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Die Kuenringer bitten ums Wort

 

 von August Rothbauer, Wien, Zeitschrift "Das Waldviertel" Jahrgang 1955 Nr 11

 

 

   Der Artikel die "Hunde von Kuenring" (im Waldviertel, Jahrg 1955, Heft 7/8) räumt erfreulicherweise mit dem abgeleierten Märchen von den bösen Raubrittern, die die Kuenringer gewesen seien, auf und läßt ihnen als Kolonisatoren, Heerführer und Beamten des Landesfürsten tunlichst Gerechtigkeit widerfahren. Nichtsdestoweniger erscheint es notwendig - damit nicht statt der Raubritterlegende andere, von der Forschung längst widerlegte Ansichten und Fabeln in der Allgemeinheit weiterbestehen, einige grundlegenden Ergänzungen und Berichtigungen zu bringen.

    Da ist vor allem die wiederholte Behauptung, die Kuenringer wären keine Adeligen gewesen, sondern Ministeriale, die sich - der Artikel schließt diese Möglichkeit nicht aus - aus dem Bauernstande zu herzöglichen Beamten emporgearbeitet hätten. Gerade das Gegenteil ist der Fall. Die Kuenringer waren, wie wir aus den Arbeiten Lechners 1) und Stohwassers 2) wissen, (vielleicht bayrische, vielleicht sächsische) Hochfreie, die in der Wachau über freies Eigen und einen Hochgerichtsbezirk verfügten und auf deren Kühnringer Besitz gleichfalls Hoheitsrechte (Befestigungsrecht, Wildbann) lagen, wie sie sonst in den Rahmen der Grafenrechte fielen.

  Die Kuenringer kamen vermutlich im Laufe der Kämpfe gegen die Ungarn in die Ostmark und erwarben hier durch Königsschenkungen reichen Besitz; es ist kein Fall bekannt - und auch infolge des zeitlichen Abstandes zwischen der Aera der Königsschenkungen und dem sozialen Aufstieg der Ministerialen kaum denkbar - daß an Ministeriale bäuerlicher Herkunft Königsgut vergabt worden wäre. Erst durch Übernahme eines ritterlichen Dienstes oder Hofamtes - (Lechner denkt an die Burghut zu Gars, vierleicht auch von Eggenburg), sanken die hochfreien Kuenringer in den minderen Stand der Ministeralität herab, ohne jedoch - ebenfalls ein Beweis für ihre hochfreie Herkunft - für ihren vorher erworbenen Besitz ihre Herrschaftsrechte zu verlieren.

   Weitere Beweise für den hochfreien Ursprung der Kuenringer dürfen wir wohl in ihrer nahen Verwandtschaft mit anderen dieser sozialen Schicht angehörenden Geschlechtern, sowie in ihrem Wappen sehen; dieses, gelbe (goldene) Balken in schwarzem Felde zeigende Wappen ist im Zwettler Stiftungsbuch, der sogenannten "Bärenhaut" , mit den Worten "de Sahsen" überschrieben, obwohl es als Wappen der Kuenringer bezeichnet ist, das wir übrigens auch aus anderen Urkunden und Siegeln kennen. In der Urkunde von 1065, in welcher König Heinrich IV. an Azzo drei königliche Hufen "in dem Dorfe, das heißt Hezmanneswisa" zum freien Eigen schenkt erscheint neben dem Babenberger Markgrafen Ernst auch der Markgraf Wilhelm von Meißen als Vermittler und Befürworter; dieser stammte aus dem Hause Weimar-Orlamünde, dem die Wettiner, die späteren Herzöge von Sachsen nachfolgten. Nun gleicht aber das Balkenwappen der Kuenringer dem sächsischen und das über dem Grabe des letzten Kuenringers (+1594) zerschlagene "ganze" Wappen weist sogar den aus dem sächsischen Wappen bekannten Rautenkranz auf. 3)

   Wenn ferner die Kuenringer, allerdings erst in der ersten Hälfte des 13. Jahrh., beginnen mit "Wir" zu urkunden wie andere hochfreie Geschlechter, ja wenn sie in einer Urkunde  von 1230 sogar den Versuch machen, sich "von Gottes Gnaden" zu nennen, so spricht dies für ein hohes Maß an Selbstbewußtsein, dessen Grund keineswegs in Eitelkeit, sondern in ihrer hochfreien Herkunft lag, die sie sich dem Landesfürsten ebenbürtig erachten ließ. Wenn sie mit diesen Bestrebungen aber keinen Erfolg hatten, so lag dies nicht am Mangel eines Rechtsgrundes, sondern an der erstarkenden Hoheit der Babenberger, sowie an der inzwischen erfolgten Übernahme eines Amtes, die das Sinken in die Ministerialität zur Folge hatte. Trotzdem sehen wir, sowohl im Zwettler Stiftungsbuch, in Göttweiger Traditionsnotizen und in Urkunden, die Kuenringer wiederholt als "Vir Nobilis" 4) und "de primis ministerialibus" 5) bezeichnet, Titel, die sicherlich nicht angewendet worden wären, wenn es sich um Emporkömmlinge gehandelt hätte.

