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Der GFÖHLERWALD

 

von Franz Fux, aus der Zeitschrift "Das Waldviertel" 1969-10/12

 

   Auf der Hochfläche nördlich von Krems breitet sich von Süd nach Nord eine Landschaft höchst eigenartiger Prägung aus. Es ist dies der "Gföhler-Wald". Seine Begrenzung bildet im Osten eine von Talungen zerrissene Geländestufe, die ihn vom östlichen, tiefer gelegenen Langenloiser Weinbaugebiet abhebt. Hart an diese Geländestufe hat das Weinland die Märkte und Weinbauorte Schiltern, Lengenfeld und Droß vorgeschoben. Im Norden, wo der Gföhlerwald seine größte Breite aufweist, begrenzen ihn die Gemeindegebiete von Tautendorf und Gars-Thunau, er geht dann in den über den Kamp reichenden "Hornerwald" über und erreicht im äußersten Nordwesten zwischen den Märkten Krumau und Rastenfeld den Kampfluß als nördlichen Abschluß. Den südlichen Abschluß bilden die das Donautal begleitenden Höhen, deren höchste Erhebung der "Sandl" (723 Meter), den Gföhlerwald von der heutigen Gemeinde Dürnstein scheidet. Im Westen, wo es keine Trennungslinie gibt, begrenzen ihn die verhältnismäßig früh, noch babenbergerisch, besiedelte Orte Großmotten, Moritzreith und Rastbach; er umschließt hier im Westen, fast halbkreisförmig, den zentralen Markt Gföhl und den Jaidhof und wird weiter südlich von eine Reihe, auf slavischen Ursprung zurückgehende Örtlichkeiten mit dem altehrwürdigen Pfarrort Meisling, begrenzt. Die Orte Reichau und Ostra bilden den südlichen Abschluß der Westbegrenzung und leiten weiter zum "Sandl", der Südbegrenzung über. Im südlichen Abschnitt wird der Gföhlerwald vom Kremsfluß durchflossen, der knapp nach Meisling den Gföhlerwald durchbricht und ihn kurz vor dem alten Markt und heutigen Kurort Senftenberg wieder verläßt. Typisches Merkmal dieses Gebietes, des vielgenannten Gföhlerwaldes, ist neben dem Vorherrschen des Waldes in der Landschaft, die Siedlungsform der Einzelhäuser, der Streusiedlung.

   Die Besiedlung des Waldgebietes ist eine sehr späte. Erst zu Beginn der Neuzeit, in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, setzte die Durchsiedlung des ausgedehnten Waldlandes ein. Bis zu diesem Zeitpunkt war der ausgedehnte Gföhlerwald menschenleeres Waldgebiet.

   Schon die erste urkundliche Nennung 1141 weist darauf hin, daß es sich bei diesem Waldland um einen "Bannwald" handelt. In diesem Jahr wird dem Kloster Reichersberg (heute in Oberösterreich am Inn) entgeltliche Holzentnahme in dem landesfürstlichen Wald zwischen den Flüssen Krems und Kamp, der vulgo "Vorst" heißt gestattet. Die Bezeichnung "Vorst" wird in der Regel nur für Wälder, die mit besonderen Hoheiten und Rechten ausgestattet waren, verwendet. Tatsächlich waren beim "Gföhler-Wald" der Wildbann, die Vogtey über die Pfarren Meisling und Gföhl, ein ausgedehntes Landgericht, Mautgerechtigleiten und ein umfangreicher Ungeldbezirk. (Ungeld - eine seit dem 13. Jahrhundert erhobene Verbrauchssteuer)

   Noch im Banntaidingsbüchel über das Banntaidung zu Gfell, 1604, heißt es, daß jeder Mann und jedes Weib in ehrbaren Sachen, sobald sie die "vordrist" Stauden des Gfeller Waldes erreichten, "gefürste" Freiheit hat. Beim "Gfeller-Wald" war, wie gesagt, die Vogtey über die Pfarren Meisling und Gföhl. Die Kirche in Meisling wurde über Anregung des Eigenkirchenherrn, des Babenberger-Markgrafen Leopold III. 1111 an Stelle einer alten, verfallenen, neu erbaut.

