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Die Herren von Kuenring

 

 Von Edmund Daniek

Funkfeuilleton, gesendet über UKW am 2. Jänner 1961 von Radio Wien,

aus der Zeitschrift "Das Waldviertel", Jahrgang 1961, Folge 3-4

 

   Von den vielen Rittergeschlechtern des Mittelalters ist keines so sehr in Erinnerung geblieben wie die Kuenringer, wobei allerdings sehr häufig die Meinung besteht, daß die Kuenringer Raubritter gewesen sind. Sie sind in den Zeiten der ersten Babenberger Markgrafen bis tief in die habsburgische Zeit, demnach länger als ein halbes Jahrtausend, mit der Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte Österreichs in bestem Sinne verbunden. Wie konnten sie daher Raubritter gewesen sein? Ihr Ahnherr Azzo stammte aus Meissen und war zweifellos hochadeliger Abkunft. Ihm schenkte Kaiser Heinrich der II. im Jahr 1056 beim Dorfe Hezmannswiesen, dem heutigen Dorf Kühnring bei Eggenburg, drei königliche Hufen Land, was ungefähr 141 Hektar entspricht. Die Ruinenreste dieser Stammburg bestehen heute noch. Azzo, der unter Markgraf Leopold II. die Böhmen aus dem Lande trieb, erbaute sich über Wunsch des Markgrafen in der Nähe seiner Residenz eine feste Burg. Da diese Residenz damals noch Melk war, errichtete Azzo seine Burg in Dürnstein. Sein Sohn Nizzo, der im Waldviertel weite Gebiete zu Lehen bekommen hatte, gründete die Stadt Zwettl, sein Sohn Hadmar I. und seine Gattin Gertrude gründeten 1138 das Stift Zisterzienser-Zwettl. Unter Hadmar I. entstanden die Städte Gmünd und Weitra. Diese Kuenringer führten die Rodung der urwaldartigen Wälder des Waldviertels durch und gründeten zahlreiche Dörfer. Sie halfen so den Babenbergern getreulich das Land wirtschaftlich zu erschließen. Als Österreich 1156 von Kaiser Friedrich Barbarossa zum Herzogtum erhoben wurde, leisteten die Kuenringer auch den österreichischen Herzögen wertvolle Dienste. Herzog Leopold V. übergab 1193 den wegen Beleidigung der österreichischen Fahne gefangen genommenen englischen König Richard Löwenherz seinem getreuen Ministerialen Hadmar II. von Kuenring, damit er den englischen König in seiner Burg Dürnstein in zwar ritterlicher, aber sicherer Haft halte, bis die Auslieferungsverhandlungen mit England beendigt waren. 1229 fungierte Herzog Leopold VI. in St. Germano als Schiedsrichter bei den Versöhnungsverhandlungen zwischen Kaiser und Papst. Hadmar III. amtierte hiebei als Protokollführer, während sein Bruder Heinrich II. von Kuenring in der Wiener Herzogsburg die Regierungsgeschäfte führte. Plötzlich aber änderte sich das Bild. Kaum war der verstorbene Herzog im Stift Lilienfeld beigesetzt, erhoben sich unter der Führung der Kuenringer fast alle Ministerialen gegen den neuen Landesherrn Herzog Friedrich. Die Kuenringer entführten den Staatsschatz aus Wien, brachten ihn in ihre Burg Zwettl, sie zerstörten die herzoglichen Städte und Märkte, sperrten die Donau bei Korneuburg. Was ist die Ursache dieser Empörung? Der neue Herzog wollte die Rechte der Ministerialen empfindlich beschränken, und um dem Herzog die Zähne zu zeigen, erhoben sich alle Ministerialen, daher auch die mächtigsten, die Kuenringer. Doch der 19jährige Herzog mit dem späteren Beinamen der "Streitbare" läßt sich nicht einschüchtern. In kaum 6 Monaten wirft er den Aufstand nieder, zerstört auch die Kuenringer-Burgen Dürnstein und Zwettl, worauf sich die Kuenringer auf Gnade und Ungnade ergeben. Aber dieser Aufstand, der nichts anderes ist, als einer der zahllosen Adelsrevolten, wie sie alle Staaten zu verzeichnen hatten, hat die Kuenringer in Verbindung mit Lesebuchgeschichten fälschlich zu Raubritter gestempelt. Albero von Kuenring, Hadmar II. Sohn, fungierte als Landmarschall als der Böhmenkönig Ottokar in Österreich in Besitz genommen hatte. Ottokar gab seine Tochter Elisabeth Heinrich V. von Kuenring-Weitra zur Frau. Leutold I. von Kuenring spielte unter Rudolf von Habsburg und unter seinem Nachfolger Albrecht ein gewichtige Rolle. Während die Linie Kuenring-Dürnstein Mitte des 14. Jahrhunderts ausstarb, leistete die Linie Kuenring-Weitra gerade zur Zeit, wo das Rittertum verfiel und häufig zum Raubrittertum wurde, die treuesten Dienste. Über Auftrag der habsburgischen Landesherren bekämpften Nizzo und später Georg von Kuenring die Raubritter im Marchfeld, zerstörten ihre Raubnester, ließen sie und ihre Spießgesellen aufknüpfen. Doch die Raubritter erklärten sich solidarisch und zerstörten viele Burgen der Kuenringer, die dadurch verarmten. So kam es, daß die Kuenringer, die man heute irrtümlich als Raubritter bezeichnete, gerade durch die Raubritter total verarmten, so daß der letzte Kuenringer Johann VI. in seiner einzigen Burg Seefeld im Dezember 1594 als völlig verarmter Adeliger starb.