesammelt. Auch die Kreuzzüge trugen dazu bei, daß die Kenntnisse vom Weinbau weithin verbreitet wurden.

   

 Weiters ist auch auch die seelsorgerische und kulturelle Bedeutung der Lesehöfe beachtenswert. Der geistliche Hofmeister unterstützte die Tätigkeit des Pfarrers im Ort; nicht selten versah der Pfarrer selbst das Amt des Hofmeisters.

 

   Die klösterlichen Lesehöfe gaben das Vorbild für die Bauart der Wachauer Häuser ab, auch ihre Einrichtung beeinflußte die Gestaltung der Einrichtung unserer Bauernhöfe in mancher Hinsicht. Das Verständnis für gediegene Einrichtung und schönes Hausgerät wurde so den Bewohnern der Wachau vermittelt. Durch die Hofmeister wurden auch verschiedene Bücher zu uns gebracht und in der Bevölkerung bekannt. In manchen Klosterhöfen sammelten sich bedeutende Bücherschätze an, auch Bilder und Plastiken gab es dort, durch die der Kunstsinn der Wachauer geweckt wurde. Die schönen Schnitzverzierungen an Pressen und auf Faßböden, die sich mancherorts bis heute erhalten haben, gehen auf Vorbilder und Anregungen zurück, die von den Klosterhöfen geboten wurden. Durch sie kamen die Bewohner der Wachau auch mit der Ferne in Verbindung und ihr Horizont wurde erweitert. Trotzdem aber wurden sie ihrer Heimat nicht entfremdet.

 

  Von besonderer Wichtigkeit war es auch, daß die Klosterhöfe den Absatz der Wachauer Weine in den westlichen Gebieten vermittelten.

   Öfters waren die Weinbauern den Übergriffen der adeligen Grundherren ausgesetzt, die Klosterhöfe boten ihnen in solchen Fällen Schutz und so blieb die freie, selbständige Stellung de Weinbauern gewahrt. Es ist bezeichnend, daß zur Zeit der Bauernkriege von 1525 und 1595 bis 1597 die Wachau vollständig ruhig blieb. Die Weinbauern hatten keine Ursache sich gegen eine drückende Herrschaft zu erheben.

   Die Anzahl der Klosterhöfe in unserem heimatlichen Bereich war schon immer sehr groß. In Rohrendorf hatten 20 Klöster Besitz. In Krems und Stein bestanden bereits um 1300 bereits 25 Klosterhöfe; deren Zahl stieg bis 1745 auf 36. Mautern besaß 6 Höfe, Rossatz 2 bis 3, selbst das kleine Arnsdorf 3. 31 Klöster hatten in der eigentlichen Wachau Besitz und es ist anzunehmen, daß die meisten hier auch Lesehöfe besessen haben.

   Über den Weinertrag der klösterlichen Besitzungen in der Wachau gewähren folgende Angaben Aufschluss:

   Göttweig erntete in den Jahren 1341 bis 1351 durchschnittlich 400 Hektoliter in Krems und Stein, davon als Höchstmenge am Pfaffenberg 48 Eimer. Der Mißlinghof bei Spitz lieferte jährlich 72 bis 144 Eimer. Im Jahre 1566 wurden von den Klöstern folgende Weinmengen ausgeführt: St. Florian 1320 Eimer, Erzbistum Salzburg 1620 Eimer, Niederaltaich 1444 Eimer, Bistum Passau 6480 Eimer, St. Peter in Salzburg 1620 Eimer.

   Das Stift Melk hatte im Jahre 1565 2404 Eimer liegen. Dazu wurden in diesem Jahr 5301 Eimer geerntet. (Davon waren 201 Eimer Eigenbau, das übrige Zehentwein) 1585 lagerten im Kloster 7891 Eimer Zehentwein; 1790 befanden sich 21.573 Eimer Wein im Stift, der Eimer wurde mit 2 Gulden 20 Kreuze bewertet.

  Die Theresianische Grundstücksaufnahme von 1745 gibt uns darüber Auskunft, wieviel Grundstücke zu den einzelnen Klosterhöfen gehörten.

   Es besaßen zu Krems und Stein:

   Niederaltaich 21 Viertel Weingärten, Chiemsee 34 Viertel, Mondsee 49 Viertel, Gleink 89 Viertel, Rastenhaslach 101 Viertel, Melk 700 Viertel, das Erzbistum Salzburg 80 Viertel.

  Durchschnittlich entfielen auf ein Kloster etwa 45 Viertel Weingärten.

   Da der Eigenverbrauch an Wein selbst in einem großen Stift, wie z.B. Melk, im Jahr höchstens 400 Hektoliter betrug, blieben den Klöstern sehr große Weinmengen zur Verfügung, die verkauft wurden. Der Weinhandel erbrachte den Stiften bedeutende Summen und sie verwendeten ihren Reichtum dazu, Großartiges zu schaffen. Die schönen gotischen Kirchen der Wachau, die herrlichen Barockbauten der Klöster in unserem Tal, sie wären wohl nie in solcher Pracht und Schönheit entstanden, wenn der Weinbau nicht die Mittel dazu geliefert hätte.

 

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 Von Dr. Hans Plöckinger - aus "Das Waldviertel", Jahrgang 1952, Nr 2