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Kaiserin Maria Theresia   1717 - 1780

 

  Am 13. Mai 1717, also vor 300 Jahren, kam Maria Theresia in Wien zur Welt. Sie war eine Tochter Kaiser Karl VI. (römisch-deutscher Kaiser von 1711 bis 1740) und seiner Gemahlin Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfsbüttel. Sie war ursprünglich für die Thronfolge nicht vorgesehen, da jedoch Kaiser Karl VI. nach dem Kindstod seines erstgeborenen Sohnes Leopold 1716 ohne männlichen Nachkommen blieb und ihm seine Gattin nur zwei weitere Töchter (Maria Anna und Maria Amalia) schenkte, so wurde Maria Theresia bereits als 16-jährige auf ihre zukünftige Rolle als Herrscherin über das Habsburgerreich vorbereitet, nachdem sich die Idee entwickelt hatte, Maria Theresia sozusagen als "Notlösung" auf den Thron zu setzen. Die Heiratspolitik der Habsburger beruhte auf Hochzeiten zwischen Cousinen und Cousins, Onkeln und Nichten. Auf diese Weise blieben Besitz und Einfluß in der Familie, aber genau so viele Erbkrankheiten, welche die Anzahl der gesund zur Welt gebrachten Kinder deutlich reduzierte. Dazu wurde eine entsprechende Erbregelung geschaffen. Alle europäischen Mächte mussten die "Pragmatische  Sanktion", (eine am 19. April 1713 von Kaiser Karl VI. veröffentlichte Urkunde, die die Unteilbarkeit und Untrennbarkeit aller habsburgischen Erbkönigreiche und Länder festlegte und zu diesem Zweck eine einheitliche Erbfolgeordnung vorsah), die aus dem Hausrecht der Habsburger hervorging, anerkennen, um einen Zerfall des Habsburgerreiches zu verhindern. Maria Theresia konnte das Reich übernehmen, doch das Kaisertum durfte ihr nicht vererbt werden. Die einzige Möglichkeit, Kaiserin zu werden, war eine entsprechende Heirat, denn wäre ihr Mann Kaiser, so würde sie als Kaiserin angesprochen werden. Kaiser Karl VI. machte sich daher früh auf die Suche nach dem idealen Partner für seine Tochter. Herzog Leopold von Lothringen war sehr an einer derartigen Verbindung interessiert. Dieser hatte dafür seinen erstgeborenen Sohn Clemens auserkoren, doch dann kam dessen früher Tod dazwischen. Da Lothringen es sich nicht leisten konnte diese angestrebte Bindung zu verlieren, so kam der Zweitgeborene Franz Stephan ins Spiel. Er sollte bei der Krönung Karls zum König von Böhmen in Prag dem Kaiser vorgestellt werden. Franz Stephans Vater berichtete eigens von seinem Kind, dass ihm das Lernen nicht gefiel, dass es nicht besonders gut im Lesen und im Schreiben war. Auch seine Sprachtalente waren bescheiden. Später entwickelte er jedoch eine Leidenschaft für Naturwissenschaften sowie ein Talent für finanzielle Angelegenheiten. Der Vierzehnjährige durfte an diesem Abend seine Zukünftige im Alter von fünf Jahren kennenlernen. Nur wenige Wochen nach diesem Treffen kam es zur Zustimmung des Kaisers. So zog Franz Stephan nach Wien und wurde Jagdbegleiter des Kaisers, wo er lernte, ein Habsburger zu werden. Er konnte durch seine natürliche Liebenswürdigkeit schnell den Hof für sich gewinnen. Der Altersunterschied von neun Jahren spielte bald keine Rolle mehr und so verliebten sich die Versprochenen ineinander. Am 12. Februar 1736 gaben sie sich in Augustinerkirche in Wien das Jawort. Maria Theresia blieb von Anfang an das Haupt dieser neu gegründeten Familie. Maria Theresias Verständnis vom Eheleben wurde gerne als bürgerlich belächelt. Ihre sternge Auslegung der katholischen Sexualmoral bezüglich ehelicher Treue führte des Öfteren zu Konflikten mit ihrem Gatten Franz Stephan, dem angeblich einige Seitensprünge  nachgesagt wurden.

   Als  Maria Theresia 1740 nach dem Tode ihres Vaters ihr Erbe als Monarchin antrat, war sie bereits Mutter von drei Töchtern und erwartete einen Sohn. Mit der Herrschaft Maria Theresias brach auch der Österreichische Erbfolgekrieg aus, der acht Jahre dauern sollte. Viele Herscher in Europa und auch einige aus der habsburgischen Linie wollten sie nicht als Erbin anerkennen und erhofften sich Gebietsgewinne. Die internationale Bestätigung Maria Theresias als Herrscherin der Monarchie erfolgte 1748 im Frieden von Aachen, der zwar zum Verlust Schlesiens führte, aber sonst die Ansprüche Habsburg-Lothringens erfolgreich verteidigt werden konnten.