   Knapp vorher dürften Pfarre und "Vorst" in das Eigentum des Landesfürsten gekommen sein. Als ursprüngliche Eigentümer sind die Lengacher-Rehberger anzusehen. Die Landesfürsten bleiben Eigentümer des Gföhler Waldes bis 1608. Die Verwaltung des "Vorstes" wird vorerst von Ministerialen der Babenberger durchgeführt. Ein Ministerialengeschlecht nennt sich nach Gföhl. So ist Rudwinus der Gfelle nachweisbar. Hugo und Hartung vom gleichen Geschlecht finden sich 1266 im Gefolge der letzten Babenbergerin Margarethe zu Krumau. 1276 scheint erstmals ein Förster zu Gföhl auf, 1308 ist zum erstenmal die Bezeichnung "Gföhler-Wald" nachweisbar, und zwar heißt es anläßlich einer Schenkung in Reittern an das Kloster Gleink in Oberösterreich, Reittern beim "Gföhler-Wald". 1341 ist in Gföhl der Forstermeister Hermann Gremlich nachweisbar. Aus 1465 ist ein Urbar über den Gfeller Wald vorhanden. Darin heißt es, daß die Pfarren Meisling und Gföhl zur Vogtey des "Gföhler Waldes" gehören, die Untertanen der Pfarren sind Vogtholden zum Gföhler Wald. Ebenso wird das Landgericht als zum "Gföhler Wald" gehörig bezeichnet. Der ursprünglich nur der Jagd vorbehaltene und daher nicht besiedelte "Gföhler Wald" wird nun auch zur Holznutzung herangezogen. Das Urbar von 1465 nennt die Preise für die einzelnen Holzgattungen.

   So zum Beispiel: Von einem Tannenstamp zu Schintlholz gibt man der Herrschaft 7 Pfennig und den Vorster sein Recht 2 Pfennig.

   Geldschwierigkeiten veranlaßten die Eigentümer des Waldes, die Landesfürsten, diesen häufig zu verpfänden. Der Wald wird in Amtsbezirke aufgeteilt, jedes Amt wird von einem "Vorster" verwaltet, der dem Forstmeister in Gföhl untersteht. Diese Amtsbezirke bilden später die Grundlagen der späteren Gemeinden. Folgende Ämter finden sich 1465 genannt:

   Gföhleramt, Mottingeramt, Wetzlingeramt (das heute nicht mehr existiert), Eisengraberamt,      Wegscheideramt (heute Eisenbergeramt), Tautendorferamt, Wolfshoferamt, Schiltingeramt,    Mittelbergeramt, Lengenfelderamt, Drosseramt, Senftenbergeramt, Meislingeramt, Ostracheramt (heute Reichaueramt).

   Das Urbar von 1570 meldet die ersten Ansiedlungen im Waldland. Sie sind an den Bächen Reisling und Görnitz zu finden und der Hauptsache nach Mühlen und Sägewerke.

   Im Urbar von 1604 wird das Ergebnis einer Bereitung ausführlich niedergeschrieben. Die Größe des Waldes wird mit 53.000 Joch angegeben. Mit fast allen Anrainern werden Schwierigkeiten bei der Grenzfestlegung gemeldet. Durch die dauernden und wechselnden Verpfändungen waren die Grenzen sehr labil geworden. Nach längeren Streitigkeiten wurden die Grenzen wieder entgültig frstgelegt. Auf die Möglichkeit der Ansiedlung von Untertanen im Waldland wird hingewiesen. Die Orte des Landgerichtes und des Ungeldbezirkes wurden erneut festgelegt. Die Hauptsiedlung dieses Landgerichtes waren der Markt Gföhl und Alten Gföhl mit 105 Feuerstätten. Insgesamt waren es 1141 Feuerstätten.

   1608 wird im Kaufvertrag, abgeschlossen zu Prag von Kaiser Rudolf II, die Herrschaft Gföhl, wie sie nunmehr genannt wird und in Zukunft auch heißt, an Lazarus Henkel von Donnersmark zum freien Eigen verkauft. Sie verbleibt in der Familie der Grafen Sinzendorf bis zu deren Aussterben 1822. Nach mehreren Zwischenbesitzern, so der Freiherrn von Sina, unter denen die Herrschaft 1848 ihre obrigkeitlichen Funktionen abgibt und die Grundentlastung durchgeführt wird, kommt der nunmehrige Gutsbesitz in der Größe von ca 10.000 Hektar im Jahre 1883 an die Familie Ritter von Gutmann.

