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Der Tod von Bundeskanzler Dollfuß am 25. Juli 1934

 

   Ein besonders tragisches Kapitel in der Geschichte der Österreichischen Zwischenkriegszeit, der Ständestaat, welcher von großen Differenzen und erbitterten Auseinandersetzungen zwischen Schwarz und Rot, zwischen Heimwehr und Schutzbund, geprägt wurde, welche im Februar 1934 in einem vier-tägigen Bürgerkrieg ihren tragischen Höhepunkt fanden. 

 

   Ein Kriminalfall, der offensichtlich im Auftrag der deutschen Nationalsozialisten, damals bereits unter Oberhoheit von Adolf Hitler, geplant und in Wien dilettantisch ausgeführt wurde. Der Tod des seit 1932 regierenden Ständestaat-Kanzlers war offensichtlich keineswegs geplant, sondern ein besonders tragischer Todesfall beim Zusammentreffen des Bundeskanzlers mit den Putschisten auf einer Stiege bei der Flucht ins Staatsarchiv. Wobei Heimwehrführer Major Fey an der Seite des BK eine sehr zweifelhafte Rolle spielte, welche nie wirlich geklärt wurde. Er beging am 16. März 1938, nach dem Einmarsch Hitlers, Selbstmord und nahm seine ganze Familie mit in den Tod. Warum wohl ???

Auch die sehr dubiose Haltung der Wiener Polizei und des Bundesheeres beim Putsch wurde bis heute nie wirklich und ernsthaft untersucht sondern eher noch vertuscht.

 

   Ich weiss aus eigener Erfahrung, dass heute die wenigsten jüngeren Österreicher auch nur annähernd über die tatsächlichen damaligen Ereignisse Bescheid wissen. Darum versuche ich in diesem Bericht vielleicht einige Mißverständnisse auszuräumen und Namen von Beteiligten zu nennen. Aber Tatsache ist, dass Historikerkommissionen und die Historiker selbst schwerwiegende Differenzen in ihren Einschätzungen aufweisen. Dollfuß polarisiert auch heute noch Rot und Schwarz, wie kein anderer Politiker dieser Zwischenkriegszeit. Als Arbeitermörder sehe ich ihn nicht, denn die haben zuerst geschossen, aber ein Märtyrer war er sicher, denn ihm wurde als Bundeskanzler sein Leben von Nationalsozialistischen Putschisten genommen, welche ihm in seinen letzten Stunden weder Arzt noch Priester gönnten.

 

 Am Morgen des Mittwoch am 25. Juli 1934 schlichen Zivilisten in die Bundesturnhalle der Stiftskaserne in Wien, jeder trug eine Tasche mit Uniformen der Polizei oder des Bundesheeres mit sich. Die Männer waren in Wahrheit Mitglieder der SS-Standarte 89, die aus arbeitslosen Burschen und gescheiterten Studenten entstanden war. Anführer des Trupps war der damals 24-jährige Friedolin Glass, der aus einer Offiziersfamilie stammte. Ihm gelang letztendlich die Flucht. Er ist 1943 in Rußland gefallen.

 

 Die NS Truppe hatte für diesen Tag mehrere Pläne gefasst. In Kärnten sollte der urlaubmachende Bundespräsident Wilhelm Miklas gefangen genommen werden, in Wien sollte die gesamte Bundesregierung verhaftet und der Rundfunksender in der Johannesgasse gestürmt werden. Nach all diesen Taten sollte der christlich-soziale Steirer Anton Rintelen, früher Landeshauptmann, welcher mit den Nazis kooperierte, die Macht übernehmen. Doch es kam alles ganz anders. Die späteren Memoiren Rintelens decken sich in einem Punkt völlig mit denen von Hitlers Rüstungsminister Albert Speer, nämlich von Holocaust und Zwangsarbeit nichts gewußt zu haben. 

 

 Schon von Anfang an lief alles schief. Während sich 154 NS Mitglieder verkleiden, erhält die Staatspolizei bereits einen Hinweis auf eine mögliche Aktion. Um 12:45 Uhr machen sich die Putschisten mit 8 LKW`s auf den Weg in die Innenstadt. Zurück bleibt irrtümlich der LKW mit den Machinengewehren und Maschinenpistolen - ebenso wie der Anführer Glass, der die Abfahrt verpasst hatte. Ob mit Absicht konnte nie wirklich geklärt werden.

 

Angeführt wird der Konvoi durch ein Privatauto von Franz Holzweber und Otto Planetta. Im Bundeskanzleramt werden gleichzeitig die Tore geschlossen, die Ehrenwache mit 34 Mann bewacht den Innenhof. Als die LKW`s mit den Uniformierten eintreffen, werden für die rettende Unterstützung schnell die Tore geöffnet, die Wächter salutieren, verrammeln die Einfahrt und werden sofort entwaffnet. Die Putschisten stürmen in das Ministerratszimmer, um die Regierung zu verhaften. Doch der Raum ist leer, nach einer Warnung haben die meisten Regierungsmitglieder das Gebäude bereits verlassen. Dollfuß sitzt zu der Zeit noch mit zwei Mitarbeiter in seinem Arbeitszimmer. Ein Beamter meldet das Eindringen von "Soldaten". Ein Mitarbeiter drängt ihn zur Flucht über eine Wendeltreppe. Auf dem Weg laufen sie den Putschisten jedoch direkt in die Arme. Bei dem Handgemenge wird Dollfuß von zwei Schüssen getroffen und lebensgefährlich verletzt. Vergeblich bittet der Bundeskanzler um einen Arzt und einen Priester. Nach zwei Stunden verstirbt Dollfuß an dem Blutverlust.

