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 Exkulanten aus dem Waldviertel

 

Vertriebene, Zwangsauswanderer aus dem westlichen Waldviertel, Menschen, welche wegen des Festhaltens am protestantischen Glauben, die Heimat verlassen mußten.

 

Die Vertreibung der ersten Protestanten ins Ausland, 1590 - 1685. 

 

   Der Westfälische Friede von 1648 beendete den Dreißigjährigen Krieg, der eigentlich ein Glaubenskrieg war und letztendlich in ein Gemetzel jeder gegen jeden ausartete und Tod und Verwüstung für fast die Hälfte Mitteleuropas zur Folge hatte, wobei die eigenen Truppen oft schlimmer wüteten als der Feind. Ganze Landstriche wurden verwüstet und entvölkert. Er brachte aber für Österreich keine Glaubensfreiheit, im Gegenteil. Die Regierung betrieb erneut die zwangsweise Bekehrung der "Unkatholischen". Das Waldviertel war durch diesen Krieg ebenfalls zum Teil verwüstet und entvölkert worden. Die Bevölkerung war dem Beispiel der adeligen Herrschaften gefolgt und zum großen Teil evangelisch geworden. Während es sich die Herrschaft richten konnte und oft zum Schein wieder katholisch wurde, wurde das Volk zwangskatholisiert. Wer nicht zwangsweise wieder den katholischen Glauben annehmen wollte, dem blieb nur die Auswanderung.

 

   Im Jahre 1652 erging ein weiteres großes Patent, dass der Kaiser auch Befehle hinsichtlich des Glaubens erteilen konnte, und, dass wer nicht katholisch werden wollte, dem Kaiser ungehorsam war. Um die Konversion zu erreichen, hätten alle Unkatholischen vor der "Reformkommission" zu erscheinen und sich unterweisen zu lassen. Eine Emigration ins Ausland war jedoch als Altenative möglich. Von nun an war die Kommission in vielen Pfarren unerbittlich unterwegs, die vor allem im westlichen Waldviertel auf teils erheblichen Widerstand stiess und nur durch krasse Waffengewalt und durch die Verhaftung einiger nichtzustimmenden Richter (Ortsobere der Orte Langschlag, Großgerungs und Großpertholz) entgültig gebrochen werden konnte. Als nach 1652 der Druck auf die Verbliebenen seitens der Obrigkeit immer stärker wurde, wurden viele Höfe von den Eigentümern unter Wert verkauft, nur um überhaupt noch etwas zu erhalten. Manche Güter wurden auch einfach zurückgelassen und später amtlich, man nannte das "ex officio", versteigert. Die Herrschaft versuchte so den Ausfall der Steuern auszugleichen. Aus den damaligen Unterlagen lässt sich ersehen, dass viele Waldviertler dem Land den Rücken kehrten und ihre Höfe einfach brach zurück liessen. Es wurde nämlich verlangt eine Auswanderungssteuer zu bezahlen, die auch noch von dem oft niedrigen Verkaufspreis der Güter zu bezahlen war. So machte man sich lieber bei Nacht und Nebel auf den Weg, in der Hoffnung unversehrt über die Grenze zu kommen. Denn einige der Flüchtlinge wurden auf ihrem Weg in die konfessionelle Freiheit misshandelt, eingekerkert, ausgeplündert und teilweise wieder zurückgeschickt. Es kam sogar vor, dass an der Grenze aufgetriebene Personen mit Gewalt in eine Kirche getrieben und dort zur Kommunion und Beichte gezwungen wurden. Somit galten sie wieder als Katholiken. 

 

   Zwischen 1652 und 1654 wurde durch das Wirken der Reformationskommission der Protestantismus jedenfalls "offiziell" ausgerottet. Die österreichischen Exkulanten des 16. und 17. Jahrhunderts wanderten alleine oder in Gruppen in Richtung Ungarn, Württemberg, Sachsen und Franken. Im Gegensatz zu den Salzburger Exkulanten, die in den Jahren 1731/32 aus Salzburg ausgewiesen wurden, mussten die Füchtlinge aus dem österreichischen Kernland (so auch aus dem Waldviertel) in aller Stille gehen. Die Salzburger hatten Jahrzehnte später das Glück organisiert überwiegend nach Ostpreussen geleitet zu werden - unter großer Anteilnahme der Bevölkerung. Die Flüchtlinge die vor ihnen aus ihrer Heimat gewiesen wurden, genossen dieses Privileg nicht. Es emfing sie auch niemand freudig in der Fremde. Nur ihr tief verwurzelter protestantischer Glaube und die in Deutschland gemeinsame Sprache machten das Leben erträglicher. Nicht selten wurden sie von der einheimischen Bevölkerung mit großer Skepsis aufgenommen. So ist es nicht verwunderlich, dass diese frommen Österreicher in den ersten Jahren weitestgehend untereinander heirateten.

 

   Wie schon gesagt, unter diesen Exkulanten waren auch mehr als 2000 namentlich bekannte Personen aus dem westlichen Waldviertel, kaum einer kehrte jemals wieder zurück. Viele Waldviertler fanden in Franken eine neue Heimat. Diese Ereignisse sind heute kaum noch jemanden bekannt und die wenigsten wissen oder ahnen, dass sie heute noch Verwandte in Franken haben. Umgekehrt suchen heue viele Franken nach ihren Wurzeln in Österreich und auch im Waldviertel.

 

  So ist erwiesen, dass Elias Stumpner aus Jagenbach mit seiner Familie nach Kalbensteinberg (heute ein idyllischer Ort im Fränkischen Seenland südwestlich von Nürnberg mit ca 320 Einwohnern) in Franken gezogen ist. Dort heiratete Tochter Rosina 1671 Adam Schwenter und Tochter Sophia 1674 Georg Buchmüller, gebürtig aus Arbesbach. Sein offensichtlich zurückgebliebener Sohn Mathias heiratete 1659 in Jagenbach, Pfarre Rieggers, Magdalena Zwölfer. 

 

Möglicherweise waren diese Stumptners aus Jagenbach ja verwandt mit den Stumptners in Großwolfgers und Reichenbach und somit Ahnen der Stumptners und Stundners in Oberstrahlbach. Vielleicht gibt es ja heute noch Stumptners in Franken, welche von diesem Elias Stumptner abstammen.

 

 

Dazu ein anderes interessantes Beispiel aus Pehendorf

www.pfaenders.com

 

 

Otmar Schuster, im November 2017