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Die "Hunde von Kuenring"

 

 von Edmund Daniek, Zeitschrift "Das Waldviertel" Jahrgang 1955 Nr 7-8

 

Die Kuenringer ? Das waren doch die ärgsten Raubritter unter den österreichischen Adeligen! Diese Ansicht kann man auch heute noch sehr häufig hören, denn von den vielen Rittergeschlechtern des Mittelalters ist keines so sehr in Erinnerung gelieben, wie die sogenannten "Hunde von Kuenring".

   Vor allem waren sie keine Adeligen, sondern Ministeriale und obendrein waren sie auch keine Raubritter. Wieso? Nun das soll im Laufe der Darstellung erörtert werden.

 

   Generationen von Schulkindern lernten aus ihren Lesebüchern folgende Gschichte:

 

"Als sich Hadmar und Heinrich, die Hunde von Kuenring, gegen Herzog Friedrich II. von Österreich empörten, die Stadt Krems plünderten und in Brand steckten, alle Donauschiffe beraubten und die verschiedensten Greueltaten begingen, folgte Herzog Friedrich zur Bändigung der Raubgesellen dem klugen Rate eines Kaufmannes. In Regensburg wurde ein Schiff ausgerüstet, daß sowohl kostbare Waren wie auch versteckt dreißig schwerbewaffnete Männer enthielt. Wie vorausgesehen, wurde das Schiff bei Aggstein, einem Hauptsitz der Kuenringer, zum Landen gezwungen, um beraubt zu werden. Als die Knechte Hadmars die reiche Beute sahen, riefen sie gleich Hadmar aufs Schiff. Kaum aber hatte er dies betreten, als die Schiffsleute vom Ufer abstießen, die dreißig Bewaffneten hervorstürzten, Hadmar überwältigten und fesselten. Erwurde sofort nach Wien gebracht, wo er von Herzog Friedrich II. streng abgeurteilt wurde."

 

   Dies war so ziemlich alles was die Schuljugend früher über die Kuenringer erfuhr. Kein Wunder daher, daß sie im Volk als Raubritter galten. Das Geschlecht der Kuenringer hat rund 550 Jahre bestanden und es ist aufs innigste mit der Geschichte und dem Wachstum Österreichs verbunden. Wären die Kuenringer Raubritter gewesen, so wären sie früher oder später dem Strick des Henkers verfallen und ihr Name wäre nie in die Geschichte eingegangen. Wie gesagt, die Kuenringer waren auch keine Adeligen, sondern Ministeriale, wenngleich sehr mächtige. Die Adeligen, die Hochfreien, demnach die Grafen und Freiherren, wurden im Mittelalter nur vom deutschen König bzw. Kaiser ernannt. In der Zeit der bäuerlichen Leibeigenschaft war daher nur der Adelige tatsächlich frei, was schon im Worte "Freiherr", auf französisch "Baron", zum Ausdruck kam. Die Adeligen hatten auch das Recht sich nach ihrem größten Dorfe bzw. Burg, zu benennen. Zum Beispiel Eberhard Freiherr von Eggendorf. Neben den eigentlichen Adeligen gab es noch eine Art Unteradel, die Ministerialen, den sich die Landesfürsten, die Herzöge oder Markgrafen zur Unterstützung ihrer Aufgaben schufen und der zumeist aus dem Bauernstand entnommen wurde.

   Hans, ein Bauernsohn, der in einem Kloster nicht nur Lesen und Schreiben gelernt, sondern auch eine Allgemeinbildung erworben hatte und daher als Geheimschreiber beim Markgrafen diente, erhielt als Belohnung für treue Dienste vom Markgrafen ein Dorf samt Grund und Untertanen zu Lehen. Er besaß damit auch das Recht dort eine kleine Burg erbauen zu lassen und sich danach zu benennen. So wurde aus dem Bauernsohn und markgräflichen Schreiber Hans ein Ministerialer der Herr Johann von Ebersdorf oder Waldbachhausen etc. Bei Burgenverwaltern und noch häufiger bei Anführern von Kriegsleuten war dies ebenso. Dennoch bestand zwischen Adeligen und Ministerialen ein bedeutender Unterschied, eine weite gesellschaftliche Kluft. Heiraten zwischen Adeligen und Ministerialen galten als Messalliancen. Erst im 13. Jahrhundert wurde der Unterschied infolge des Aussterbens vieler alter Adelsgeschlechter nach und nach ausgeglichen. Die Lichtenstein und Starhemberg z.B. die später in den Hochadel aufstiegen, waren im 12. Jahrhundert gleichfalls nur Ministeriale.