   Bis 1958 bleibt das Gut im wesentlichen in seiner ursprünglichen Größe erhalten. Ab 1958 beginnt der Abverkauf von Gutsteilen, hauptsächlich an die österr. Bundesforste, so daß das Gut Gföhl heute nur mehr über eine Fläche von ca 4.000 Hektar Wald verfügt.

 

   Nun zur Besiedlung des "Gföhler Waldes". Wie bereits kurz angeführt, wurden 1570 die ersten menschlichen Ansiedlungen in den Wald hinein errichtet. Mit dem Verkauf der Herrschaft ging Hand in Hand das Bestreben nach einer besseren kommerziellen Nutzung des riesigen Waldgebietes. Der wachsende Bedarf an Holz, bedingt durch das Aufblühen des Handwerks und des Wachsens der Städte, war diesem Bestreben förderlich. Vorerst trachtete die zentrale Forstverwaltung den Sitz des "Vorstes" in den Amtsbezirk zu verlegen. Die ersten Häuser in den Waldämtern waren Forsthäuser, denen alsbald Zinshütten für Holzhacker folgten. Neben der Holzfällerei wurde die Köhlerei und die Glasschleiferei eingeführt. Das Urbar und Grundbuch über die Herrschaft Gföhl aus 1604 zählt bereits eine große Zahl an neugestifteten Hütten auf, so bei Jaidhof, in Senftenberg, Mottingeramt und Tautendorferamt. Die Abgabe von Waldgrundstücken mit Rodungserlaubnis zur Erbauung eines Hüttels gehen unvermindert in den nächsten Jahrzehnten weiter. Immer häufiger werden Waldgrundstücke zur Verwendung als Haus- und Überländgründe gerodet und darauf die Herrenforderung geschlagen und somit, wie es im Urbar heißt, Kaufrecht gemacht. Aus den ursprünglichen Holzhackern werden allmählich kleine Bauern. Das Grund- und Dienstbuch von 1763 weist bereits in allen Waldämtern eine Reihe von aufrechten Häusern auf. Analog den Marktrichtern wird für die Bewohner des Waldes ein Waldrichter bestellt. Glashütten werden 1673 in Eisenbergeramt, Eisengraberamt und Mottingeramt genannt. Auch der Glasberg in Wolfshoferamt könnte mit der Glasindustrie des "Gföhler-Waldes" im Zusammenhang gebracht werden können. Die Flurnamen "Wolfsgejaid" in Tautendorferamt und "Wolfsgrubenmais" in Gföhleramt erinnern an den Kampf der Neusiedler mit den Wölfen.

   1738 wurden neue Grundbücher angelegt. Es sind bereits an die siebenhundert  Holzhackerhütten in allen Waldämtern verzeichnet, daneben gibt noch eine Reihe sogenannter Gnadenhüttel und herrschaftliche Zinshütten. Auch 12 Höfe sind eigens erwähnt. Die Rustikal-Fassion über die hochgräflich sinzendorf`sche Herrschaft Gföhl, 1753, weist bereits für jedes Amt einen Richter und Geschworenen aus. Noch war aber der Fortbestand der Siedlung im "Gföhler-Wald" keineswegs gesichert. Die Herrschaft Gföhl gibt 1753 die Erklärung ab, daß sie die Hütten jederzeit abstiften und den Wald wieder darauf wachsen lassen können. 1756 werden von der Herrschaft auf Geheiß der N.Ö. Regierung größere Waldflächen zur Rodung und Umwandlung in Ackerland abgegeben. Hiermit war die Lebensfähigkeit der "Hüttler" erst einigermaßen gegeben.

