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Josef Steininger 1830-1899

 

- ein revolutionärer Bauer -

seiner Zeit weit voraus

 

 

von Franz Fux, Zeitschrift "Das Waldviertel", Jahrgang 1970, Heft 1

 

   Am 5. Juli 1899 starb im Altersheim Brunnkirchen bei Krems der Bauer Josef Steininger aus Gobelsburg. Im Rückblick bietet Steininger das Bild eines der interessantesten und eigenwilligsten Persönlichkeiten, die die österreichische Bauernschaft hervorgebracht hat. Zielsetzung seiner nimmermüden Arbeit war ein wirtschaftlich starker, fachlich gebildeter und unabhängiger Bauernstand. Steininger schwebte eine starke bäuerliche Organisation zur Erreichung dieses Zieles vor. 1868 findet auf seine Initiative in der Kremser Turnhalle die erste Bauernversammlung Österreichs statt.

   Schon 1865 hat Steininger in einem Artikel, der am 1. Juni 1865 in der "Gemeindezeitung" erschien, auf die Not des Bauernstandes hingewiesen. Die Feder sollte künftig seine Hauptwaffe in seinem Kampf werden. In verschiedenen Zeitungen macht Steininger die Öffentlichkeit auf die triste Lage der Landwirtschaft aufmerksam. Nach der Grundablöse und der Entlassung aus dem Untertänigkeitsverband stand der Bauer auf sich allein gestellt, ungebildet und kapitalsarm, völlig hilflos in der neuen liberalen Wirtschaftsordnung. Der Ruf nach Ackerbaukammern und Genossenschaften als neue Organisationsform, nach billigen Krediten und Ausschaltung des Wuchers, nach Grund- und Bodenreform, nach Abschaffung aller Lebensmittelfälschungen und nach Verstaatlichung des Geldwesens und der Wälder wurde von Steininger erhoben.

   1871 erscheint von Steininger die Broschüre "Über den Verfall des Weinbaues", 1877 gründet er die Zeitung "Mittelstraße", die er selbst herausgab, verlegte, redigierte und auch schrieb. Durch 22 Jahre, bis 1898, vertrat nun Steininger in seiner Zeitung "Mittelstraße" seine Ideen. Ab 1880 erscheint durch 12 Jahre der "Steininger´sche Bauernkalender". In der Zielsetzung in der Schaffung einer Bauernorganisation gelingt Steininger 1881 seine erste Bauernversammlung in Wien. 1884 erfolgt die Gründung des Österreichischen Bauernbundes "Mittelstraße". 1886 beruft er den ersten allgemeinen österreichischen Bauernparteitag nach Wien. 1893 war am 17. Dezember der erste österreichische Bauernkongreß in Wien. In Georg Ritter von Schönerer, dessen Eintreten für bäuerliche Interessen anfänglich Steiningers Sympathie erregt, erwächst Steininger ein Gegenspieler um die Gunst der Bauern. Wesentlicher Unterschied der beiden war, daß Schönerer sich für die deutschen Bauern der Monarchie verpflichtet fühlte. Steininger glaubte eine Bauernorganisation, die über die nationalen Grenzen hinausging, und alle Bauern der Monarchie umfassen sollte, schaffen zu können. In allen Kronländern versuchte er mit seiner Organisation Fuß zu fassen und hatte auch mit den tschechischen Bauern Böhmens und Mährens mehrere Besprechungen.

   Gerade diese seine Größe wurde ihm beim damals hochgehenden Nationalismus zum Verhängnis. In einer Versammlung in Aussig erklärten die deutsch-böhmischen Bauern 1881, daß sie deutsch-national gesinnt seien und mit der Steininger-Richtung nichts gemein haben. Bei der damaligen Auffassung weiter Kreise war Steninger auch sein Kampf gegen den Antisemitismus nicht förderlich. Auf einen Brief eines Bauern, daß die Hauptschuld des gegenwärtigen Übels die Juden trügen, antwortete Steininger, die Hauptschuld an all den Übelständen habe das gegenwärtige System, das den Unverschämten die Auswucherung der Bauern, Arbeiter und Kleingewebetreibenden ermögliche. Unverhohlen war Steiningers Sympathie für die Sozialdemokratie. Im 1870 gegründeten "Volkswillen", dessen Abonnent Steininger war, erschienen nach 1870 mehrere Artikel Steiningers. Fast jährlich gedachte er in seiner Zeitung "Mittelstraße" der Männer der Arbeit am 1. Mai. In der "Mittelstraße" vom 1. Jänner 1887, Nr 1, XI. Jahrgang, bringt er einen Artikel, betitelt "Die Sozialdemokratie", die er Kämpfer für allgemeine Menschenrechte nennt. Er schreibt darin: "Die Sozialdemokraten sind eine stets freisinnige und in jeder Richtung aufgeklärte und unabhängige Partei, die von liberal und klerikal nichts wissen wolle, ihren eigenen Weg gehen und nur für das bedrückte Volk kämpfen und sich von niemandem beirren, leiten oder fangen lassen. Falsche Demokraten werden aus der Partei ausgemerzt, Vormünder, Ritter und Grafen werden nicht geduldet. Die echten Sozialisten und Sozialdemokraten sind Volkskämpfer, welche das gerade Gegenteil von Anarchisten sind, welche gewöhnlich von Verläumdern auf einen Haufen geworfen werden. Der Anarchist ist ein gefährlicher Staatszerstörer, während der Sozialist und Sozialdemokrat ein Volksretter ist".

   Stets tritt Steininger dafür ein, daß die Männer der Fabriksarbeit gemeinsam mit den Männern der Feldarbeit kämpfen sollen. Von den Antisemiten, den späteren Christlichsozialen, und Lueger distanziert sich Steininger mehrmals. Diese seine Einstellung bringt ihm nicht die Gunst der damals herrschenden Kreise. Diese Kreise verstehen es auch, Steininger die Bauern abspenstig zu machen. Völlig verlassen, körperlich und seelisch gebrochen steht Steininger am Ende. Am 1. April 1898 erscheint die "Mittelstraße" zum letzten Mal. Sein Drucker läßt ihm seinen Besitz zwangsversteigern. Am 5. Juli 1899 endet sein Leben, das 1830 in Hadersdorf am Kamp (als Sohn eines wohlhabenden Bauern, der nur die Volkschule besuchen durfte,) begann, und wie das niederösterreichische Heimatbuch schreibt, vom Idealismus überstrahlt und von Tragik umschattet war, völlig verarmt im Siechenhaus. Steininger hatte revolutionäre Züge, er wollte, wenn es sein mußte, auch mit Gewalt, ein neues Gesellschaftsbild schaffen.

 

Anhang von Otmar Schuster: Übrigens das Programm, das auf dem ersten überregionalen Bauernkongreß 1893 entworfen wurde, bildete später die Grundlage für die Gründung des NÖ Bauernbundes durch den Christdemokraten Josef Stöckler 1906. 

 

NÖ Bauernbund