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KARL und ZITA - Österreichs letztes Kaiserpaar

 

Der Anfang vom Ende

 

Zum Zeitpunkt ihrer Geburt war sicher nicht vorhersehbar, dass Karl und seine Gattin Zita einmal Österreichs Kaiserthron besteigen würden. 

 

   Karls Vater, Erzherzog Otto (1865-1906), war ein Neffe von Kaiser Franz Josef. Die Mutter Maria Josepha (1867-1944) war eine sächsische Königstochter. Die Beziehung der Eltern bestand zuletzt nur mehr auf dem Papier, doch was die Erziehung ihrer Kinder betraf zogen beide an einem Strang. Zitas Mutter war Maria Antonia von Portugal (1862-1959) aus dem Hause Braganza, die jüngste Tochter von König Michael I. von Portugal, der 1834 abdankte und ins Exil ging. Karls Vater, der lebenslustige Erzherzog Otto kehrte seiner Ehefrau den Rücken und führte ein - inoffizielles - zweites Famlienleben mit einer Tänzerin. Karls Mutter ist jedoch die prägende und engste Bezugsperson seiner Jugend. So wächst Karl, geb 17.08.1887 auf Schloß Persenbeug, mit seinem jüngeren Bruder Maximilian in einem behüteten Familiennetz auf und verbringt seine Kindheit im Wiener Augartenpalais, in der Familienvilla Wartholz in Reichenau und auf dem imposanten Schloß Persenbeug.

 

   Zita geb 9.05.1892, Tochter des Herzogs Robert von Bourbon-Parma, ihre Mutter die schon erwähnte Maria Antonia von Portugal. Seit 1545 war das Herzogtum Parma ein souveräner Staat, ging jedoch 1861 in das Territorum des neugegründeten Italienischen Nationalstaates auf. Die herzogliche Familie flüchtete nach Österreich, wo sie fortan jeweils sechs Monate im Jahr lebte, den Rest des Jahres in der toskanischen Stadt Lucca, wo Zitas Vater die Villa Pinanore besaß. Zita war die siebzehnte Tochter ihres Vaters und das fünfte ihrer Mutter, der zweiten Ehefrau des Herzogs und wuchs mit ihren 21 Geschwistern auf.

 

   Karl und Zita kannten sich von Jugend auf, dann jedoch hatten sie sich zehn Jahre nicht mehr gesehen. Als sie sich als Erwachsene wieder trafen wurde aus der Jugendfreundschaft schnell Liebe und so folgte am 13.06.1911 die Verlobung und am 21.10.1911 die Liebesheirat der beiden. Selbstverständlich mit Zustimmung von Kaiser Franz Josef, der Zita sehr zugetan war. Bereits fünf Wochen nach dem Tode Kaiser Franz Josefs wurden Karl und Zita am 30. Dezember 1916 in Budapest zum König und Königin gekrönt. So wie einst Elisabeth wurde auch ihre Nachfolgerin Zita am gleichen Tag wie ihr Ehemann gekrönt und nicht wie sonst üblich, einige Tage später. Kaiser Karl kommt mit neunundzwanzig Jahren an die Macht. Er findet sich als neuer Herrscher in einem Vernichtungskrieg wieder, zu dessen Ausbruch er - zum Unterschied zu den anderen beteiligten Monarchen - nicht beigetragen hat. Er bricht mit dem starren Protokoll, findet jedoch keine geeigneten Berater und will nur eines: so schnell wie möglich den Krieg beenden. An dieser Aufgabe wird er scheitern. Kaiserin Zita hat völlig andere Aufgaben als ihre Vorgängerinnen. Sie besucht Lazarette und begleitet ihren Mann auf Frontreisen. So im Juli 1917 an die Isonzofront, mit einem Abstecher in die Stadt Postojna, einer Stadt im habsburgischen Kronland Krain. Weltbekannt durch seine außergewöhnlichen Tropfsteinhöhlen.

 