   Nun ist ein solch kleiner Ministerialer war auch der Urahne der Kuenringer, Herr Azzo von Hezmannswiesen, der Lehensinhaber dieses kleinen Dorfes in der Umgebung von Eggenburg im niederösterreichischen Waldviertel. Dieser Azzo aber mußte bei seinem Markgrafen, dem Babenberger Ernst von Österreich, in hoher Gunst gestanden sein, denn eine Urkunde von 1056 besagt, daß ihm Kaiser Friedrich der IV. über Vorschlag des Markgrafen drei königliche Huben Land (ca 141 Hektar) bei Hezmannswiesen geschenkt habe. Dieser Azzo von Hezmannswiesen wurde später auch mit Gobatsburg belehnt, denn bereits in einer Urkunde von 1074 führt er den Ritternamen "Azzo von Gobatsburg". Noch größer aber wurde Azzos Einfluß unter Markgraf Leopold II. Dieser geriet mit Kaiser Heinrich IV. in Streit und die Folge war, daß der Kaiser die Markgrafenschaft Österreich dem Böhmenherzog Bratislav als Lehen übertrug und Bratislav aufforderte in Österreich militärisch einzurücken. In der Schlacht bei Mailberg wurden die babenbergischen Truppen am 12. Mai 1082 vernichtend geschlagen, so daß sich Markgraf Leopold II. genötigt sah, sich mit den Resten seines Heeres in der Umgebung von Gars zu verschanzen. Aus der Zwettler "Bärenhaut", so benannt, weil diese von Abt Ebro im 14. Jahrhundert angelegte Chronik in das Leder eines erlegten Wildschweines, eines "Saubären" eingebunden ist, erfahren wir, daß der hartbedrängte Markgraf nun den Oberbefehl über seine Truppen Azzo von Gobatsburg übertrug, dem es auch gelang, die Böhmen aus Österreich zu vertreiben. Natürlich erwies sich Markgraf Leopold dem Azzo gegenüber sehr dankbar, umsomehr, als er sich wieder mit dem Kaiser versöhnt, und so im Besitze Österreichs verbleiben konnte. Damals war Melk Regierungssitz der markgräflichen Regierung von Österreich. Um nun der babenbergischen Residenz näher zu sein, wurde Azzo vom Markgrafen ersucht, eine feste Burg in Tirnstain (Dürnstein) zu erbauen, was auch geschah. Azzos Söhne, Anshalm, Nizzo und Albero waren bereits an der Donau und im oberen Waldviertel reich begütert. Nizzo wurde der Erbauer der Burg und Stadt Zwettl. Nizzos Sohn, Hadmar I. und seine Gemahlin Gertrude, gründeten im Jahre 1138 das Zisterzienserstift Zwettl, das später auch Begräbnisstätte der Kuenringer wurde. Schon vorher hatten sich die zahlreichen Familienmitglieder in der alten Stammburg Hezmannswiesen versammelt, um über einen gemeinsamen Familiennamen zu beraten. Als sie so im Kreise beratend beisammen standen, soll der Sage nach einer von ihnen vorgeschlagen haben:

"Hier stehen die Kuehnen (Kühnen)

viel, in einem Ring,

nennen wir uns Kuenring".

   Wie dem nun sei, tatschlich heißt das einstige Dorf Hezmannswiesen bei Eggenburg heute noch Kühnring und die kleine Pfarrkirche, die eine Mauer von zweieinhalb Meter Dicke aufweist, ist zweifellos aus der einstigen Burgkapelle hervorgegangen.

