Besucher im lfd Monat

Besucher im Vormonat

Juli  2018  11552

Juni 2018  14714 

Mai 2018   12322

April 2018  15715

 

BESUCHERSTATISTIK

2013 - 1949/13053 Besucher/Zugriffe

2014 - 4545/15360 Besucher/Zugriffe

2015 - 11556/14525 Besucher/Zugriffe

 

2016 - 8326/19441 Besucher/Zugriffe

 

2017 - 8736/33478 Besucher/Zugriffe 

Zählung je Zugriff ab Mai 2018

September 2018
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
 
 
 
 
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
 
 
 
 
 
 
 

Der Heimatschein

 

   Viele von Euch werden in den Dokumenten der Eltern und/oder Großeltern irgendwo einmal auf einen "Heimatschein" gestossen sein. Was hat es mit diesem Heimatschein auf sich? Der Heimatschein (Heimatrollenauszug) diente als Beweis des Heimatrechtes. Er wurde nach dem Zweiten Weltkieg vom "Staatsbürgerschaftsnachweis" abgelöst.

 

   Die große Armut der meisten Menschen in der Monarchie in der Zeit nach 1848  (Ende der Grundherrschaften und Entstehung der Gemeinden), als der große Zuzug in die Städte, insbesonders in die Haupstadt Wien begann, war ein nahezu unlösbares Problem, das man durch die verschiedensten Maßnahmen einzudämmen versuchte. Gerade in den größeren Städten und insbesondere in der Reichshauptstadt Wien, war die Armut besonders gravierend. Die Idee eines sozialen Wohlfahrtsstaates war damals noch völlig unbekannt, die Lösung bzw Milderung des Armenproblems sah man vor allem in der privaten Mildtätigkeit. Wichtigste Täger der Armenpflege waren zunächst kirchliche Einrichtungen. Die katholische Kirche betrachtete die Armut als Prüfung des Glaubens, sie war in ihren Augen nicht gründsätzlich schlecht. Wien war damals in dutzende Armenbezirke unterteilt, die unter der Leitung des zuständigen Pfarrers und einiger vom Magistrat ernannter Funktionäre, sogenannte "Armenräthe" standen. Ihre Aufgabe bestand im Sammeln von Geld- und Sachspenden und deren Verteilung an an bedürftige Menschen.

 

  Aufgrund des 1863 erlassenen Reichsheimatgesetzes hatten die Gemeinden das Recht zur Heimatverleihung erhalten, worauf allerdings kein Rechtsanspruch bestand. Damit waren sie aber auch für die Versorgung ihrer Armen nach dem Subsidiaritätsprinzip zuständig. Darunter versteht man in etwa, dass erst dann ein Anspruch auf Hilfe der Gemeinde besteht, wenn  alle eigenen Möglichkeiten des Betroffenen erschöpft sind: krank, ohne Arbeit, keine Angehörigen, welche Hilfe leisten könnten. Die Last der Armenversorgung wurde dadurch den Land- und Herkunftsgemeinden aufgebürdet, denen zumeist die Ressourcen (Möglichkeiten) dazu oft völlig  fehlten. Ungeachtet der quantitativen und qualitativen Mängel der damaligen Armenversorgung gab es noch eine wesentliche Zugangsbeschränkung: die öffentlichen Einrichtungen der Armenfürsorge standen nur jenen hilfsbedürftigen Menschen zur Verfügung, die "heimatberechtigt" waren. Etwa 65% der damaligen Wiener Bevölkerung war aufgrund dieser Auflage aber gar nicht anspruchsberechtigt. Also blieb nur der Weg in den Untergrund, wurde man gefasst, folgte die Abschiebung in die "Heimatgemeinde". So konnte es passieren, dass so mancher alte, kranke, arbeitslose und unterstandslose Wiener in die Heimatgemeinde seines Vaters abgeschoben wurde, welche er noch nie gesehen hatte. Natürlich waren auch Wienerinnen davon betroffen. Die ohnehin in dieser Zeit belasteten Heimatgemeinden hatten an diesen neuen Mitbürgern natürlich wenig Freude, weil nur Kosten.

 

Also war der "Heimatschein" lange Zeit nur der staatliche Freibrief für die ausufernde Metropole Wien, seine dort zur Last fallenden, nun unerwünschten Bewohner, vom Gesetz völlig gedeckt, in die zuständige Heimatgemeinde zu finanziellen Betreuung abzuschieben. Diese Härte wurde später damit abgemildert, dass man nach 10-jährigem Aufenthalt ein Heimatrecht praktisch ersitzen konnte.

 

Auch in Oberstrahlbach gab es einmal zwei gemeindeeigene Häuser, Nr 53 und 54, in denen sogenannte "Pfründner" leben durften, soferne sie nicht gegen geringes Entgeld einer Familie der Gemeinde zur Betreuung übergeben wurden. Eines wurde später abgerissen und als Feuerwehrhaus wieder aufgebaut, das zweite wurde damals nach 1945 an die Familie Fügerl verkauft. Als das damalige Feuerwehrhaus zu klein wurde, konnte nach dem Ableben der Ehegatten Fügerl dieses Haus von der Gemeinde zurückgekauft werden. Dann erfolgte auf dem Platz der früheren Häuser Nr 53 und 54 der Bau des jetzigen Feuerwehrhauses.

 

 

Otmar Schuster, im Juli 2017