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Erpfi, Erdäpfel oder gar Kartoffel

 

Ein typische, gerade im Waldviertel besonders gut gedeihende Knolle.

 

 

Früher ein Armeleuteessen,

heute auch in der Gourmetküche nicht mehr wegzudenken.

 

Die Wiege des Erdapfels stand angeblich hier bei uns, behaupten die Menschen in der Region Lainsitztal. Denn hier im Ort Pyrabruck, nahe der Grenze zu Böhmen, ließ Kaiserin Maria Theresia die ersten Erdäpfel versuchsweise im Freiland aussetzen. Eine kluge Entscheidung der damaligen Landesmutter, sie hätte wohl kaum einen besseren Platz auswählen können. Denn hier im Waldviertel gedeihen die Erdäpfel besonders gut und entwickeln in dem gesunden manchmal etwas rauhen Klima einen ganz besonderen Geschmack. Der Erfolg der Kaiserin im Kartoffelanbau war allerdings bescheiden.

 

Kurzer geschichtlicher Überblick

 

 Die Geschichte der Erdäpfel begann schon lange vor der Inka-Zeit. Funde aus der Zeit um 400 v. Chr. an den Ufern des Titicaca Sees im heutigen Bolivien und an der peruanischen Küste zeugen von der Existenz der Erdäpfel. Diese frühen Erdäpfeln hatten die Größe einer Nuß oder eines kleinen Apfels und waren rot bis goldgelb oder blauschwarz gefärbt.

Mitte des 16. Jahrhunderts brachten spanische Eroberer diese Knolle nach Europa. Nicht nur Botaniker und Wissenschaftler waren von dieser neuen Pfanze begeistert, sondern auch die Regierenden in Europa interessierten sich zusehends für diese Erdäpfeln. Sie versuchten ihre Bauern zu überzeugen, diese kostbare Frucht anzubauen, da ständig Hungersnöte und Kriege an der Tagesordnung waren. Mitunter mußte zu drastischen Mitteln gegriffen werden, um die Bauern, die die Erdäpfel lange Zeit für giftig und für die Verursacher von Syphilis und Lepra hielten, zum Anbau zu bewegen.

König Friedrich II von Preußen (der Große) verordnete am 24.03.1756, (am Beginn des siebenjährigen Krieges, den die Kaiserin Maria Theresia schließlich verlor und in der Folge Schlesien entgültig an die neue Großmacht Preußen abtreten mußte) im berühmten "Erdäpfelbefehl"  (insgesamt sind 15 solcher Anordnungen bekannt) den Bauern den Anbau der Knolle, um Hungersnöte zu verhindern, doch mußte er drohen, die Nasen und Ohren jener abzuschneiden, die dieser Verordnung nicht Folge leisten wollten, um sich durchzusetzen. Ihren entgültigen Durchbruch schaffte die Knolle im bayrischen Erbfolgekrieg zwischen Preußen und Östereich 1778-1779, der besser als Kartoffelkrieg bekannt ist.

In Österreich sollen es zwei Priester gewesen sein, welche die Bauern überzeugen konnten, diese kostbare Frucht anzubauen. Immer öfter wurden die Erdäpfel für den Eigengebrauch angeplanzt und entwickelten sich zu einem wichtigen Volksnahrungsmittel. Heute ist die Erdäpfel das Grundnahrungsmittel von gut zwei Dritteln der Weltbevölkerung und die inzwischen zweitwichtigste Nahrungspflanze nach Maniok. Es gibt weltweit einige tausend verschiedene Sorten, von denen aber nur ein kleiner Teil regelmäßig angepflanzt wird.

 

In Österreich taucht der Erdapfel erstmals um 1620 in Seitenstetten auf. Der Abt des Stiftes, Kaspar Plautz, erhielt von einem belgischen Gärtner Kartoffelknollen und baute sie im Klostergarten an. Er hielt viele praktische Tipps und Rezepte schriftlich fest, und anderem ein Rezept, daß wir heute einfach als Kartoffelsalat bezeichnen würden. Sonderbar ist jedoch, dass die Kartoffel offensichtlich in der Klosterküche keine Platz fand. In den Kochbüchern des Klosters aus dieser Zeit ist kein einziges Kartoffelrezept zu finden.

 

In Niederösterreich wird die Einführung des Kartoffelanbaues dem aus dem Herzogtum Luxemburg (damals ein Teil der Österreichen Niederlande) stammenden "Erdäpfelpfarrer" Johann Eberhard Jungblut zugeschrieben. Er steht in dem Rufe, im Jahre 1761 Kartoffeln aus seiner Heimat hier eingeführt zu haben.