   Um 1770 ging eine Revolte der Waldhüttler wegen der unangemessenen Robotforderung des Herrschaftsinhabers durch die Waldämter. 1771 wurden acht Familien aus den Waldämtern des "Gföhler-Waldes" in den ungarischen Banat verbannt. Die Unruhe war damit noch nicht beendet. Die Waldhüttler gaben nicht nach und erreichten, daß mit allerhöchster Entschließung vom 11. Mai 1778 der Herrschaftsinhaber Graf Sinzendorf den Waldhüttlern Entschädigung zahlen mußte.

   1634 verlangte der Herrschaftsinhaber Freiherr von Sina von den Untertanen in den Waldämtern den Nachweis für die Berechtigung des unentgeltlichen Streubezuges. Wieder zog sich durch ein Jahrzehnt der Kampf der Waldhüttler mit den Herrschaftsinhabern hin. Mit Urteil vom 31. Oktober 1844 des hohen Appellationsgerichtes wird den Waldhüttlern der unentgeltliche Streubezug bestätigt. 1852 wurde vom Gutsbeitzer Georg Freiherr von Sina neuerlich ein Prozeß wegen der Streubezüge begonnen. Drr Prozeß wurde 1857 mit Vergleich beendet.

   Der Gutsbesitzer zahlte 17 Gulden pro Joch Ablöse und der unentgeltliche Streubezug erlosch. Nach dem Kampf mit den Herrschaftsinhabern hatten die Waldhüttler in der neuen liberalen Ordnung schwer um ihre wirtschaftliche Existenz zu kämpfen. 1859 gründeten die Waldhüttler  gemeinsam einen Feuerversicherungsverein.  Es ist dies das letzte gemeinsame Auftreten der Waldhüttler. In der Wirtschaftskrise der Siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts wurde ein Reihe von Wirtschaften der Waldhüttler zwangsversteigert. Sie wurden großteils von der Herrschaft aufgekauft, die die ehemaligen Besitzer gewöhnlich auf Lebenszeit in ihren Hütten beließ. Von den Hüttenbesitzern, ungefähr tausend an der Zahl, wurde neben der Landwirtschaft eine blühende Hausindustrie, die Erzeugung von Holzwaren, Schaufeln, Rechen, Besen usw. betrieben. Heute ist dieser Zweig des Nebenerwerbs längst erloschen. Die ehemaligen Waldhüttler mußten sich in der Folgezeit anstrengen aus der Landwirtschaft allein ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

   Das Fehlen von Waldbesitz bei den Bauern wurde als großer Mangel empfunden. Sämtliche Wirtschaftsbesitzer und Bewohner der Ämter des "Gföhler-Waldes" hatten bis 1958 noch gemeinsam, daß der um ihre Häuser liegende Wald zum Gute Gföhl gehörte. Mit dem Abverkauf von Gutsteilen des Gutes Gföhl an die österr. Bundesforste setzte eine entgegengesetzte Entwicklung in den einzelnen Waldämtern ein. Während in den südlich gelegenen Ämtern das Abstiften der Landwirte unaufhaltsam ihren Fortgang nimmt, und im dem Krems am benachbarten Reichaueramt am stärksten ist, die freiwerdenden Grundstücke werden von den Bundesforsten zum Aufforsten angekauft, wurden in den nördlichen Teilen des "Gföhler-Waldes", vor allem im Wolfshoferamt, über Intervention der Landwirtschaftskammer, Waldstücke von den Bundesforsten an die Landwirte abgegeben. 

 

   Niemand kann vorraussagen, welche Umschichtungen im historischen "Gföhler-Wald" in den kommenden Jahrzehnten vor sich gehen werden. Die gegenwärtige Struktur der Landwirtschaft im "Gföhler-Wald" ist nicht gerade zukunftsweisend. Mit der Ansiedlung von Industrien zum Ersatz der ehemaligen Hausindustrien als Nebenerwerbsmöglichkeit ist nicht, oder kaum, zu rechnen. Am ehesten hätte das Gebiet als Erholungsraum echte Chancen. Jedenfalls haben die heutigen Bewohner (um 1969 !) auch echte Sorgen um die Zukunft.  

 

   Möge es den Bewohnern mit den zuständigen öffentlichen Stellen sowie den Raumplanern gelingen, daß historisch gewachsene Gebiet des "Gföhler-Waldes" der Besiedlung und der Kultur zu erhalten.