   Auch unter den Regierungszeiten der nächsten Babenberger Leopolds III., des Heiligen, Leopolds IV. und Heinrich Jasomirgotts, des ersten Herzogs von Österreich, leisteten die Kuenringer treue Dienste. Hadmar II., der sich in den Kämpfen, die Böhmen und Ungarn gegen Österreich führten, auszeichnete, erhielt von Herzog Leopold V. große Gebiete an der Lainsitz, wo er 1185 die große Burg Weitra erbaute. Im Laufe der späteren Jahrzehnte teilte sich das Kuenringergeschlecht in die Linie Kuenring-Dürnstein und Weitra. Hadmar II. begleitete auch Herzog Leopold V. auf den großen Kreuzzug ins heilige Land, wo der englische König Richard Löwenherz bei der am 12. Juli 1191 erfolgten Erstürmung der Festung Arkon durch österreichische Truppen doe österreichische Fahne beleidigte. Als knapp vor Weihnachten 1192 Richard Löwenherz verkleidet über Wien nach England heimreisen wollte, wurde er in Erdberg erkannt und über Befehl Herzog Leopolds V. sofort verhaftet. Der Herzog hatte in der Person des englichen Königs ein höchst wichtiges Pfand in den Händen. Es traf sich ausgezeichnet, das für den 6. Jänner 1193 ein Reichstag zu Regensburg ausgeschrieben war, den auch der Herzog von Österreich besuchen mußte. Um nun Kaiser Heinrich VI. und den übrigen deutschen Reichsfürsten zu zeigen, welch hohen Gefangenen er gemacht hatte, nahm er Richard Löwenherz kurzerhand nach Regensburg mit, wo er ihn dem höchst erstaunten Reichstage vorführte. Kaiser Heinrich VI. verlangte sofort die Übergabe an ihn, da nur er befugt sei, wegen des Lösegeldes mit der englischen Regierung zu unterhandeln. Leopold aber lehnte die Übergabe seines Gefangenen ab und da er befürchtete, Kaiser Heinrich VI. könnte sich des hohen Gefangenen mit Gewalt bemächtigen, beauftragte er den ihn begleitenden getreuen Hadmar II. - von Kuenring, Richard Löwenherz in der Nacht nach Österreich zurückzubringen und in der festen Kuenringerburg Dürnstein in strenger, aber ritterlichen Haft zu halten. Kaiser Heinrich VI. forderte von England die damals enorm hohe Summe von 100.000 Silbermark, von der er nicht das geringste nachließ. Erst als der größte Teil des Lösegeldes bezahlt war - England verpfändete damals die gesamte Schafschur für ein Jahr - und sich auch der Kaiser mit Herzog Leopold V. von Österreich über die Teilung des Lösegeldes geeinigt hatte, wurde König Richard Löwenherz von Dürnstein geholt und am 4. Februar 1194  in Mainz den Vertretern der englischen Regierung übergeben. Daß Blondel, der Diener Richard Löwenherz´ von Burg zu Burg gezogen sei, bis er ihn endlich das Lieblingslied seines Herrn singend, in Dürnstein entdeckt habe, ist weiter nichts als eine rührselige Sage. Herzog Leopold V. erhielt von diesem Lösegeld 30.000 Silbermark, die er zum verstärkten Ausbau der Ringmauern Wiens und Hainburgs verwendete. Da vor kurzem durch Erbvertrag auch Steiermark mit Österreich vereinigt worden war, die Ungarn deswegen wiederholt Einfälle vollführten, die österreich-steirische Grenze damals noch übers Stenfeld ging, wurde von diesem Lösegeld auch die mächtige Grenzburg Wiener Neustadt erbaut. Einen übrig gebliebenen Teil dieser alten Babenbergerburg ließ Kaiserin Maria Theresia zur Militärakademie umbauen.

   Die Affaire mit dem englischen König Richard Löwenherz hatte noch ein böses Nachspiel. Papst Cölestin III. verhängte über Heinrich VI., Herzog Leopold V. und Hadmar II. von Kuenring, den Kirchenbann, der erst nach Jahren wieder aufgehoben wurde.

    Auch unter den Regierungszeiten der späteren Babenberger spielten die Kuenringer stets eine mächtige Rolle. Im Jahre 1229 wurde der jahrelange Streit zwischen dem Hohenstaufer Kaiser Friedrich II. und dem Papst Gregor IX. durch das Schiedsgericht von San Germano beigelegt, wobei Herzog Leopold VI. von Österreich die Vermittlerrolle zukam. Bei diesen monatelangen Verhandlungen in San Germano fungierte Hadmarr III. von Kuenring, als Protokollführer, während sein Bruder Heinrich von Kuenring inzwischen im Namen des Herzogs als Landmarschall die Regierung besorgte. Dieser Heinrich II. von Kuenring-Weitra betrachtete sich gewissermassen als getreuer Wachthund über das Eigentum seines Herzogs Leopold VI. Er legte sich dabei auch die Bezeichnung "Hund" bei, damals ein Ehrentitel, den später auch andere Familienmitglieder führten und sich auf lateinisch "canes" also "Hunde" bezeichneten, um so die Ergebenheit zu ihren Herrn zu dokumentieren.

