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Der Waldviertler Mohn

 

Geschichte (Alter und Herkunft)

 

   Der Mohn war in Mittel- und Südeuropa schon seit dem Altertum bekannt, als Attribut des "Morpheus", des griechischen Gottes des Schlafes. Zu uns dürfte der Mohn durch die Klöster gekommen sein, die seit dem früheren Mittelalter Gartenmohn kultivierten. Man zählte ihn zu den Heilpflanzen und verwendete ihn zur Gewinnung von den im Mohnsamen enthaltenen Heil- und Betäubungsstoffen. Nachdem man dazu überging Mohn feldmäßig anzubauen, wurde Mohnöl für Beleuchtungszwecke in Kirchen ("Ewiges Licht") verwendet.

   Im Hochmittelalter wurden Landschaften, wie eben das weithin besiedelte Waldviertel, zum Mohnanbau herangezogen. Dementsprechend wurden die Mohnleistungen bei den Zehentabgaben angeführt. In Lugendorf ist bezeugt, daß im Jahr 1400 ein gewisser Hansel Schaffer 4 Metzen Mohn jährlich an die Maissauer Lehensherrn abzugeben hatte. Aus dieser mittelalterlichen Zeit der Mohnwirtschaft stammen vermutlich auch die Personennamen Moher, Mohnhaupt, Mohnhäuptl, ebenso wie die vom mundartlichen "Magen" herzuleitenden Namen Magenbauer und Magenschab.

 

Brauchtum

 

  Früher gab es den alten Brauch des "Steckerlbrennens". Am Gründonnerstag wurde vor der Kirche ein Feuer entfacht, welches vom Pfarrer geweiht wurde. Darin wurden nun Haselnußsteckerl angebrannt. Diese brachte man am Ostersonntag auf jedes Feld um den Segen Gottes zu erhalten und die Hagelgefahr abzuwenden.

   Einen speziellen Brauch für das Mohnfeld gab es aber eigentlich nicht. 

 

Lage, Größe und Bodenbeschaffenheit der Mohnfelder

 

  Die Mohnfelder lagen soweit es möglich war doch in der Nähe des Hauses. Im Durchschnitt hatten die Felder, die trocken und gut gedüngt sein mußten, eine Größe von 10 Ar bis zu einem halben Joch.

   Das gleiche Feld wurde erst nach mindestens drei Jahren wieder zum Mohnanbau verwendet.

 

Aussaat

 

   "Zu Gertraudi gehört der Mohn raus" sagt man. Der 17. März, der Tag der hl. Gertraud von Nivelles, die als Patronin der Garten- und Feldfrüchte gilt, und der Karfreitag waren die beliebtesten Termine für die Mohnaussaat. Man sagte, wenn an diesen Tagen der Mohn ausgesät wird, so wende das die Reifgefahr ab.

   Der Mohn wurde von der Bäuerin selbst gesät, da, wie mir berichtet wurde, die Mägde zuviel verschwendet hätten.

Gesät wurde mit der Hand auf sogenannte "Bifänge" , die vom Bauern mit den Ochsen gezogen wurden - sechs Furchen, eine Furche frei, wieder sechs Furchen. Über diese Bifänge wurde nun der Mohn breitwürfig ausgesät.

   Während des 2. Weltkrieges wurde den Mohnbauern eine andere Methde vorgeschrieben. Es mußte auf jede zweite Furche gesät werden.

Jäten

 

    Einige Wochen nach der Aussaat, bei einer Pflanzenhöhe von ca 3 cm wurde gejätet. Nach weiteren drei Wochen wurde dann mit der Haue "angehäufelt". Das war eine sehr mühselige Arbeit.

 

Blüte

 

   Die Blütezeit des Mohns ist zwischen Heuen und Schnitt, also im Juli. "Wenn der Mohn in der Blüte steht, soll es nicht blitzen, sonst gibt es eine schlechte Ernte" lautet ein alter Spruch.