    Auch daß der Landesfürst von allen Ministerialen gerade einen Kuenringer zum Statthalter ("rector totius austrie") bestellt, von sonstigen Auszeichnungen, wie Oberbefehl über das Heer, Verleihung des Marschallamtes etc. abgesehen, spricht wohl für die hohe Abkunft des Geschlechtes und es ist nicht verwunderlich, sondern eher selbstverständlich, daß ein Kuenringer (Hadmar) der Führer des Adelsaufstandes gegen Friedrich den Streitbaren ist, dem er sich, wie bereits bemerkt, ebenbürtig fühlt und als im Wettbewerb um die Macht unterlegen. Auch wenn nach dem Tode Friedrich des Streitbaren wir den Kuenringer Albero V. an führender Stelle als "capitaneus austrie" finden, Ottokar II. sowohl  das Marschall- wie das Schenkenamt an Kuenringer verleiht - und in Anbetracht des Stolzes und der Eitelkeit des Premysliden besonders beachtenswert - seine Tochter mit einem Kuenringer vermählt, so dürfen wir wohl kaum nach weiteren Beweisen für die hochfreie Herkunft dieses Geschlechtes suchen.

   Und nun zum Beinamen der "Hunde". Richtig ist, das lediglich Heinrich I. von Kuenring, der Sohn Hadmars II. diesen Beinamen geführt hat, aber kein anderes Mitglied des Hauses, weder vor, noch nach ihm; auch daß die Annahme dieses Beinamens die Ergebenheit des Kuenringers für den Landesfürsten dokumentieren sollte, gehört in das Reich der Fabel.

   Wir finden um diese Zeit - und nicht nur in Österreich - Tiernamen wiederholt als Beinamen erwähnt; so einen Ulricus asinus (Esel) als Chorherrn von Klosterneuburg, einen Ernst, den Ochs, Komptur der Deutschordensritter, als Hausbesitzer in Wien; auch die Namen Heinrich der Löwe und Albrecht der Bär sind allgemein bekannt, wenn auch ihre Beinamen nicht den ominösen Beigeschmack der "Esel" und "Hunde" haben. So hatte auch ein Heinrich, aus dem Geschlechte der Mistelbacher, den Beinamen "Hund"; Euphemia, die Tochter dieses Heinrich von Mistelbach, war mit Hadmar II. von Kuenring verheiratet und beider Sohn, der oben ganannte Heinrich I. von Kuenring, übernahm - wie dies so üblich war - vom Großvater Tauf- und Beinamen, um beide seinem Enkel, Heinrich dem Hund von Pottendorf, zu vererben. - Man darf bei der Deutung solcher Namen nicht moderne Maßstäbe anlegen; noch im 16. Jahrh. galt das Wort "Schelm" als eine der schwersten Beleidigungen, während man vor etwa 50 Jahren einer jungen Dame kaum ein größeres Kompliment machen konnte als sie als "kleiner Schelm", ihre Augen oder ihr Lächeln als "schelmisch" zu bezeichnen.

   Daß die Kuenringer, ohne noch diese Namen zu führen, zu einer Art Famiientag zusammen gekommen seien, um über einen gemeinsamen Familiennamen zu beraten, ist ebenfalls nur ein Märchen der steirischen Reimchronik und sonst nrgends - außer in dieser Chronik abhängigen Quellen - belegt, hätte auch allen Gepflogenheiten widersprochen; die Namensänderung "Ring der Kühnen" gehört in das Gebiet der Volksetymologie. Woher der Name kommt ist ungeklärt; man könnte, da z.B. im Breisgau ein Ort gleichen Namens existiert, an eine Namensübertragung aus der Heimat des Geschlechtes denken. Sicher ist, das Hezmannswiesen nach Azzo, dem vermutlichen Gründer des Ortes, benannt ist; Die Umbenennung in Kühnring erfolgte etwa, nachdem sich die Stellung der Sippe in der Ostmark gefestigt hatte, eben nach dem Heimatorte. Jedenfalls ist Hadmar I. das erste Mitglied, das sich nach dem Sitz Kuenring nennt.

   Was Gobelsburg anbelangt, so hat Azzo diesen Ort nie besessen und sich nie nach ihm genannt. Die Urkunde von 1047, die einen Azzo von Gobartsburg als Zeugen aufführt, ist längst als Fälschung erwiesen. 6) Aus der Zeit Azzos kennen wir einen Adalprecht, später einen Ulrich von Gobartsburg, beides Namen, die bei den Kuenringern und ihren Verwandten nicht in Gebrauch waren und gerade die Vornamen sind es, die bei den einzelnen Geschlechtern immer dieselben bleiben, eventuell durch Verschwägerung übernommen bzw. weitergegeben wurden und nun als Leitfäden bei Aufhellung geneaologischer Zusammenhänge dienen. Erst um 1137 wird ein Albero von Kuenring-Gobartsburg genannt und es steht zu vermuten, daß eine Tochter Azzos den vorgenannten Adalprecht von Gobartsburg ehelichte und der Besitz nach dem Tode ihres kinderlosen Sohnes Ulrich an dessen Vetter Albero von Kuering kam. 

 

Anmerkungen:

 

1) Karl Lechner, Geschichte der Besiedlung und der Grundbesitzverteilung des Waldviertels  im Jahrbuch für Landeskunde     von Niederöstereich  1924.

    derselbe:   Geschichte der Besiedlung  und der ältesten Herrschaftsverteilung  im Heimatbuch des Bezirkes Horn, 1933.

    derselbe:   Besiedlungs- und Herrschaftsgeschichte des Waldviertels in Stephan, Das Waldviertel Band VII.

2) Otto Stowasser, Das Tal Wachau und seine Herren von Kuenring in Mitteilungen der Ver. f. Geschichte der Stadt Wien,       Band VII, 1927.

 3) Gnevkow-Blume, Die Wappen der Herrn von Kuenring in Unsere Heimat, Jahrgang 1932, S. 1.

 4) Edler Mann

 5) Einer der ersten, vornehmsten Miniterialen.

 6 Julius Strnad, Über die Unechtheit des Gabbriefes  des Markgrafen Ernst für Melk in Bl. d. V. f. Landeskunde von N.Ö.       1897, S. 461 ff.