Besucher im lfd Monat

Besucher im Vormonat

Juli  2018  11552

Juni 2018  14714 

Mai 2018   12322

April 2018  15715

 

BESUCHERSTATISTIK

2013 - 1949/13053 Besucher/Zugriffe

2014 - 4545/15360 Besucher/Zugriffe

2015 - 11556/14525 Besucher/Zugriffe

 

2016 - 8326/19441 Besucher/Zugriffe

 

2017 - 8736/33478 Besucher/Zugriffe 

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Evangelisches Leben im Waldviertel

 

   2017 ist europaweit für die evangelische Kirche ein besonderes Jahr. Gemeinsam wird das 500-Jahr-Jubililäum der Reformation, das zurückdatiert wird auf den Anschlag der 95 Thesen von Martin Luther 1517 an der Schlosskirche in Wittenberg, gefeiert.

   Der Reformgedanke Martin Luthers wurde vor allem durch Flugschriften verbreitet. Es ist der neuen Technologie der damaligen Zeit zu verdanken, dem Buchdruck, dass der Erneuerungsgedanke so schnell und flächendeckend Verbreitung finden konnte. Auch Geistliche und Studenten, die in Wittenberg studierten, wurden bei ihrer Rückkehr in die Heimat zu Multiplaktoren reformatorischer Theologie. So erreichten Luthers Ideen damals das Gebiet des heutigen Österreich.

   Das Waldviertel erlebte zur Zeiten der Reformation eine Hochblüte protestantischer Herrschaft, auch dank der Zuwendung zum Protestantismus der hiesigen Herrschaftsbesitzer. 

   Als Kaiser Maximilian II. 1576 starb, war das Waldviertel großteils evangelisch. Die Rosenburg hoch über dem Kamp  und die Renaisanceresidenz von Greillenstein sind zwei Schlösser, die dies dokumentieren. 

 

   Die gotische Rosenburg wurde in den Jahren 1593 bis 1597 unter Sebastian Grabner abgetragen und an ihrer Stelle entstand das Renaisanceschloss mit 13 Türmen. Unter Grabner, der den protestantischen Ständen angehörte, wurde die Rosenburg neben Horn zu einem Zentrum des Protestantismus in Österreich. Auf einer in der Burg eingerichteten Druckerei wurde protestantische Literatur gedruckt. Nach Überschuldung und Verkauf  wurde Schloß Rosenburg 1610 kurzfristig von den protestantischen Ständen erworben und galt als "österreichische Wartburg". Ein Jahr später, im Zuge der Gegenreformation, erhielt die Rosenburg mit Kardinal Franz von Dietrichstein wieder einen katholischen Burgherrn. 1619/1620 wurde die Rosenburg von den evangelischen Ständen unter Georg Andreas Hofkircher erstürmt, doch wenige Monate später eroberte sie der kaiserliche Feldherr Graf Buquoy zurück.

 

   Eng mit der Geschichte der Reformation ist auch das Schloss Greillenstein verbunden. Die Herrschaft wurde 1534 von Freiherr Johann Lorenz von Kuefstein erworben und dessen Sohn ließ die Burganlage abtragen und beauftragte Renaisancebaumeister, an ihrer Stelle das heutige Schloss Greillenstein zu errichten, das 1604 einschließlich Innenausstattung und Einrichtung fertiggestellt wurde.

 

   Greillenstein wurde als Verwaltungssitz für drei große Grundherrschaften im Waldviertel und als Repräsentations- und Sommersitz für die Familie gebaut, in deren Besitz das Objekt heute noch ist. Hans Georg III. als Statthalter von Niederösterreich brauchte einen repräsentiven Bau, von wo aus er seine Amtsgeschäfte führen konnte. Trotz der protestantischen Gesinnung der Familie Kuefstein blieb sie dem Kaiser treu ergeben.

 

    1620 musste Jacob Freiherr von Kuefstein das Schloss verlassen, als es vom Führer der Katholischen Liga, Kurfürst Maximilian von Bayern, besetzt wurde. Hier trafen sich Kurfürst Maximilian, Graf Tilly und Feldmarschall Graf Buquoy vor der Schlacht am Weissen Berg (1620 bei Prag) für mehrer Tage, um eine Taktik für den bevorstehenden Kampf auszuarbeiten. Kurz vor Ende des Dreißigjährigen Krieges kamen Truppenverbände der Schweden hier vorbei und besetzten das Schloss kampflos, ohne allerdings besonderen Schaden anzurichten. 1623 konvertierte Hans Jakob Kuefstein zum katholischen Glauben und konnte damit die Herrschaft für seine Familie retten.

 

   Schloss Greillenstein besitzt eine für ihre Renaisance-Ausstattung sehenswerte Kapelle und einen Altar aus der Reformationszeit, wie sie in Österreich selten erhalten geblieben sind. Im Aufbau behielten die Altäre der Reformation in den Grundzügen das traditionelle Aussehen bei. 

 

   Der großen Resonanz der Bevölkerung stand die ablehnende Haltung der katholischen Habsburger gegenüber, die von Anfang an die Ausbreitung der Reformation bekämpften.

 

  Leittragende waren wieder einmal die waldviertler Bevölkerung, welcher einmal mehr das Religionsbekenntnis ihrer jeweiligen Herrschaft aufgezwungen wurde.

 

Otmar Schuster, aus Schaufenster Kulturregion, Februar 2017 - Text: Mella Waldstein.