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PFARRORTE

und derren Geschichte

 

  Wer die Geschichte des achthunderachtzigjährigen Stiftes Zwettl etwas eingehender betrachtet, kommt bald zur Erkenntnis, daß sich dessen Geschicke anders gestaltet hätten und ihm manche bittere Heimsuchungen erspart worden wären, wenn seine Mönche die Wirtschaftsauffassung nicht vollständig aufgegeben hätten, die zur Zeit der Gründung ihres Klosters im Zisterzienserorden vorgeschrieben war. Doch wer wollte es tadeln, daß auch die Kuenringerstiftung sowie der ganze Orden die Wandlungen durchmachte, welche die Zeitverhältnisse erzwangen. Die alten Mönsche waren Kinder ihrer Zeit, wie wir der unsrigen; wollten sie fortbestehen, dann mußten sie sich mit der herrschenden Zeitströmung, so gut es ging, abfinden. 

 

   Als der greise Hadmar I. von Kuenring (+1138)  seine Familienstiftung ins Leben rief, waren die Zisterzienser noch von jenem Geiste beseelt, der in den Regeln klar und mit unerbittlicher Schärfe ausgesprochen ist. Buchstäblich genau wollten sie ihr Leben nach der erpropten Regel des hl. Benedikt einrichten und darum auch in ihren Wirtschaftsprinzipien von den bei den Benediktinern und Chorherren herrschenden abgehen, um als wahre Mönche nicht von dem Schweiße anderer, sondern von ihrer eigenen Arbeit zu leben. 

 

   Bei der straffen Zentralisation, die im Zisterzienserorden gehandhabt wurde, ist es selbstverständlich, daß die Gründung und der Ausbau des Klosters im "Lichten Tale" genauso vor sich ging, wie es in den Ordensstatuten vorgeschrieben war. Als der Kuenringer dem Abte Gotschalk von Heiligenkreuz seinen schon lang gehegten Plan einer Klostergründung für seine grauen Mönche mitteilte, war dieser gern bereit, von seinem Konvent 12 Mönche und eine entsprechende Anzahl Laienbrüder unter der Führung des Abtes Hermann zu senden, falls das in Aussicht gestellte Stiftungsgut für sie bei sorgsamer Bewirtschaftung genüge. Jedenfalls fand es der Vaterabt bei dem von ihm vorgenommenen Augenschein für hinreichend, denn die versprochenen grauen Brüder trafen ein und begannen in einem provisorischen Holzbau nahe der Burg Hadmars, im heutigen Oberhof, das Klosterleben.  

 

   Auch bei dieser Gründung waren wie bei vielen anderen gewisse Schwierigkeiten zu überwinden. Die Zisterzienser durften wohl Grund und Boden, auch Gewässer und Vieh annehmen, aber es war ihnen streng untersagt, Dörfer, Zehent oder zinsende Holden zu besitzen. In der vom edlen Stifter freigebig beigestellten Mitgift des neuen Klosters befanden sich aber auch einige Dörfer, die freilich zumeist klein und schwach bewirtschaftet waren. Man half sich, wohl in der Voraussetzung, daß dieses Verbot sich auf die Dauer kaum halten werde, damit, daß für die päpstliche Bestätigung alle Orte als Grangien (Wirtschaftshöfe) angegeben, für die königliche aber die Dörfer belassen wurden. Die kleinen Dörfer Geisruck und Pötzles konnten sofort ohne besondere Schwierigkeiten in Grangien umgewandelt werden, Rudmanns aber nicht, da es bereits 30 Hansen (Hufe auch Holden) hatte. Man fand jedoch auch da eine Gelegenheit, das Ordensverbot zu umgehen. Es verlangte nämlich der Bruder des Stifters, Pilgrim von Kuenring, der Pfarrer von Zwettl war und als solcher durch die Klostergründung bedeutende Einbuße an Zehent erlitten hatte dringend die zeitweilige Überlassung des Dorfes, was er auch trotz längerem Sträuben des Abtes und Konventes erreichte, da der Vaterabt Gotschalk und Abt Adam von Ebrach, wohl im Hinblick auf die Ordensvorschrift dazu rieten. (1141) Bald darauf erhielt Pilgrim auf sein Verlangen auch Ratschenhof (1144), doch mit der Bedingung, es zur Grangie auszubauen, weil mit der Umwandlung in eine solche bereits begonnen worden war. Beide Besitzungen kamen dem Kloster für längere Zeit abhanden, da sie Herzog Heinrich II. Jasomirgott (1156-1177), nach dem Tode Pilgrims als erledigte Lehen einzog. Erst Herzog Leopold der V. (1177-1194) stellte dem Stifte sein Eigentum zurück, nachdem es seinen rechtlich begründeten Anspruch darauf nachgewiesen hatte. (So fällt das Lehen an den Lehnherrn zurück wenn bei einem persönlichen Lehen der Lehnsmann stirbt bzw. bei einem erblichen Lehen der Lehnsmann ohne Erben stirbt)