    Nun geschah das Merkwürdige: Kaum war Leopold VI. gestorben und im Stift Lilienfeld im November 1230 beigesetzt worden, als sich fast alle österreichischen Ministerialen unter Führung der Kuenringer gegen den neuen Herzog, Friedrich II. erhoben. Da Heinrich von Kuenring als Landmarschall Zutritt zur herzoglichen Schatzkammer hatte, benützten die Kuenringer eine kurzfristige Abwesenheit des Herzogs von Wien, um den Staatsschatz aus Wien fortzuschaffen und auf ihre Burg Zwettl zu bringen. Damit sollten dem Herzog die Mittel entzogen werden, gegen sie Truppen aufzubieten. Zugleich erpreßten die Kuenringer von den Städten und Märkten hohe Geldbeträge, plünderten Krems und andere herzogliche Städte und Märkte und sperrten obendrein bei Korneuburg die Donau ab, um die Lebensmittelzufuhr Wiens abzuschneiden. Was war die Ursache, daß die bisher getreuen Anhänger des Landesfürsten urplötzlich so handelten? Der jugendliche Herzog Friedrich hatte schon zu Lebzeiten seines Vaters versucht die Rechte der Ministerialen stark einzuschränken. Dies unmöglich zu machen, dem jungen Herzog von allem Anfang an die Zähne zu zeigen, dies war der Zweck dieses Aufstandes, an dessen Spitze eben die Kuenringer standen. Aber der 19jährige Herzog Friedrich II., der später den Beinamen der "Streitbare" erhielt, war nicht von Pappe. Wenngleich seines Kriegsschatzes beraubt, verschaffte er sich Kredit und mit den von Klöstern beigestellten Truppen warf er vor allem die verschiedenen kleinen Ministerialen nieder. Gegen die Kuenringer rückte er mit einem starken Heer vor und belagerte ihre Burgen Zwettl und Weitra. Die Nutzlosigkit einsehend, ergaben sich die Kuenringer dem Herzog. Während Herzog Friedrich gegen die kleinen Ministerialen aufs Strengste ins Gericht ging, mußte er aus politischen Gründen die mächtigen Kuenringer aus politischen Gründen höchst milde behandeln. Ihre Burgen Dürnstein und Aggstein wurden geschleift, andere wurden ihnen abgenommen. Sie mußten ihre Söhne für mehrere Jahre dem Herzog als Geiseln stellen, bis sie den angerichteten Schaden gutgemacht hatten. Es erscheint aber geradezu grotesk, daß Heinrich II. von Kuenring-Weitra, also der Hauptaufrührer, sogar als Landmarschall belassen wurde! Diese einzige und aus politischen Motiven erfolgte Erhebung der Kuenringer ist es gewesen, die sie in Verbindung mit der Lesebuch-Legende und der irrigen Auslegung der Bezeichnung "die Hunde von Kuenring" zu Raubrittern gestempelt hat.