 

Ernte

 

Geerntet wurde, je nach Anbau und Witterung, zeitweise schon im August, oft aber erst Mitte September. Der "sehende" Mohn mußte früher geerntet werden als der "blinde"  Mohn um ein Verblasen durch den Wind zu vermeiden. Bei der Ernte, die mit der Hand oder mit dem Messer durchgeführt wurde, war die ganze Familie beteiligt.

   Es konnte schon vorkommen, daß diese Arbeit an einem Sonntag, an dem leichtere Arbeiten erlaubt waren, verrichtet wurde. Überhaupt wurde die ganze Mohnwirtschaft eher zwischen die andere Arbeit eingeschoben.

   Früher wurden nur die Mohnkapseln, die in blinden und sehenden Mohn unterteilt wurden, geerntet. Der sehende Mohn, der als besser und feiner galt, wurde in besonders heißen Sommern vielfach gleich auf dem Feld "gereitert". Die Kapseln ließ man zurück. Brachte man die Kapseln nach Hause wurden sie entweder in der Sonne oder aber bei schlechter Witterung am Ofen zum Trocknen aufgelegt.

   Das Mohnstroh wurde entweder gebündelt, im Herbst geschnitten und als Streu verwendet oder gleich verbrannt.

 

Aufschneiden und Aufbewahrung

 

   War der Mohn trocken, konnte man ihn aufschneiden. Dabei war wieder die ganze Familie beteiligt. Sehr oft wurde auch die Dorfjugend dazu eingeladen. Bei diesen Zusammenkünften die meistens am Abend stattfanden, ging es immer lustig her, es wurde gesungen und getanzt und nach getaner Arbeit gab es eine kräftige Jause.

   Die Kapseln wurden mit dem Messer aufgeschnitten und dann durch das Feinsieb gesiebt. Der Mohn wurde dann in luftdurchlässigen Leinensäcken aufbewahrt. Luftdicht aufbewahrter Mohn wurde "moschig"  und somit ungenießbar. Der Mohn für den Eigenbedarf wurde behalten und der Rest , der weitaus größere Teil, wurde an die Mohnhändler verkauft.

 

Verarbeitung

 

   Der Mohnsamen wird in Mörsern zerstampft. Mundartliche Ausdrücke dafür sind "Mognnarbl" , "Mognmesa" oder "Mognfaßl"

   Diese "Mognmesa" sind aus einem Stück hartem Holz geschnitzt, öfters auch gedreht und ca 40 - 50  cm lang.

   Oft sind sie am oberen oder am unteren Ende etwas verstärkt gearbeitet, unten umschließt sie häufig ein Eisenreifen, um das Zerspringen des Holzes beim Stampfen zu verhindern. Die Stößl, Stampfer oder Mohnkeulen sind zumeist aus Eisen, es gab aber auch welche aus Holz. Diese hatten meistens einen geschnitzten Holzkopf am oberen Ende und waren unten mit Eisen beschlagen.

   Während und nach dem 2. Weltkrieg wurde der Mohn auch mit aus Blech gearbeiteten Mohnmühlen gemahlen. Da aber das Mohnöl das Blech angriff und der Mohn Blechgeschmack annahm, kam man sehr bald wieder davon ab. "Gestoßener Mohn ist halt doch besser als gemahlener" bekam ich immer wieder versichert.

 

Saatgutgewinnung

 

   Meistens wurde eigenes Saatgut verwendet. Um bessere Erträge zu erzielen wurde öfters auch mit Nachbarn oder Bauern aus anderen Dörfern getauscht.

Sorten des Mohns:

   Waldviertler Blaumohn, Graumohn, vereinzelt weißer Mohn (dieser hatte Nußgeschmack und wurde gerne von Konditoren gekauft), blinder und sehender Mohn.

 

Mohn und Aberglaube

 

Früher wurde Mohn abgekocht und Kleinkindern als Schlafmittel verabreicht. Ich habe auch gehöhrt, daß man ganze Mohnkapseln mit Stengel unter das Kopfkissen der Kinder gab - auch das sollte einen besseren Schlaf bewirken. 

 

Von Gabriele Walter

aus einem Waldviertler Heimatbuch