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Die Pocken

Geisel der Menschheit

Erzfeind der Habsburger

 

   Im 18. Jahrhundert wüteten die Pocken im Heiligen Römischen Reich und lösten damit die Pest als die seit Jahrhunderten meistgefürchtete Krankheit ab. Fieber, Schüttelfrost und eiternde Pusteln, die als Narben zurückblieben, waren typisch für die Pocken. Die Infektionskrankheit, die durch Tröpfchen, beispielsweise bei Husten, verbreitet wurde, hatte Europa fest im Griff. Die Pocken, auch Blattern genannt, konnten blind, taub oder lahm machen. Im schlimmsten Fall führten sie zum Tode, insbesonders bei Kindern. Im 18. Jahrhundert starb schätzungsweise ein Drittel der Erkrankten daran. 1806 waren die Sterbebücher voll mit den von den Blattern verursachten Todesfällen. Im damaligen Wien wurde kaum von etwas anderen gesprochen. Von zehn Kindern im Sterberegister waren neun von Ihnen an Pocken gestorben.

 

   Maria Theresia, als Kaiserin nie gekrönt aber als solche tituliert (1740-1780), nannte die Pocken den Erzfeind des Hauses Habsburg. Die Pocken verursachten ihr viel Leid und warfen ihre Heiratspolitik oft über den Haufen. Johanna Gabriela (1750-1762), ihre elfte Tochter erkrankte mit zwölf Jahren an den Pocken. Das als besonders liebenswürdig geltende Mädchen sollte mit Ferdinand I von Bourbon und Sizilien verheiratet werden, erlag aber schließlich der Krankheit. Ferdinand I. heiratete 1768 ihre Schwester Maria Carolina (1752-1814). Maria Josepha (1751-1767, die zwölfte Tochter von Maria Theresia, steckte sich in der Wiener Kapuzinergruft mit den Pocken an. Am Sterbett versuchte sie ihre Mutter zu trösten und erklärte ihr, dass sie nicht traurig sein müsse, weils sie ja in den Himmel käme. Der kleine Erzherzog Karl Josef (1745-1761) soll das Lieblingskind der Kaiserin gewesen sein, bis sie ihn ebenfalls durch die Pocken verlor. Drei ihrer sechzehn Kinder, von denen nur zehn das Erwachsenenalter erreichten, wurden also von den Pocken dahingerafft. Maria Elisabeth (1743-1808, Äbtissin in Innsbruck) überlebte die Krankheit, war aber davon schwer gezeichnet. Sie war bis zum Ende ihres Lebens von schweren Pockennarben entstellt. Die geplante Hochzeit mit dem verwitweten französischen König Ludwig XV. wurde daher abgesagt. Stattdessen mußte die "kropferte Liesl", wie sie wenig schmeichelhaft genannt wurde, eine geistliche Karriere einschlagen.

 

   Als ob der Verlust von drei Kindern nicht genug wäre, starben beide Ehefrauen ihres Sohnes Joseph II. an der erbarmungslosen Krankheit (Isabella von Parma 1741-1763 und Maria Josepha von Bayern 1739-1767). Als die zweite Frau Josefs 1767 erkrankte, steckte sich Maria Theresia selbst mit den Pocken an. Zunächst war ihr Zustand bedrohlich, es wurde befürchtet, dass sie sterben könnte. Sie erhielt die Sterbesakramente und in der Hofburgkapelle wurde für ihr Überleben gebetet. Robust wie Maria Theresia war, überwand sie die Pocken, trug aber einige Pockennarben davon, welche sie jedoch offensichtlich mit ihrem Witwenschleier, den Sie nach dem Todes ihres Gatten Franz Stephan von Lothringen +1765 trug, gut verbarg. 

 

   Aufgrund des Leides, das die Pocken im Kaiserhaus verursachten, setzten sich Maria Theresia und Joseph II. höchstpersönlich für die Entwicklung eines Impfverfahrens ein. Ein erster Impfversuch wurde 1768 gemacht. Dabei wurden auch vier Kinder von Maria Theresia geimpft, auch um dem Volk klarzumachen, dass keine Gefahr von der Impfung ausgehe. Trotz der Bemühungen des Adels konnte sich diese Pockenimpfung im Volk aber nicht durchsetzen. 

 

   19 Jahre nach dem Tode Maria Theresias 1799 entwickelte der englische Arzt Edward Jenner die moderne Pockenimpfung. Dieses Verfahren löste auch die veraltete Pockenimpfung in der Habsburgermonarchie ab. Die erste solcher Impfaktionen fand 1800 im Brunn am Gebirge statt, erprobt wurde sie in Niederösterreich bereits 1799.

 

von Otmar Schuster