 

   Viel verwickelter und ungeklärter ist der Sachverhalt betreffs Oberstrahlbach. Nach dem Stiftungsbuche bot sich Pilgrim an, auf dem damals noch ungerodetem Klostergebiete westlich von Gradnitz ein Dorf anzulegen, das nach seinem Tode ebenso wie sein übriges Besitztum dem Kloster zufallen sollte. Nur ungern und zögernd ging dieses, da es den Verlust fürchtete, auf den Plan ein. Die Anlage erfolgte wirklich und bis zu Pilgrims Tode (1166) vergrößerte sich das Dorf zusehends. Ob es nach Pilgrims Tod gleich an das Stift kam, oder auch vom Herzog eingezogen und erst später zurückgegeben wurde, wird nicht berichtet. Es heißt nachträglich nur, daß die beiden ihrem edlen Vater Hadmar II. so unähnlichen Söhne, Hadmar III. und Heinrich I., der Familienstiftung das Dorf Oberstrahlbach ebenso entrissen hätten wie auch andere Besitzungen. Urkundlich belegt ist nur die Schenkung desselben durch die Söhne Heinrichs I., wahrscheinlich beim Leichenbegängnisse ihres Vaters, wogegen aber ihre Schwester Euphemia Einspruch erhob und das Dorf auch behauptete. Erst 1256 überließ sie dem Stifte zwei Drittel davon unter der Bedingung, daß ihr dieses einen großen Teil der Schuldsumme nachlasse, zu deren Zahlung sich ihr Vater verpflichtet hatte. (Diese Besitzstreitigkeiten waren wohl auch der Grund dafür, daß Oberstrahlbach sich in der Zeit nicht weiter entwickeln konnte, obwohl es von der ursprünglichen Größe her höchstwahrscheinlich für eine weitere Entwicklung vorgesehen war.)

 

   Niederstrahlbach erscheint sowohl in der königlichen wie auch in der päpstlichen Bestätigungsurkunde, und zwar in der ersteren unter dem besonderen Namen Scelebaes, und kam wohl frühzeitig dem Kloster abhanden, da es Papst Innozenz III. in seinem Privilege 1210 nicht mehr nennt. Das Stiftungsbuch setzt seinen Verlust ebenso wie den anderer wirklicher oder vermeintlicher Besitzungen auf das Schuldkonto der beiden unbeliebten Kuenringer.

 

   Gerotten und Gradnitz blieben von Anfang an immer unbestritten und unverändert im Besitz des Klosters Zwettl. Die Dörfer Groß-Haslau, Oberhof und Unter-Rabenhan, die auf dem von Hadmar geschenkten Gebiet liegen und auch stets seiner Stiftung gehörten, erscheinen in beiden Stiftsbriefen nicht. Sie wurden wohl erst vom Kloster angelegt und vielleicht mit den Bewohnern der aufgelassenen Dörfer besiedelt.

 

Quelle: "Der Grundbesitz des Stiftes Zwettl - Herkunft und Entwicklung"

eine historisch-topographische Übersicht

 

Von Stiftsarchivar P. Alois Wagner, Wien 1938

 

   

 Otmar Schuster 21. Jänner 2018