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Der K R E N

 

  bei unseren deutschen Nachbarn besser als Meerrettich bekannt,

ist ein unheimlich vielseitiges Gewächs, das sogar bei Erkältungen hilft.

 

Die Wurzel mit gesunder Schärfe

 

Er hat mehr Vitamin C als Zitronen, enthält hochwertige Antioxidantien und schmeckt aufgrund seiner Schärfe zum Weinen gut. Die hohe Konzentration an ätherischen Senfölen und seine zum Teil antibiotisch wirkenden Stoffe machten den Meerrettich zu einer weitverbreiteten Heil- und Gewürzpflanze.

 

   Was hat der Meerrettich mit dem Meer zu tun? Das Deutsche Wörterbuch von 1856 informiert, der Name kommt vom "Rettich der über das Meer zu uns gekommen ist". Der lateinische Gattungsname Armoracia leitet sich von armoracius ab, was am Meere wachsend bedeutet. Die Pflanze wächst tatsächlich auch an Meeresküsten. Die ursprüngliche Heimat des heute bei uns verwendendeten Krens oder Meerrettichs ist Süd- und Osteuropa, von wo er etwa 1000 nach Chr. nach Mitteleuropa gekommen sein soll. Andere vertreten die Meinung, die Bezeichnung leite sich von Mähre, germanisch marha für Pferd ab. Die Deutung ist eine Überlegung wert, wenn wir uns den häufigen Einsatz der scharfen Wurzel in der Pferdeheilkunde vor Augen führen. Wieder andere behaupten, die Bezeichnung rührt von "mehr Rettich" her. Seine Schärfe, die der des Rettichs deutlich überlegen ist, wäre dafür ein überzeugender Beweis. Wie dem auch sei, Hauptsache wir sind Nutzer dieser würzig-scharfen Wurzel die bei uns in Österreich einfach Kren genannt wird. Sie verleiht Speisen wie Tafelspitz, Roastbeef. geräuchterm Fisch oder Saucen eine besonders pikante Note, darf aber auch bei so mancher Heurigen-Jause nicht fehlen. Besonders hilfreich ist sie bei der Abwehr von Erkältungen. 

 

   Der bei uns kultivierte Krens heißt lateinisch Armoracia rusticana und stammt aus der Familie der Kreuzblütlergewächse, Er wächst als ausdauernde, winterharte Pflanze, kommt aber auch  wild vor. Die großen dunkelgrünen Blätter ziehen sich über den Winter ein, es verbleibt die Pfahlwurzel als Überdauerungsorgan. Der Kren wird rein vegetativ vermehrt. Er bildet dünne Seitentriebe, die zu sogenannten Stecklingen oder Fechsern geschnitten und neu eingepflanzt werden. Deshalb sollte am Standort auch genügend Raum für die ausbreitungsfreudige Pflanze eingeplant werden. Die Pflanze kommt mit jedem Substrat zurecht, gedeiht aber am bestem auf sandigem Lehmboden. Dies und regelmäßige Feuchtigkeitszufuhr dankt der Kren mit reichlichem Wurzelwachstum. Dabei spielt es für den privaten Anbau und die manuelle Ernte keine Rolle, wenn die Wurzeln sich verzweigen. Im Erwerbsanbau braucht der Kren dagegen intensivere Pflege, um möglichst gerade Wurzeln mit möglichst durchgängig weißem Fleisch auszubilden.

 

   Ende Oktober, wenn sich das Laub gelb verfärbt, wird mit dem Ausstechen der Wurzel begonnen. Solange der Boden nicht gefroren ist, kann sie immer wieder frisch aus dem Boden gegraben werden. Sinnvoll ist es, einen kleinen Bestand im Garten zu belassen, damit auch im nächsten Jahr wieder ein Vorrat heranwächst. Die geerntete Wurzel wird am besten an einem kühlen Ort in Sand eingelagert. Mittlerweile ist der Kren aber auch in vielen Geschäften den ganzen Winter über frisch zu erwerben. Zur Verarbeitung wird die Wurzel gewaschen, geschält und mit einem scharfen Hobel nur soviel gerieben, wie gerade benötigt wird. Die Hauptinhaltstoffe, die Glucosinolate werden durch Zerkleinern der Wurzel zu 90 Prozent in ätherisches Allyl-Senföl übergeführt. Dieses ist nur in frischem Zustand voll wirksam. Spürbar wird das, wenn einem beim Zerkleinern die Tränen in die Augen schießen und der Verzehr die Nase beben lässt. Beim Trocknen verdunstet mit der Zeit ein großer Teil des leicht flüchtigen Senföls. Dies ist sogar bei in Alkohol eingelegten Präparaten nach etlichen Wochen der Fall. Ein Fertigpräparat ist dagegen speziell aufbereitet und beinhaltet starke Wirkstoffe in konzentrierter Form. 