   Wie Maria Theresia trat auch Friedrich II. von Preußen 1740 die Thronfolge an. Er ist ihr Erzfeind während ihrer gesamten Herrschaft geblieben. Preußen stieg während seiner Herrschaft zur europäischen Großmacht auf. Friedrich II. wurde seiner erfolgreichen Feldzüge wegen auch "Friedrich der Große" genannt. Im zweiten Schlesischen Krieg ab 1744 waren die österreichischen Truppen jedoch stärker geworden, sodass der raffinierte Feldherr Friedrich II. im weiteren Verlauf einige Niederlagen in Kauf nehmen mußte. Seine Vormachtstellung geriet dabei ins Wanken und so schlug er Maria Theresia ein Tauschgeschäft vor. Der geliebte Ehemann seiner Widersacherin Franz Stephan, sollte von Friedrich II. als Kaiser des Heiligen Römischen Reiches anerkannt werden - im Gegenzug sollte er Schlesien behalten. Maria Theresia willigte ein und 1745 fand der Zweite Schlesische Krieg sein Ende. Franz Stephan wurde Römischer Kaiser und Maria Theresia kam als ungekrönte Herrscherin zumindest zu dem Titel einer Kaiserin.

   Franz Anton Stephan von Lothringen hatte ein Händchen für finanzielle Angelegenheiten und konnte so in kürzester Zeit seine und die Taschen seiner Gattin füllen. 1744 konnte er seiner Gattin Maria Theresia circa eine Million Gulden für den zweiten Schlesischen Krieg vorstrecken. Ein sechster Sinn leitete ihn zu Kaufentscheidungen im rechten Moment. Franz Stephan brachte alte Güter wieder auf Vordermann und verbesserte die Landwrtschaft durch neue Methoden. Und nicht nur die, sondern auch Gaststätten, Handwerksbetriebe, Fabriken und Brauhäuser kamen durch ihn in kaiserlichen Besitz und brachten die Geldbeutel zum Klingeln. Egal wie schlecht es um ein Gut stand, Franz Stephan konnte alles zu Geld machen, was er berührte. Die Monarchie profitierte von seinem Genie und erlebte zu seiner Zeit einen enormen Aufschwung. Schnell erkannte er auch, wie leichtfertig die Hofgesellschaft das Geld zum Fenster hinauswarf, und sorgte daher für einen besseren Umgang damit. Sollte jedoch jemand glauben, dass es sich bei Franz Stephan um einen geldgierigen, geizigen Herrn handelte, wurde er durch dessen großzügige Spenden für wohltätige Zwecke rasch eines Besseren belehrt. Nebenbei blieb Franz Stephan noch genug Geld, um seinen Liebhabereien und Sammlungen nachzugehen. Nach dem Tode vererbte er seiner Familie rund 17 Millionen Gulden, was für einen ehemals verschuldeten Herzog eine riesige Summe war. Dank ihm waren die Kinder von allen Geldsorgen befreit.

   Insgesamt gebar Maria Theresia ihrem Gatten 16 Kinder, von denen jedoch nur zehn das Erwachsenenalter erreichten. Sie gilt auch aus heutiger Sicht als Reformerin und umsichtige Herrscherin.

Sie führte 1774 eine neue Schulordnung ein, welche eine  Schulpflicht aller Sechs- bis Zwölfjährigen in Normal- Haupt- und Privatschulen vorsah. Das war allerdings nicht von heute auf morgen umsetzbar. Es fehlte an Infrastruktur und Lehrpersonal. Bis ins 19. Jahrhundert war im Habsburgerreich Analphetismus weitverbrieitet. Auch eine Verwaltungsreform wurde durchgeführt und die Hausnummerierung wurde 1771 angeordnet, die auch heute noch bekannten Konscriptionsnummern. Der Hauptgrund dafür war jedoch eine Steuerreform und eine Reform der Wehrpflicht. Auch das Zivilrecht und das Strafrecht wurden einer grundlegenden Reform unterzogen. Das hat letztendlich dazu geführt, das mit dem ABGB (Allgemeines Bürgerliches Gesetzbuch) von 1811 ein für die damalige Zeit absolut richtungsweisendes zusammenhängendes Gesetzeswerk geschaffen wurde, dass in Teilen auch heute noch Gültigkeit besitzt. Die Mittlerstellung Maria Theresias zwischen ihrem Vater Karl VI. und den radikalen Reformen ihres Sohnes Josef II. wird auch darin deutlich, dass Maria Theresia wahrnehmbar in die Rechtsprechung persönlich und reformfreudig eingriff. Die Landesfürstin war gleichzeitig Gesetzgeberin, höchste Verwaltungsbeamtin und oberste Richterin. Bemerkenswert und richtig war sicherlich die Tatsache, dass sich der Gatte Kaiser Franz Stephan nicht in die Regierungsgeschäfte seiner Gattin einmischte. Weiters wurde unter der Regie Maria Theresias auch eine weitreichende und grundlegende Reform des Heeres und der Offiziersausbildung durchgeführt.