 

Die Kartoffel - ein Nachtschattengewächs

 

Die Kartoffel gehört wie die Tomate, die Paprika, die Melanzane und der Tabak zu den Nachtschattengewächsen. Tomate, Paprika und Tabak kommen aus Amerika, die Melanzane aus Indien. Diese Familie stellt damit weltweit vier bedeutende Kulturpflanzen. Die in unserer heimischen Flora vorkommenden Nachtschattengewächse sind aber durchwegs Wildpflanzen, die eines gemeinsam haben, sie sind alle ziemlich giftig. Als man die Kartoffel mit ihrer typischen Nachtschattenblüte in Europa zum ersten Mal sah, war man natürlich vorgewarnt. Auch die Kartoffel enthält nämlich in ihren Beerenfüchten und in allen ihren grünen Pflanzenteilen das giftige Solanin. Anfänglich war die Aufmerksamkeit an dieser hier unbekannten Pflanze auf die Beeren gerichtet bevor man den Wert der Knolle erkannte. Vielleicht war ja auch das mit ein Grund für die anfängliche Abneigung zum Anbau der Kartoffel. 

 

 Die wertvollen Inhaltstoffe der Knolle

 

Die Stärke und die Vitamine sind im Mark und gehen daher auch beim Schälen nicht verloren. Proteine, Fett und Mineralstoffe aber sind eher in der Rinde und werden mit dem Kartoffelschäler teilweise entfernt. Die Rohfaser der Schale wird nur bei den Frühkartoffeln, die als Pellkartoffel zubereitet werden, verzehrt. Obwohl der Eiweißgehalt der Kartoffelknolle im Vergleich zu anderen Pflanzen nicht sehr hoch ist, hat er trotzdem sehr große Bedeutung, weil das Eiweiß sehr wertvoll ist. Besonders hervorheben muß man den hohen Gehalt an Vitamin C, der über Jahrhunderte für viele Menschen lebensrettend war, da man die Kartoffel ja bis hinein ins Frühjahr lagern konnte. Heute hat, bedingt durch unsere schlampige Ernährungsweise, die Versorgung mit Mineralstoffen eine besonders wichtige Bedeutung. Die Kartoffel kann nicht dick machen, weil der Fettgehalt der Knolle viel zu niedrig ist!. Ihr Wassergehalt liegt bei 75%.

 

Die Entstehung der heutigen Kartoffelsorten und ihre Bedeutung

 

Die Formenvielfalt der Kartoffelpflanzen in Südamerika ist unüberschaubar, man weiß heute fast gar nicht mehr wie die ersten Knollen ausgesehen haben, die die Spanier nach Eurpa brachten.

 

Die Züchtung der Kartoffel ging deshalb so gut voran, weil man die verschiedenen Typen kreuzen kann und dann immer neue Kartoffeln mit weiter verbesserten Merkmalen erhält. In bestimmten Regionen waren geeignete Typen der Kartoffel besonders erfolgreich und so wurden sie dort vermehrt angebaut. So sollen z.B. die Vorläufer der bekannten Sorte Naglerner Kipfler von den Soldaten Napoleons nach Österreich gebracht worden sein und im Mühl- und Waldviertel geeignete Bedingungen gefunden haben. In unserem Jahrhundert entstanden dann die Sorten, d.h. durch bewußte Züchtung wurden die Eigenschaften der Kartoffel weiter verbessert. Die erarbeiteten Sorten bekamen einen Namen, werden registriert, d.h. gesetzlich geschützt, dann werden Saatkartoffel vermehrt und die Sorte wird unter einem gut klingenden Namen vermarktet.

 

Die derzeit in Österreich angebauten Kartoffelsorten kann man in zwei große Gruppen, nach ihrer äußeren Form, einteilen:

 

a) Langovale bis lange Sorten 

 

unter anderen - Bintje, Christa, Ditta, Nagelner Kipfler, Sieglinde, Sigma

 

b) Runde bis ovale Sorten

 

Ackersegen, Hermes, Ostara, Sirtema - und andere.

 

 

 Man könnte meinen, daß die Kartoffel ein robustes Gemüse ist, bei dem nach der Ernte nicht viel schief gehen kann. Die Behandlung und Lagerung der Kartoffel braucht aber größtes Wissen und modernste Ausstattung, wenn man bis ins Frühjahr hinein gute Qualität erhalten will.

 

Jedem Waldviertler ist der "Waldviertler Erdäpfelknödel" ein Begriff. Zu einem Schweinsbraten gehören einfach Erdäpfelknödel und Krautsalat. Es gibt jedoch die verschiedensten Rezepte zur Herstellung der "Original Waldviertler Erdäpfelknödel", meist werden jedoch je zur Hälfte gekochte und rohe Kartoffel dazu verwendet. 

 

 

Erstellt aus verschiedensten Quellen, insbesonders

 

Helmut RAINER - Die Kartoffel in Österreich

 

 Otmar Schuster, 17. April 2016