   Als Herzog Friedrich II. am 15. Juni 1246 im Kampf gegen die Ungarn, bei Pottendorf, fiel womit das Herrschergeschlecht der Babenberger ausstarb, nannten sich die Kuenringer sofort "Regenten von Österreich". Der Sohn Hadmars III. Albero V., der als Landmarschall fungierte, trat in dieser Zwischenperiode dem jäh ansteigenden Räuberunwesen höchst energisch entgegen. Als jedoch der Böhmenherzog Ottokar Österreich in Besitz nahm bekundeten Albero V. und Heinrich der IV. von Kuenring ihre Ergebenheit auch diesem neuen Landesherrn. Ottokar vermählte später sogar seine Tochter Elisabeth mit Heinrich V. von Kuenring-Weitra, den er zugleich zum Burggrafen von Weitra erhob. Die Situation änderte sich abermals. Im Oktober 1273 wurde in Frankfurt Graf Rudolf von Habsburg zum deutschen Könige gewählt, der alsbald von Ottokar die Herausgabe Österreichs forderte, was dieser verweigerte. Als Rudolf in Österreich einrückte, schloß sich ihm sofort Leutold I. von Kuenring-Dürnstein mit seinen Kriegsleuten an, während sein Vetter Heinrich V. von Kuenring-Weitra an Ottokars Seite verblieb. So kam es zur merkwürdigen Tatsache, daß am 26. August 1278 in der Marchfeldschlacht, bei der Ottokar sein Leben verlor, die Kuenringer sowohl im Heere Rudolfs, wie Ottokars kämpften. Unter König Rudolf von Habsburg sowie unter dessen Sohn Albrecht spielte Leutold I. eine bedeutende Rolle, während Heinrich V. von Kuenring-Weitra als Verbannter in Troppau starb. Die Macht der Kuenringer hatte damals ihren Höhepunkt erreicht. Sie beaßen 17 Burgen und zwar: Aggstein, Brunn, Leuben, Spitz, Wolfstein, Stalleck, Wolkenheim, Burgschleinitz, Eisgarn, Thaya, Weitra, Seefeld, Feldsberg, Ladendorf, Kirchschlag, Firchtenstein und Obritzberg. Dazu kamen noch verschiedene Städte, Märkte und viele Dörfer. Ihr Besitz reichte auch nach Oberöstereich und Steiermark. Die Kuenringer waren so mächtig, daß sie, obwohl sie Ministeriale waren, sich selbst zahlreiche Ministeriale bestellten. So waren die Liebenberge Ministeriale der Kuenringer, von denen sie bei Siegharts das Dorf Liebenberg und die kleine Burg zu Lehen hatten. Bekanntlich ist ein Nachkomme der später freiherrlichen Familie, Andreas von Liebenberg, als Bürgermeister Wiens zur Zeit der zweiten Türkenbelagerung 1683 in ehrenvollster Weise in die Geschichte Österreichs eingegangen.

   Mit Leutold III. starb 1355 die Linie Kuenring-Dürnstein aus, während die Linie Weitra-Seefeld Österreich noch durch viele Jahrzehnte getreue Dienstete leistete. Aber ihr Besitz schwand immer mehr dahin. Die Ritterheere wurden immer mehr entbehrlich, je stärker sich die Erfindung des Schießpulvers auswirkte. Das Rittertum verfiel und sank vielfach zum Raubrittertum herab. Und gerade in dieser Zeit leisteten die Kuenringer Österreich große Dienste. Nizzo ebenso später Georg von Kuenring bekämpften im Auftrag der österreichischen Landesherrn die Raubritter, die zu einer furchtbaren Landplage vor allem im Marchfeld geworden waren. Mit großen Vollmachten versehen, schritt Georg von Kuenring mit eisener Strenge gegen die Raubritter, ließ ihre Burgen und Raubnester niederbrennen, sie und ihre Spießgesellen kurzerhand aufknüpfen. Doch die Raubritter waren solidarisch und rächten sich. Sie zerstörten zahlreiche Burgen und Dörfer Georgs von Kuenring, der nicht über die Mittel verfügte, seine zerstörten Burgen wieder aufzubauen, so daß sie zu Ruinen wurden. Georg von Kuenring starb 1464. Albero IX. von Kuenring verschwendete derart den Rest des Famiienvermögens, daß Johann VI. von Kuenring bereits als verarmter Adelger galt. Er verschied auf seiner einzigen Burg Seefeld am 9. Dezember 1594. Mit ihm erlosch das Geschlecht der Kuenringer. An seinem Grabe wurde das Aussterben eines uralten Rittergeschlechtes dadurch bekundet, daß ein Ritter das Kuenringer-Wappen symbolisch zerbrach, mit kläglicher Stimme rief "Kuenring, nimmer Kuenring" und die entzwei gebrochenen Wappenteile dem Sarge nachwarf.

   Im Stift Zwettl, das 1138 von den Kuenringern gegründet wurde, sind die meisten der Familienmitglieder bestattet. Heute noch kann man in der Zwettler Stftskirche über einem Seitenaltar den weitverzweigten Stammbaum bildlich dargestellt sehen.

   Wären die "Hunde von Kuenring" tatsächlich Raubritter gewesen, wie heute noch vielfach fälschlich angenommen wird, hätten sie sich unmöglich länger als ein halbes Jahrtausend als maßgebende Repräsentanten des mittelalterkichen Österreich behaupten können.