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Niederösterreich - Das KERNLAND unserer Heimat Österreich 

        

 

Im alten Landtagssaal in der Wiener Herrengasse ist die Gleichung Niederösterreich = Österreich in Architektur und Malerei ausführlich dargestellt. In dieser Verherrlichung des Hauses Habsburg sollte den Besuchern "ein Abbild der Größe des österreichischen Geschlechts" vor Augen gestellt werden. Das Haus Österreich geht hervor aus dem Land Österreich. Die Vorsehung überreicht der "Austria" als der Hauptperson des gesamten symbolischen Dramas einen Markgrafenhut. Diese bescheidenen Anfänge sind mit der weltweiten Herrschaft des Hauses Österreich verbunden, dargestellt in zahlreichen Wappen und Kronen, die der Austria sozusagen zufliegen. Im Weltreich Karls V. "ging die Sonne nie unter". Unter seiner Herrschaft kam es zu einer Teilung der Habsburger in eine spanische und eine österreichische Linie, 1556 dankte er ab. Die weltweite Herrschaft wird in den damals vier Kontinenten und den von Österreich beherrschten Flüssen symbolisiert. Donau, Elbe, Save und Rhein bis zum Rio de La Plata in Südamerika. Mächtig zu Seiten der "Austria" beherrschen die österreichischen Wappen die Decke - der rot-weiß-rote Bindenschild und das Fünf-Adler-Wappen. 

   Wie kam es zur Identifikation von Österreich und dem Land unter der Enns ? Die unbestimmte Regionalbezeichnung "ostarrichi" wird im 11. Jahrhundert zum Landesnamen für die Mark der Babenberger. Mitte des 12. Jahrhunderts kommt dann die lateinische Bezeichnung "Austria" in Verwendung. Habsburger verwenden im späten Mittelalter den Namen "Österreich" auch summarisch für ihre Besitzungen - Herrschaft zu Österreich. Auch auf die Herrscherfamilie geht der Name des Landes über - "Haus-Österreich".

    Seit dem Spätmittelalter führte das Land zwei Wappen - den rot-weiß-roten Bindenschild und das Fünf-Adler-Wappen. Diese beiden Wappen führte aber auch Dynastie, das "Haus Österreich". "Haus" und "Land" Österreich waren also eng auf einander bezogen. Erst 1804 wurde die Wappenzuordnung eindeutig. Dem Erzherzogtum Österreich unter der Enns wurde das Fünf-Adler-Wappen zugewiesen, das Binddenschild dem Staat. Das blieb auch nach 1918 und 1945 so - der Bindenschild symbolisiert Österreich, das Fünf-Adler-Wappen Niederösterreich.

 

  • Wichtige Rolle für das Land  

 

   Einmal haben die niederösterreichischen Stände, also die adeligen und geistlichen Herren des Prälaten-, Herren-, und Ritterstandes, stellvertretend für das ganze Kaisertum Österreich eine überaus wichtige Rolle gespielt. Nämlich als die Revolution am 13. März 1848 ihren Ausgang im Landhaushof nahm. Hier drängten sich die Wiener zu Tausenden, um die gerade an diesem Tage zusammengekommenen niederösterreichischen Stände aufzufordern, ihrer aller Beschwerden dem Hofe vorzulegen. Tatsächlich spazierten nach einigen Turbulenzen eine ständische Deputation zur Hofburg, wo nach einigem Hin und Her das Rücktittsangebot des Staatskanzlers (Außenministers) Clemens Fürst Metternich, des verhassten Symbols der Unterdrückungspolitik, angenommen wurde. Niederösterreich repräsentierte mit der Reichshaupt- und Residenzstadt Österreich.   

   Die Trennung von Wien und Niederösterreich 1922 beraubte das Land seines Zentrums und seines zentralen städtischen Identifikationspunktes. Man hat sich bei der Trennung sehr detailiert um das Landesvermögen gekümmert; Fragen der Identität oder sonstiger Befindlichkeiten wurden damals weder gestellt noch beantwortet.

   Schließlich sah sich die junge Republik als Nationalstaat der Deutschen des alten Österreich. Die Republiksgründer von 1918 definierte die Bewohner des neuen Staates als "Deutsche", der Österreichbegriff geriet in eine schwere Krise. Aber wohl nicht zufällig kam die einzige Gegenstimme gegen den "Anschlussparagraphen" im Beschluss zur Ausrufung der Republik am 12. November 1918 ebenso wie der Vorschlag für die Beibehaltung der Farben Rot-Weiß-Rot (später auch im Herzschild des Bundesadlers) von dem Niederösterreicher und späteren Bundespräsidenten Wilhelm Miklas.