 

Während die Putschisten im Funkhaus der RAVAG in der Johannesgasse schon am frühen Nachmittag überwältigt werden konnten, ergaben sich die Nationalsozialisten im Kanzleramt erst am Abend, nachdem ihnen zuvor mit Offiziersehrenwort freier Abzug zugesichert worden war, das jedoch nach dem Bekanntwerden der Ermordung des Bundeskanzler keine Gültigkeit mehr hatte.

 

Aufgrund des 1933 von der Dollfuß-Regierung eingeführten Standrechtlichen Verfahrens mit Todesstrafe wurden 1934 im Frühjahr bereits einige Beteiligte des Februar-Aufstandes hingerichtet. Dreizehn Attentäter des Juli-Putsches darunter Franz Holzweber und Otto Planetta, der einen der beiden tödlichen Schüsse abgefeuert haben soll, werden zum Tode verurteilt und am 31. Juli mit dem Strang hingerichtet. Wobei heute noch anerkannte Historiker der Ansicht sind, die Schüsse hätten sich bei dem Handgemenge gelöst und wären nicht gezielt abgefeuert worden. Aus wessen Waffe der zweite tödliche Schuß abgefeuert worden war, konnte nie wirklich geklärt werden. Es wurde auch nicht einmal ernsthaft versucht, da das Projektil nicht gefunden wurde. Sicher war seit der Obduktion, dass die beiden Schüsse aus verschiedenen Waffen abgefeuert worden waren.

 

Vier Jahre später, 1938, machte Hitler selbst Ernst mit dem Anschluß Österreichs an Deutschland unter nahezu 100-prozentiger Ja-Stimmung der Österreicher.

 

Der Politiker Dollfuß polarisiert heute noch Volk und Land und vor allem die Historiker wie kaum ein anderer. Für die einen auch heute noch der Arbeitermörder, für die anderen der ermordete Volksheld und Märtyrer. An diesem Bild von ihm hat sich bis heute wenig geändert. Seine Rolle im Februar-Aufstand 1934 war sicher keine gute. Aber er hat auch für manche entscheidende vorteilhafte Einrichtung in dieser Zeit verantwortlich. So konnte er vom Völkerbund in dieser von schwerer Arbeitslosigkeit geprägten Zeit ein Anleihe über 300 Millionen Schilling erreichen. Mit diesem Geld wurde unter anderem die Großglockner Hochalpenstraße, die Wiener Höhenstraße gebaut und tausende Arbeitsplätze geschaffen. Er war 1929 Mitbegründer der Sozialversicherung der Österreichischen Landwirtschaft, des Vorläufers der späteren Bauernkrankenkasse. 

 

Nicht oder kaum bekannt ist, dass der Putschist und frühere Bundesheerwachtmeister Franz Holzweber waldviertler Wurzeln hat. Sein Vater stammte aus der Pfarre Langschlag.

 

1998 wurde aus Steuermitteln im Geburtsort von Engelbert Dollfuß, in seinem Geburtshaus in der Gemeinde Texing im niederösterreichischen Mostviertel ein Museum eröffnet, das auch nicht jedermanns Zustimmung findet. So polarisiert seine Person und seine Rolle als österreichischer Bundeskanzler noch heute und keine Historikerkommission konnte bis heute seiner Person den richtigen und trotz allem verdienten Platz in der Österreichischen Geschichte der Zwischenkriegszeit zuordnen. 

 

In der Anlage ein Bericht der "Salzburger Chronik" über Engelbert Dollfuß vom 24. Juli 1935 ein Jahr nach seinem Tode. Ein Bericht in der Einfärbung der damaligen Zeit, der uns jedoch viel über den Menschen Dollfuß und seine Anschauungen erzählt. 

 

Was auch immer in den diversen Geschichtsbüchern und Biografien über ihn zu lesen sein wird, Ständestaat-Diktator, System-Kanzler, Arbeitermörder, Austrofaschist. Dollfuß war offenbar ein überzeugter, leidenschaftlicher, fähiger österreichischer Politiker, der gewissermaßen Hitlers erstes Opfer in Wien wurde. Dr. Dollfuß wird weiter polarisieren, zu unterschiedlich sind auch heute noch die Meinungen über ihn. Da wird noch viel historische Aufarbeitung und Aufklärung notwendig sein, vor allem zu den Zuständen der damaligen Zeit.

 

Das die ÖVP 2017 peinlicherweise zugestimmt, dass sein Gemälde aus der Ahnengalerie im Klubsaal des Nationalrates entsorgt wurde während das Bildnis Karl Renners als begeisterter Befürworter des "Anschlusses" immer noch seinen Stammplatz dort hat, sagt vieles über unser gestörtes Geschichtsbewußtsein aus. Daher finde ich es gut und in Ordnung, das das Bildnis von Dr. Dollfuß nun seinen hoffentlich entgültigen Platz im kürzlich eröffneten "Haus der Geschichte" in St. Pölten gefunden hat.

 

Buchtip dazu: "Engelbert Dollfuß - Arbeitermörder oder Heldenkanzler"

von der Historikerin Gudula Walterskirchen. 

 

Erstellt von Otmar Schuster im Juni 2017, ergänzt im September 2017