 

   Maria Theresia war die erste und einzige Herrscherin der Habsburger, eine der ersten Regierungsträgerinnen in Europa. Der Maria Theresien Taler ist bis heute ein beliebtes und wertbeständiges Sammlerobjekt. Doch nur wenige wissen, dass die wahrscheinlich berühmteste Silbermünze der Welt einst den halben Erdkreis eroberte und in Teilen Afrikas und im Orient bis weit ins 20. Jahrundert als offizielles Zahlungsmittel diente. Das Verbreitungsgebiet reichte vom westlichen Nordafrika über den Sudan, Äthiopien und Somalia bis Kenia, Tansania, Mozambique und Madagaskar und vom gesamten arabischen Raum bis in Teile Indiens. Selbst in Indonesien, China und Brasilien war er hochgeschätzt. Im Oman zahlte man bis 1970 mit dem Taler. Am 1. November 1858 verlor der Maria Theresien Taler dann unter Kaiser Franz Josef nach 117 Jahren seine Gültigkeit als offizielles Zahlungsmittel in Österreich.

 

   Am 18. August 1765 verstarb Maria Theresias Gatte Franz Stephan überraschend in Innsbruck. Maria Theresias unmittelbare Reaktion auf seinen Tod war tiefe Trauer. Die trauernde Witwe zog sich zunehmend von der Öffentlichkeit zurück, sie wurde bereits zu Lebzeiten zum Mythos. Im Hintergrund behielt sie die Zügel jedoch weiterhin fest in den Händen. Ihren ältesten Sohn, der als Joseph II. die Nachfolge seines Vaters als Kaiser des Römischen Reiches angetreten hatte, machte sie zum Mitregenten in der Habsburgermonarchie. Er war am 6. Oktober 1760 aus alter habsburgischer Familientradition und alter Staatsräson mit Isabella von Bourbon-Parma verheiratet worden. Isabella war eine schöne Prinzessin und Josef war zuerst hingerissen von der Schönheit seiner Braut. Nach der Märchenhochzeit verlief die Ehe jedoch nicht mehr so rosig. Die frisch abgetraute Isabella erwiderte die Zuneigung Josephs nicht, sondern wandte sich bald einer anderen Beziehung zu - der zu ihrer Schwägerin Marie Christine. Isabella erlitt zwei Fehlgeburten und verstarb drei Jahre nach der Hochzeit an den Pocken. Maria Theresia ließ ihren Sohn bald ein weiteres Mal heiraten. Es war eine Zwangsehe nach dem Willen der Mutter mit Josepha von Bayern. Zwei Jahre dauerte die unglückliche Ehe an, bis Josepha wie ihre Vorgängerin an den Pocken verstarb. Josef erschien nicht einmal zu ihrem Begräbnis. Dann heiratete er nicht mehr, denn das Thema Thronfolge war für ihn erledigt. Nach dem Tode seiner Tochter aus der Ehe mit Isabella, welche nach ihrer Großmutter Maria Theresia getauft worden war, vereinsamte Joseph völlig. Ab diesem Zeitpunkt begann Josephs rege Reisetätigkeit für das Reich. Es kam oft zu Meinungsverschiedenheiten mit seiner Mutter, da Maria Theresias Ansichten angeblich immer konservativer wurden. In den letzten Jahren ihres Lebens schwand ihr Elan immer mehr und sie schien unter Deppressionen zu leiden. Am 29. November 1780 verstarb Maria Theresia in der Wiener Hofburg an einer Lungenentzündung. So blieb ihr wenigstens die Französische Revolution erspart. Dort starb ihre 1755 geborene Tochter Marie Antoinette, welche 1769 mit dem damaligen französischen Thronfolger Ludwig XVI verheiratet worden war, am 16. Oktober 1793, neun Monate nach ihrem Gatten, auf dem Schafott. Nachfolger Josephs II, wurde nach dessen Tode 1790, sein Bruder Leopold, als Kaiser Leopold II.

 

Otmar Schuster

Auszusweise aus der NÖN Edition "Die starke Frau Maria Theresia", März 1917