 

Therapeutische Einsatz

 

   Dieses Fertigpräparat ist eine Kombination von Meerrettichwurzel und Kapuzinerkressekraut und in der Apotheke erhältlich. Hierbei handelt es sich um ein seit Jahrzehnten bewährtes pflanzliches Mittel, das bei Nasennebenhöhlenentzündungen, Halsschmerzen, Bronchitis oder unkomplizierter Blasenentzündung starke antibakterielle Kräfte entfalten kann. Die konsequente Einnahme ist die Voraussetzung für den Therapieerfolg. Die Inhaltstoffe beider Pflanzen töten auch multiresistente Staphylokokken ab. Gleichzeitig wurden antivirale Wirkungen nachgewiesen. Als der Grippevirus H1N1 grassierte - er ist auch als Schweinegrippe bekannt - gab es weitere überraschende Forschungsergebnisse: Die untersuchten Senföle von Kapuzinerkresse und Meerrettichwurzel konnten im Laborversuch die Vermehrung der gefährlichen Grippeviren um 90% reduzieren. Die Wurzel stärkt zudem die Leber.

   In der Tierheilkunde wird der horseradish (engliche Bezeichnung des Meerrettichs) traditionell in der Behandlung von verschiedensten Infektionen bei Pferden eingesetzt. Aber auch der Einsatz in der Schweinezucht hat sich bewährt. Regelmäßig mit Meerrettich gefütterte Schweine sind insgesamt gesünder, lebhafter und brauchen keine pharmazeutischen Antibiotikagaben. Durch die verdauungsanregende Wirkung des Merrettichs fressen sie gut und legen und legen dadurch nebenbei reichlich an Gewicht zu. 

 

Erkältungsvorsorge

 

   Die gesunde scharfe Wurzel  kann mit eine feinen Reibe geraspelt werden. Davon genügen zwei Esslöffel. Diese werden mit vier Esslöffel Honig vermengt, dadurch wird der Genuss etwas erträglicher  und Honig wirkt bei Husten zusätzlich reizlindernd. Von dieser Mischung nehmen Erwachsene dreimal täglich einen halben bis ganzen Teelöffel ein. Kinder ab vier Jahren sollten eine deutlich kleinere Dosis bekommen. Wer eine empfindliche Magenschleimhaut hat, reagiert oft mit Magenschmerzen auf die starken Senföle. In diesem Fall kann der Genuss leider nicht empfohlen werden, ebensowenig bei Magen-Darmgeschwüren oder Nierenleiden, da empfindliche Schleimhäute durch die Scharfstoffe gereizt werden. Zu kulinarischen Zwecken kann natürlich auch auf Meerrettich im Glas zurückgeriffen werden, allerdings sind immer konservierende Zutaten enthalten. Diese Zubereitungen sind aufgrund der erwähnten Abbauprozesse für den effektiven Einsatz bei Infekten kaum geeignet.

 

 

 Ellen Huber, erschienen in der Zeitschrift "Schöner Bayrischer Wald" Nr. 6 -2017

 

 

Persönlicher Nachtrag

 

In meiner frühesten Jugendzeit, in den Fünfziger-Jahren des vorigen Jahrhunderts befand sich vor fast jedem Bauernhaus eine Abfallgrube, in der der unter anderem die Reste des Korndrusches (damals als Gräten bezeichnet) gesammelt wurden. Rund um diese Gruben war überall der Kren zu finden. Auch stand das Krenfleisch sicher viel öfter am Speiseplan als der Schweinsbraten oder gar Schnitzel.

 

 Kren bzw Meerrettich ist also ein naürliches Antibotikum, gerade im Winter sollte er daher öfter auf der Speisekarte stehen.