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Die Schindlmacher in der Buckligen Welt

 

Wie sich zwei Freunde gefunden haben und ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht haben:

Reinhard Ritter und Gerald Hofer erzählen ihre Geschichte und von ihrer Liebe zum Holz.

 

  Eingebettet in die sanfte hügelige Landschaft der Buckligen Welt, liegt Aigen, wo Reinhard Ritter und Gerald Hofer in Handarbeit Holzschindeln herstellen. Gerald Hofer, gelernter Tischler, und Reinhard Ritter, begeisterter Maschinenbau Automatisierungs-techniker, widmen sich seit 2012 der Herstellung von Holzschindeln. "Wir sind ins kalte Wasser gesprungen", so Hofer im Interview. Ritter ergänzt: "Probieren geht über studieren." Den Holzschindel-Kurs besuchten die zwei Freunde in Pichl in der Steiermark, mit Teilnehmern aus dem gesamten Alpenraum.

   Der Begriff Holz leitet sich vom indoeuropäischen "klto", dessen ursprüngliche Bedeutung "abgeschnittenes, gespaltenes, schlagbares Holz" ist. Holz bezeichnet das Zellgewebe eines Baumes innerhalb des Kambiums und der Rinde. Holz zählt zu den ältesten Werkstoffen und Energietägern der Menschheit. Schon immer wurde Holz als Material für das Bauen von Stallungen, Häusern und Dachstühlen verwendet. Aber auch zum Kochen und Heizen oder als Werkzeug war dieses Material essenziell. Holz war und ist der universielle Werkstoff schlechthin und meist der einzige unmittelbare Energielieferant. Es gibt kein Handwerk der letzten Jahrhunderte, das ohne Holz ausgekommen wäre - als Werkzeug, Werkbank, Werkstoff, Brennstoff und/oder Rohstoff. Holz kann Feuchtigkeit aufnehmen und abgeben. Fußböden, Wände und Möbel aus Holz haben die gleichen Eigenschaften und sorgen in jedem Haus für ein gesundes Wohnklima, egal ob innen, außen oder auf dem Dach.

   Das Holz für ihre Schindeln beziehen die beiden Handwerker unter anderem aus Naßwald. Seit dem 18. Jahrhundert wird an diesem entlegenen Ort in der Rax-Schneeberg-Region, der zur Gemeinde Schwarzau im Gebirge gehört, gerodet. Reinhard Ritter betont jedoch, dass sie ihr Holz auch aus der näheren Umgebung beziehen, denn je näher, umso besser. "Wir wollen nicht, dass das Holz durch ganz Österreich transportiert wird", so Gerald Hofer im Gespräch. Großteils wird das widerstandsfähige Lärchenholz verwendet. Nachhaltigkeit, Bestand und Aufrechterhaltung des ökologischen Gleichgewichts - diese Begriffe prägen den Rohstoff Holz. "Man unterscheidet zwischen den liegenden und stehenden Holzschindeln", lässt sich die Redakteurin erklären. Die liegenden Schindeln müssen so verlegt werden, dass man ein sanft "lächelndes Gesicht" erhält, welches entsteht, wenn die abgeflachten Kanten und die Jahresringe des Baumes nach oben zeigen. Dabei wird immer die kernnahe Seite des Holzes verwendet. Ein fertiges Holzschindeldach leuchtet goldrot.

   Bei der Schindelerzeugung wird das Holz gespalten, damit bleibt der Faserverlauf erhalten. Die Holzfaserung ermöglicht ein besseres Abrinnen des Wassers und erhöht somit das Rücktrocknungsverfahren der Schindel. Die Erzeugung der Schindel auf Grundlage der traditionellen Überlieferung gewährleistet hohe Lebensdauer und Ästhetik. Die Vielfalt der Schin delverwendung reicht von Schindelfassaden über Terrassenverkleidungen bis hin zu modernen Kapellen und Vordächern. Es lassen sich auch unzählige Vorteile finden, warum man auf Holzschindeln umsteigen sollte. Hier einige Pluspunkte: Sie sind hagelsicher, ökologisch, wärmedämmend, elastisch, leicht, diffusionsfähig, frostbeständig,ä stetisch, sturmsicher und sie haben eine lange Lebensdauer.

   Rund 40 bis 50 Jahre hält ein Schindeldach, danach sollte es im besten Fall ganz ausgetauscht werden. Aufgrund der Vielzahl der Gestaltungsmöglichkeiten finden Schindeln heutzutage nicht nur in der klassischen, sondern auch in der modernen Architektur Verwendung. Der Trend zu naturbezogenen Produkten wirkt sich positiv auf die Schindelmacher aus. 
   Bei der Erzeugung der Produkte, der Deckung und Montage liegt den beiden Freunden die Verbindung von traditionellem Wissen mit neuen Erkenntnissen besonders am Herzen. Speziell wird auf den langsamen, geraden und astfreien Wuchs des Baumstammes Wert gelegt, der vor allem bei Holz aus dem Raxgebiet gut ausgeprägt ist. Ebenso wird auf den optimalen Schlägerungszeitpunkt geachtet. Unternehmerisch müssen auch die zwei Schindelmacher mit der Zeit gehen. Die Frage "Brauchen wir Facebook, Instagramm und Co für unser Unternehmen?" haben sie für sich beantwortet und sind sich einig. Beide sind gegen die Überbewertung von Social Media. "Wir finden, dass die Webseite ausreicht. Wenn jemand von uns etwas wissen möchte, dann findet er alle Kontaktdaten auf unserer Homepage", so Hofer im Gespräch. Ritter und Hofer stellen sich auch Fragen nach eventuellen zukünftigen Schwierigkeiten. "Die Herausforderungen, die sich ergeben, sind vor allem, dass wir im Preissegment höher liegen als andere Anbieter. Weiters müssen wir neue interessierte Kunden finden, die sich motivieren lassen, sich Holzschindeldächer zu leisten. Wir haben eine sehr beschränkte Zielguppe." Dabei ist die Resonanz der Kunden auf ihre Arbeit äußerst positiv, und sehr vielen Menschen gefällt diese Form der Außenverkleidung. "Viele würden es gerne machen lassen, nur es ist immer eine Preisfrage," so Ritter im Gespräch.

   

"Die Leute sollen wieder mehr Freude an der Arbeit haben und bewusster durch die Welt gehen. Wir können es auch uns gut vorstellen, dass wir jemandem im Team aufnehmen. Vielleicht verdient man etwas weniger, aber dafür kann man auf einen schönen Tag zurückblicken. Das wird die Zukunft sein", erklären Ritter und Hofer im Interview. Ihre Leidenschaft zum Beruf machen, das haben die zwei Freunde erfolgreich geschafft. Zu sehen sind die zwei sympathischen Schindelmacher aus der Buckligen Welt das nächste Mal bei der "Adventmeile Seebenstein" vom 2. bis 3. Dezember 2017 im Naturpark Seebenstein.

 

Text: Theresia Draxler   in Schaufenster KULTUR/REGION November 2017

 

 

Information

Original Ritter HolzSCHINDLdach nach Tradition

www.ritterschindl.at

 

Für Interessierte: am 10.  und 17. Februar 2018 gibt es in Schönbach einen Schindelmachergrundkurs

siehe Link "Handwerk-erleben"