   "Wenn wir immer wieder mit allem Fanatismus heimatverwurzelter Treue betonen, daß wir kein zweiter deutscher Staat sind, daß wir kein Ableger einer anderen Nationalität jemals waren noch werden wollen, sondern daß wir nichts sind als Österreicher, dies aber aus ganzem Herzen und mit jener Leidenschaft, die jedem Bekenntnis zur Nation innewohnen muß, dann ist dies keine Erfindung von uns, die wir heute die Verantwortung für diesen Staat tragen, sondern tiefste Erkenntnis aller Menschen, wo immer sie stehen mögen in diesem Österreich." Diese Sätze stammen aus der Regierungserklärung Leopold Figls vom 21. Dezember 1945. Ohne Kernland kein Österreich: "Ohne Niederösterreich wäre unser Staat undenkbar; er hätte nicht einmal einen Namen. Denn die Bezeichnung Österreich entstand bekanntlich vor bald 1000 Jahren auf heute niederösterreichischem Boden." So Leopold Figl 1962. Eine bedeutende Rolle in den Bemühungen um eine Verstärkung der Landesidentität wird den Landesausstellungen zugewiesen. Rupert Feuchtmüller, verdienter Ausstellungskurator, wies darauf hin, dass der Typus "Landesausstellung" in Niederösterreich "erfunden" worden sei, "eigentlich aus einer Notwendigkeit, aus der besonderen Situation Niederösterreichs: in einem Bundesland ohne Hauptstadt. Sicher belebend auf die niederösterreichische Szene wirkte nicht nur eine gewisse Konkurrenz mit Wien, sondern auch eine Art interner Konkurrenz zwischen Fritz Dworschak und Harry Kühnel (Krems) einerseits, Rupert Feuchtmüller (Wien bzw. Melk und Karl Gutkas (St. Pölten) andererseits. Gutkas inszenierte 1976 die große Babenberger- und 1980 die Josephs-Ausstellung, Harry Kühnel widmete sich in zwei großen Ausstellungen dem Zeitalter Franz Josephs (1984 und 1987). Damit und mit der Prinz-Eugen-Ausstellung in Schlosshof bzw. Niederweiden konnte Niederösterreich jeweils gesamt-österreichische Themen besetzen und, getreu seiner Kernland-Ideologie, stellvertretend für ganz Österreich auftreten. Ganz Ähnliches gilt auch für die Länderausstellung 1996 zum tausendjährigen "Namenstag" Österreichs", Ostarrichi- Österreich", kuratiert von Peter Urbanitsch und dem Autor dieser unmaßgeblichen Zeilen.

  "Mit ihrer Ausrichtung auf das Land, seine Kultur und seine Geschichte sollen sie auch die Landesidentität fördern." (Thomas Jorda) Es war eine durch Krieg und Besatzung "schwer beschädigte Identität" (Jorda), zu deren Kräftigung diese Ausstellungen dienen sollten. Erfolgreich waren sie aber nur, wenn sie auch und besonders von Wienern besucht wurden.

 

Landestracht und Landesbewusstsein

 

   Die Niederösterreicherinnen und ihre Männer trugen schon im 19. Jahrhundert vielfach gar keine Tracht, und wenn, war diese nach Kleinregionen stark verschieden. Man musste also einen Niederösterreicher erfinden. Dieses Bemühen kreuzte sich allerdings mit der Tatsache, das der Niederösterreichische Bauernbund schon selber Trachtenbestandteile von großer Verbreitung erfunden hatte. Auch war die Landbevölkerung damals schon weithin dazu übergegangen, als eine Art Standestracht diverse Varianten des Steyreranzuges zu tragen (den auch Leopold Figl später bevorzugte). Das Vorhaben scheiterte also. Man nahm es erst wieder in den 1960er-Jahren auf und kreiirte damals den neuen "Niederösterreicher" mit blaugrauem Stoff und schwarzen Aufschlägen sowie ebensolchen Knöpfen; für einen Farbkontrast sorgte das weinrote Gilet. Späterhin hat man das einfach vergessen oder das schlichte und etwas feierliche Blaugrau-Schwarz wurde als zu langweilig empfunden - jedenfalls gibt es jetzt bereits den dritten "Niederösterreicher": ein Trachtengewand auf der Basis eines dunkelblauen oder dunkelgrauen Anzugstoffes mit grünen oder roten Aufschlägen und einer Weste, die meist relativ hochgeschlossen geschnitten wird. Es wird in der Regel von Leuten getragen, die sich dazu verpflichtet fühlen.

   Ob sich an diesen Bewusstseinslagen wirklich etwas geändert hat, lässt sich derzeit nicht feststellen. Es fehlen neuere Studien. Das in den Katalogen zu den Landesausstellungen praktisch alle Landeshauptleute stets die Bedeutung der Ausstellungen im Besonderen und der Kultur im Allgemeinen für die Stärkung des Landesbewusstseins betonen, scheint nicht so dafürzusprechen. Ohnehin haben wir vielfach völlig neue Problemlagen.

   Wien liegt mitten in Niederösterreich, das wird sich ohne kosmische Katastrophen auch nicht ändern lassen. Wien wächst rasch und mit Wien wächst der Speckgürtel um Wien.

   Der Speckgürtel liegt in Niederösterreich, seine Bewohner verbrauchen die Boden-, Wasser- und Verkehrsressourcen des Landes, aber ihre Beiträge zur Wirtschaftsleistung des Landes werden ganz überwiegend in Wien erbracht, kommen daher der Wirtschafts- und teilweise auch der Steuerkraft Wiens zugute.

   Das Wachstum des Speckgürtels schafft enorme Verkehrsprobleme. Eine immer engere Kooperation zwischen Wien und Niederösterreich ist zu deren Lösung absolut unerlässlich.

   Während der Speckgürtel wächst, schrumpfen andere Regionen. Die Ungleichgewichte nehmen zu - trotz aller Förderungsmaßnahmen.

   Nationalbewusstsein, Landesbewusstsein und Landespatriotismus sind immer in einer Gemengelage anzutreffen. Sie geben das erhebende Gefühl, ohne große eigene Leistung irgendwo dazu zu gehören. Aber essen kann man weder das eine noch das andere . Denn das verlangt Arbeit.

 

Aus NÖN Edition Geschichte - Das starke Land Niederösterreich

 

Otmar Schuster, einsehbar ab 14. Februar 2018