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Die Heuschreckeninvasion von 1749

 

von Adolf Wandl St. Martin, aus der Zeitschrift "Das Waldviertel",

Jahrgang 1954 Nr 6

 

 

   Am 22. August 1749 erlebten die Bewohner des nordwestlichen Waldviertels ein besonderes Ereignis. An diesem Tage erschienen in der Gegend um 5 Uhr nachmittags ungeheure Schwärme von Heuschrecken, die aus Rumänien und der Walachei über Siebenbürgen, Ungarn und Wien ins Waldviertel kamen. Dieses schädliche Getier teilte sich bei Vitis in mehrere Schwärme. Ein Teil flog über Groß Schönau, Spital, Weitra, Schützenberg, Wultschau, Hirschenwies, Maißen nach Böhmen zu. Ein zweiter Teil flog über Groß Neusiedl, Waldenstein, Dietmanns. Ein anderer Teil flog über Engelstein, Harmanstein, St. Wolfgang, Friedreichs, Watzmanns gegen Groß Pertholz zu. Weitere Teile flogen gegen Rieggers, Gerlas, Klein Schönau, Schroffen, Gmünd und Schrems. Dieses Ungeziefer, so dick und lang wie ein Mittelfinger einer fleischigen Hand, flog in solchen Haufen, daß die Sonne verfinstert wurde. Manche Ortsbewohner glaubten beim Herannahen dieser Schwärme, es sei Rauch von einem Brand im Nachbardorf. Die Bewohner der heimgesuchten Ortschaften schlugen mit allen zu Gebote stehenden Mitteln Lärm, um dieses Getier von ihrem gesamten Besitz fernzuhalten und zum Weiterflug zu veranlassen. Dieses schädliche Ungeziefer richtete auch tatsächlich nirgends einen Schaden an. Auf den Wiesen und Feldern lagerten diese Heuschreckenschwärme über Nacht; von höher gelegenen Stellen betrachtet, schaute ihr Lager infolge der glänzenden Flügeln so aus, als ob Schnee oder sehr dichter Reif gefallen wäre. Der Flug dauerte von Ort zu Ort über zwei Stunden.

   Im Gedenkbuch der Herrschaft Engelstein befindet sich über diese Heuschreckeninvasion folgender Text:

   Am 22. August 1749 wurde die allhiesige Gegend zu Engelstein und Schönau von einer ungemeinen Ungeziefers Quantität, deren sogenannten Heuschrecken heimbgesucht, welche abends bey Sonnenuntergang sich in Haberfeld zu lagern anscheinete; zumalen aber noch alle Sommerfrucht, besonders der allschon abgemähnte Haber auf der Braitte herumbligete, wurden solche durch Zusammenhelfung aller Leuthen, mit Geschoß, Schreyen, Schnalzen und klingenden Instumenten endlich beweget, sich in ihrer Kraftlosigkeit weiter hinaus in das Braifeld gegen Harmanstein zu begeben, allwo sie teils handhoch auf der Erd liegend, teils auf den Bäumen auf und auf übereinander hockend, zu übernachten gezwungen wurden; die Schwärr und Mänge darauf schienet umb so gewaltiger gewesen zu seyn, als sich nicht nur die Baumbwüpfl ob ihrer sehr gebogen, sondern auch sehr viele Äste in den sogenannten Kirchbichls Wäldl rechterseits des Friedreichter Teichtls effektive abgebrochen synd; die mehreste Leuth waren bis Mitternacht auf den Feld, umb die Bewegung wahrzunehmen.

   Folgenden Tags darauf wurde umb halber 6 Uhr frueh in allhiesiger Schloß Kapellen zu Ehren unserer lieben Frauen ad intentionem dieses abwendenden Übels eine feyerliche Meß gelesen und der Rosenkranz unanimiter öffentlich vor der sich zahlreich eingefundenen Dorfs- und Nachbarschafts Mänge abgebettet, nach welcher man sich weydter in das Feld begäbe; und da endlich die Sommerhitze dieses Ungeziefer wiederumb erwärmet, hat man in den Wäldl auf den Äckern da und dort Feuer angelegt und mit grünen Ästen überwehrts bedecket, folgbahr durch Erweckung des Rauchs und hierauf mit erfolgtem Geschrey, Schüssen, Schnalzen, Leutten deren Klöckln und obgemeldeten klingenden Instrumenten gänzlichen das schädliche Geschmais abgetrieben. Hierauf sich selbes auf denen gegen Harmanstein gelegenen Wüsen solchergestalten setzeten, daß man nichts anderes glaubete, als ob es puren Schnee geschnien hätte.

   Endlich theilten sich diese unangenehmen Gäste in vier Theil und nahmen ihren weitheren Flug über Friedreichs, Watzmanns, Harmanstein und Wolfgang gegen Weitra und Pertholz zue ohne Hinterlassung ohne des im mündestens verspührenden Schadens. 

   Es wurde auch nechstens auf Befehl hiesig hochgnädiger Herrschaft, Gott und unseren lieben Frauen zu Ehren zu einer schuldigen Danksagung ain feyerliches Lobamt in hiesiger Schloß Kapellen gehalten.

 

Es erscheint für mich unglaublich, daß ein derartiger Heuschreckenschwarm keinen Schaden angerichtet haben sollte !

 

Otmar Schuster