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Wien ist anders...

diese Aussage konnte man in den vergangenen Jahren auf riesigen Plakatwänden auf allen Einfahrtsstrassen Wiens lesen.

 

   Doch Wien ist tatsächlich anders, auch heute noch. In diesen Schmelztiegel des Habsburger Kaiserreiches wanderten im 18., 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts Menschen aus allen Teilen der Monarchie ein, auch aus Niederösterreich und dem Waldviertel und unserer Pfarre Oberstrahlbach, sodass zu Beginn des 1. Weltkrieges eine Einwohnerzahl von 2 Millionen erreicht wurde. Alle diese Menschen wollten in der Reichshauptstadt ihr Glück versuchen. Manchen gelang es sogar, vielen anderen nicht.

 

   In Wien gab es bereits um 1800 eine Findelanstalt. Hier konnten ledige Mütter mehr oder weniger anonym ihr Kind zur Welt bringen oder einfach abgeben und wieder ihrem Beruf und ihrer Beschäftigung nachgehen. In den Taufbüchern der heute bereits im Internet einsehbaren zuständigen Pfarre Alservorstadt sind die Mütter verzeichnet, manchmal mit Herkunft, oft jedoch nur mit Namen. Die Stadt kümmerte sich um die Kinder, suchte Pflegeplätze und gab sie zur Adoption frei. Diese soziale Institution war in der damaligen Welt einmalig und fand bald viele Nachahmer. So kamen viele dieser Kinder auch zur Pflege in das Waldviertel und blieben oftmals hier, wenn sie nicht bereits im Babyalter an den diversen Krankheiten und Epidemien verstorben sind (Fraisen, Blattern).

 

   Viele dieser Zuwanderer in die Reichshauptstadt, welche vom Glück begünstigt waren und es hier zu Hausbesitz brachten und somit Bürger dieser Stadt wurden, haben dies bis über ihren Tod hinaus der Nachwelt kundgetan und so wurden Titel und Berufe selbst auf den Grabsteinen der zahlreichen Friedhöfe Wiens verewigt. Die absonderlichsten Titel und Berufe sind hier zu finden bis hin zur Armenratswitwe und Hausbesitzersgattin.

   

   Obwohl es in Wien einst nachweislich zigtausende Hausmeister gegeben hat, war auf den Friedhöfen der Hauptstadt kein Grabstein mit einer entsprechenden Inschrift zu finden. Man könnte daher zu dem Schluß gelangen, daß die Vertreter dieser Berufsgruppe auf ihre Tätigkeit eben nicht stolz genug waren, um sich eine entsprechende Inschrift zu leisten. Setzt man allerdings die Größe der Berufsgruppen in Relation zu Reputation und Monatseinkommen, so müßten wesentlich mehr ausgewiesene Hausmeistergräber existieren als solche von Kanalräumern oder Scharfrichter. Die Geburt des Berufsstandes des Hausmeisters oder des Hausbesorgers, wie er in Wien meist genannt wird, ist eng mit der Industrialisierung und der Landflucht verbunden. Überhaupt spiegelt diese Berufsgruppe wie kaum eine andere die gesellschaftspolitische Geschichte des urbanen Österreich der vergangenen 200 Jahre wieder. Gab es Ende der 1940er Jahre noch 40.000 Hausmeister in Wien, so ist deren Zahl in den folgenden drei Jahrzehnten um die Hälfte gesunken und heute nur mehr verschwindend gering, da es den Beruf des Hausmeisters heute offiziell gar nicht mehr gibt und durch Reinigungsdienste und Objektbetreuer ersetzt wurde. Noch im Jahr 1922 wurde die sogenannte "Hausbesorgerverordnung" verabschiedet, die einen bundesweit einheitlichen Dienstvertrag für alle Hausbesorger brachte. Joesi Prokopetz hat in seinem seinerzeit für Wolfgang Ambros getextetem Lied dem Beruf des Hausbesorger bzw Hausmeisters, den es es natürlich auch in weiblicher Form gab, ein ganz besonderes  Denkmal gesetzt.

(Da Hofer war`s ....)

 

   Als ich 1970 heiratete und nach Wien zog hat meine Gattin einen kleinen Hausbesorgerposten angenommen, da gab es Zimmer und Küche, WC und Wasser auf dem Gang. Hier lebten wir fast drei Jahre, bis wir wieder nach Niederösterreich zurückgingen.  

 

   In keiner Großstadt der Welt erfährt man heute immer noch mehr über seine früheren Bewohner auf den zahlreichen Friedhöfen. Beispiele gefällig:

 

Leopold Schober, (1833-1899), Baumaschinenfabrikant, Hausbesitzer, gew Armenrath und Waisenvater, Zentralfriedhof

Philomena Köpplinger, (gest 1915), bürgerliche Weinschänkerin, Haus- und Realitätenbesitzerin, Friedhof Hernals

Johann Kietreiber, (gest 1899), bürgerlicher Milchmeier und Hausbesitzer,

Friedhof Baumgarten

Lorenz Hieß, (gest 1819), bürgerlicher Stärkmacher und Hausbesitzer, Friedhof St. Marx

 Elisabeth Frühbauer, (gest 1915), Hausbesitzers- und Bäckermeistersgattin, Friedhof Gersthof

Joseph Fromm, (1803-1855), magistratischer Markt-Oberkommissär und Miethauseigentümer, Friedhof St. Marx 

Magdalena Gerger, (gest 1830), bürgerliche Branntweiners- und Hausbesitzers Gattin,

Friedhof St. Marx

Johann Schwarz, (gest 1868), Tuchscherermeister, Friedhof St. Marx

Josefa Lang, (gest 1867), k.k. Hof-Mundwäscherin, Friedhof, St. Marx

Franz Benedik, (1861-1943), weltkriegsblinder Generalmajor, Friedhof Neustift

Josef Stohl, (gest 1844), bürgerlicher Schmalzversilberer, Friedhof St. Marx

Anton Burkowsky, (gest 1892), Appellations-Accesist, Friedhof St. Marx

Wenzel Nikolaus Ignaz Prohaska, (1793-1862), Gerichtssequester, Friedhof St. Marx

 

   Ab 1867 gab es in Wien die ersten gewerblichen Bestattungen. 1907 wurde die "Städtische Leichenbestattung" der Stadt Wien gegründet. In den folgenden Jahren übernahm die Städtische Bestattung immer wieder Konzessionen privater Bestatter und ab 1951 war das Bestattungswesen ausschließlich in öffentlicher Hand. Seit 2002 gibt es wieder private Mitbewerber, derzeit sind es etwa 20. Einige betreuen etwa nur türkische Bestattungen.

 

 

Aus "Koevettenkapitän & Mundwäscherin" - was man in Wien einmal werden konnte.

von Andreas Schindl und Bernd Matschedolnig

 

Ich wage nicht einmal annähernd zu schätzen wieviele geborene Strahlbacher nach Wien gezogen sind und letztendlich dort auch begraben wurden. Das könnte einmal eine spannende Forschungsaufgabe 

für einen angehenden Doktoranden oder Magister werden.

 

 

Otmar Schuster, im Oktober 2017

 

Ab 2018 sollen in Wien Ampeln mit "Hirn" die Fußgänger leiten. Ob das was hilft, wenn die Fußgänger nicht mitdenken, wage ich zu bezweifeln. Daher, wahrscheinlich schade um das Steuergeld !