   Das erste Regierungsjahr Kaiser Karls geht als entscheidendes Kriegsjahr in die Geschichte ein. Denn im Jahr 1917 wird das Schicksal des 20. Jahrhunderts geschrieben. Weltpolitische Ereignisse und schicksalhafte Entscheidungen bestimmen die Zukunft der westlichen Welt für die nächsten hundert Jahre. In Russland dankt Zar Nikolaus II. ab und USA tritt in den Krieg ein. Der Krieg geht weiter und seinem bitteren Ende entgegen. An der italienischen Isonzofront entwickelt sich der Krieg zu einem erbitterten Stellungskrieg im Hochgebirge. Am 16. Oktober 1918 unternimmt Kaiser Karl eine letzte politische Offensive und stellt den Völkern des Habsburgerreiches in seinem sogenannten "Völkermanifest" eine föderale Verfassung in Aussicht, jede Nationalität soll ihren eigenen Teilstaat unter dem Dach der Dynastie Habsburg bekommen. Der Vorschlag dieser "Vereinigten Staaten von Österreich" kommt aber viel zu spät. Am 3. November 1918 wird in Padua der Waffenstillstand zwischen Österreich-Ungarn und der Entente bzw. Italien geschlossen. Die Soldaten kehren in die Heimat zurück. Der Auflösungsprozess der k.u.k. Armee hat jedoch  bereits vor dem Waffenstillstand begonnen. Kaiser Karl kann die Auflösung der Monarchie nicht mehr verhindern, er kann sie nur mehr in friedliche Bahnen lenken. Mit dem "Staatsgründungsbeschluss" vom 30. Oktober 1918, wird ein neuer Staat gegründet. Bald darauf, am 12. November, wird die demokratische Republick Deutschösterreich ausgerufen. Karl verzichtet auf jeden Anteil an den Staatsgeschäften, dankt jedoch nicht ab. Am Abend des 23. März 1919 verlassen schließlich Karl, Zita und die Kinder mit kleinem Gefolge in einem kaiserlichen Hofzug Österreich Richtung Schweiz. Am 3. April 1919 beschließt die konstituierende Nationalversammlung das Gesetz betreffend die Landesverweisung und die Übernahme des Vermögens des Hauses Habsburg-Lothringen - besser bekannt als das "Habsburgergesetz". Karl wird auf Dauer des Landes verwiesen. Nach einem Restaurationsversuch im Oktober 1921 in Ungarn und einer kurzen Internierung steht das weitere Schicksal Karls und seiner Familie fest. Die Entente verbannt das letzte Kaiserpaar Österreichs auf die entfernte Atlantikinsel Madeira. Zu dieser Idee stand wohl die Erinnerung an Napoleon Parte. Die Siegermächte wollen damit sicherstellen, dass Karl keinerlei Möglichkeiten mehr hat, in seinem ehemaligen Herrschaftsgebiet politisch aktiv zu werden. Karl und Zita verfügten zu dieser Zeit über keinerlei Vermögen mehr. Also nahmen sie dankbar das Angebot eines einheimischen Gutsbesitzers an, der ihnen kostenlos das Landhaus "Quinta Do Monte" zur Verfügung stellte. Vier Monate später, am 1. April 1922, stirbt der letzte österreichische Kaiser im Alter von 34 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung. Acht Wochen nach dem Tode ihres Mannes bringt Zita Elisabeth, ihr achtes und letztes Kind zur Welt. Sein ältester Sohn Otto sagte später, dass dies der letzte Tag war, an dem er seine Mutter in einem farbigen Kleid gesehen habe. Nach dem Tod ihres Ehemannes liegen 67 Jahre Witwenschaft vor Zita. Mit ihren acht Kindern zieht die letzte Kaiserin von Österreich mittel- und heimatlos durch Europa. Unterstützt wird sie dabei von ihrer weit verzweigten Familie. Die Mutter von König Alfons XIII. von Spanien, Maria Chistina von Österreich, eine geborene Habsburgerin und Cousine Kaiser Franz Josefs, setzt sich für die junge Witwe ein und ermöglicht ihr ein Exil in Spanien. So übersiedelte Zita mit den Kindern in das Fischerdorf Lequeitio im Baskenland. 1940 flüchtet die Familie aus Angst vor den Nazis (Hitler ließ Otto steckbrieflich suchen) über Spanien und Portugal nach Nordamerika, erst 1953 wird sie nach Europa zurückkehren. Ihr ältester Sohn Otto war von 1979 bis 1999 als Abgeordneter der Christlich-Sozialen Union Bayerns im Europäischen Parlament. Am 14. März 1989 starb Zita im Alter von 96 Jahren in der Schweiz. Zu Grabe getragen wurde sie am 1. April im Rahmen einer Begräbniszeremonie nach altem Ritus in Wien. Nach dem Requiem im Stephansdom wurde Zitas Sarg auf jenen Hofleichenwagen gehoben, der im Jahr 1916 auch Kaiser Franz Josephs Sarg zu seiner letzten Ruhestätte gebracht hatte. Der Trauerkondukt führte durch die Wiener Innenstadt zur Kapuzinergruft, wo Mönche Zitas Sarg entgegennahmen. Österreichs letzte Kaiserin wurde an der Seite der Vorfahren ihres Ehemannes zur ewigen Ruhe gebettet. Kaiser Karls Grabstätte befindet sich bis heute auf Madeira.

 

Auszugsweise aus dem Magazin GESCHICHTE der Kronenzeitung,

Österreichs letztes Kaiserpaar und das Ende der Habsburgermonarchie 

von Martina Winkelhofer