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Vom Land unter der Enns in der Monarchie zum

Bundesland Niederösterreich mit eigener Hauptstadt St. Pölten

 

   Die historische Trennung in ein Österreich unter der Enns und in ein Österreich ob der Enns erfolgte bereits 1458, es war die Aufteilung des Erzherzogstums Österreich. Österreich unter der Enns, also Niederösterreich bekam Friedrich III. zugesprochen, Österreich ob der Enns in der damaligen Größe (noch ohne Innviertel), also Oberösterreich, ging an seinen Bruder Albrecht VI., tatsächlich eigenständig wurde das Österreich ob der Enns aber erst durch das Februarpatent 1861. (Verfassung der österreichischen Monarchie) Während das neue Land Oberösterreich mit Linz eine Hauptstadt hatte, blieb Wien weiter die Hauptstadt von Niederösterreich. Eine neue Chance auf eine Änderung kam erst mit dem Ende des ersten Weltkriegs.

 

    Die Trennung von Wien und Niederösterreich erfolgte nach dem Zusammenbruch der Monarchie in einem etappenweisen Entscheidungsprozess in den Jahren 1919 bis 1921. 1919 errang die Sozialdemokratische Arbeiterpartei bei den Gemeinderatswahlen in Wien und bei den NÖ Landtagswahlen die Mehrheit. Wiener Bürgermeister wurde Jakob Reumann, Landeshauptmann von NÖ Albert Sever, beide waren Sozialdemokraten. Die Trennungsbestrebungen gingen damals hauptsächlich von Teilen der Christlichsozialen Partei in Niederösterreich aus. Eine einheitliche Meinungsbildung gab es zu diesem Thema nicht. Für die Wiener Sozialdemokraten war durch eine Trennung kein parteipolitischer Machtverlust zu befürchten, während für die niederösterreichischen Sozialdemokraten eine Trennung den sicheren Verlust der Mehrheit im NÖ Landtag zur Folge gehabt hätte. Die Interessen in der christlichsozialen Partei waren genau umgekehrt. Die Christlichsozialen Niederösterreichs forderten eine Trennung ungeachtet der finanziellen Nachteile durch die große Steuerkraft Wiens.

 

   Um die Dominanz Niederösterreichs zugunsten eines ausgewogeneren Verhältnisses der Bundesländer untereinander zu korrigieren, wurden Wien und Niederösterreich getrennt. Es gab im Laufe der Zeit verschiedene Vorschläge und Pläne, wo die Grenzen zwischen Wien und Niederösterreich verlaufen könnten und sollten. Die Parteiverhandlungen endeten im September 1920 mit einem Kompromiss. Mit Wirkung vom 1. Jänner 1922 wurde die Bundeshauptstadt zum eigenen Bundesland. Niederösterreich wurde zum Bundesland ohne Hauptstadt, Verwaltungssitz blieb weiterhin Wien.

 

   Just in dem Jahr der Trennung wurde St. Pölten zur Stadt mit eigenem Statut - und damit zum eigenen Bezirk. Grund dafür war die rasante Entwicklung der Stadt, die 1922 mit mehr als 40.000 Einwohnern bereits die größte Stadt Niederösterreichs war. Als rote Stadt in einem schwarzem Bundesland kam die Traisen-Stadt als Hauptstadt in der ersten Republik nicht in Frage. Die nur halb so große Stadt Krems wurde zur ersten Hauptstadt des Bundeslandes Niederösterreich nach Wien. Der Gau Niederdonau wurde in der Nazidiktatur mit der eigenen Hauptstadt Krems aufgewertet. St. Pölten wurde aufgrund der wirtschaftlichen Stärke zur Gau-Wirtschaftsstadt. Wien blieb allerdings der Sitz der Landesverwaltung. Nach dem Untergang des NS-Staates und dem Ende des zweiten Weltkrieges dauerte es bis in die 1960-Jahre, ehe die Hauptstadtfrage wieder auf der politischen Agenda landete. Bereits damals galt St. Pölten als Favorit, die Pläne wurden wieder ad-acta gelegt wie 1975 unter Landeshauptmann Andreas Maurer.

 

   Erst als Siegfried Ludwig einen neuen Anlauf und 1984 mit dem Slogan "Ein Land ohne Hauptstadt ist wie ein Gulasch ohne Saft" eine Volksbefragung in die Wege leitete, war klar, dass Niederösterreich erstmals ernsthafte Chancen auf eine eigene Hauptstadt hatte. 56,6 Prozent der Niederösterreicher stimmten am 1./2. März 1986 für eine eigene Hauptstadt - und eine klare Mehrheit für St. Pölten. Am 10. Juli 1986 fasste der Landtag die notwendigen Beschlüsse, sechs Jahre später wurde auf den Areal der ehemaligen Rennbahn mit dem Bau des Regierungsviertels begonnen. Als 1996 die Landesverwaltung von Wien an die Traisen übersiedelte und danach fast alle relevanten Landesinstitutionen, war selbst den größten Skeptikern klar, das sich St. Pölten zum politischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Zentrum des Landes entwickeln wird. 

 

    31 Jahre nach der Volksbefragung gibt es kaum jemanden in Niederösterreich, der an der wegweisenden Bedeutung dieser Entscheidung zweifelt. Das beweisen nicht nur Umfragen zum Landesbewusstsein, sondern auch die Fakten. Die Landflucht der Niederösterreicher nach Wien wurde umgekehrt - heute zieht es mehr Wiener nach Niederösterreich als Niederösterreicher nach Wien. Und die Hauptstadt ist zum Wirtschaftsmotor des größten Bundeslandes Österreichs geworden. 60.000 Menschen sind direkt in der Stadt beschäftigt. "Die Entscheidung für die Landeshauptstadt war mutig und richtig", bilanziert Hauptstadtplaner Norbert Steiner. Der Tiroler hatte 1987 als Münchner Stadtplaner von den Plänen für das Regierungsviertel erfahren und sich für den Posten beworben. Heute wohnt er selbst in "seiner" Hauptstadt und ist zum stolzen St. Pöltner geworden.

 

Auszugsweise aus "Die starke Republik" NÖN Edition 2017

Otmar Schuster, am 20.01.2018