Besucher im lfd Monat

Besucher im Vormonat

Juni 2018  14714 

Mai 2018   12322

April 2018 15715

 

BESUCHERSTATISTIK

2013 - 1949/13053 Besucher/Zugriffe

2014 - 4545/15360 Besucher/Zugriffe

2015 - 11556/14525 Besucher/Zugriffe

 

2016 - 8326/19441 Besucher/Zugriffe

 

2017 - 8736/33478 Besucher/Zugriffe 

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G r ö t s c h e n

 

   Ein sterbender Ort mitten im Waldviertel in der Gemeinde Rappottenstein. Auch den älteren Strahlbachern ist der Ort heute kaum noch bekannt, kaum jemand hat je von ihm gehört oder weiß wo er überhaupt liegt oder hat in jemals besucht.

 

   Die Katastralgemeinde Grötschen erstreckt sich südlich des Marktes Rappottenstein auf einer Fläche von 6,7 km2. Das heute größtenteils von Wald bedeckte Gebiet wird im Osten durch den Grötschenbach, der später in den kleinen Kamp fließt, von der ehemaligen Muttergemeinde Pfaffendorf getrennt und hat im südlichen Teil, dem Grötschenwald mit dem Immerbundberg (864 m) seine höchste Erhebung.

 

   2014 gab es in Grötschen nur mehr vier Häuser. In drei von Ihnen lebten die damaligen fünf Einwohner. Von diesen vier eingeschoßigen Gebäuden, die alle je eine Wohnung aufweisen, wurden drei noch in der Monarchie, also vor 1919, das vierte in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts errichtet. Die Kommune selbst wird heute nur durch großteils nicht asphaltierte Güterwege sowie Forstwege erschlossen.

 

   1827 hatte die Katastralgemeinde 114 Einwohner in 16 Häusern mit 23 Wohnparteien. Es gab sieben Hofbesitzer mit je 35 bis 91 Joch Grund. Acht Kleinhäusler bearbeiteten zwischen drei und sechs Joch Grund und übten daneben noch eine gewerbliche Tätigkeit aus, dazu gab es noch ein Inhaus für arme Inleute, das drei Wohnparteien bewohnten. Im Unterschied zu Kleinhäuslern verfügten arme Inleute, auch Inwohner genannt, weder über Haus noch Grund und waren meist im bäuerlichen Haushalt untergebracht. Der historische Höchststand wurde 1880 mit 128 Einwohnern auf 18 Häusern erreicht. Der Ort selbst bestand aus einigen aufgelockert liegenden Häusern und einigen Einzelhöfen. Nach 1850 wurde Grötschen Teil der neuen Ortsgemeinde Pfaffendorf, 1967 Teil der Marktgemeinde Rappottenstein. Durch die zerstreute Lage der Einzelhöfe war die Brandgefahr gegenüber anderen Siedlungsformen gering. So besaß Grötschen Ende der zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts weder ein eigenes Wasserbasin noch Feuerwehr. Der erste Traktor, ein Steyr mit 15 PS wurde 1962 eingesetzt. Der Anschluss an das öffentliche Telefonnetz erfolgte erst 1983, bei bereits stark dezimierter Bevölkerungszahl, welche schon zwischen 1951 und 1961 auf 41 Personen gesunken war, die Häuserzahl hatte sich bereits auf 10 reduziert.

 

   2001 war in Grötschen überhaupt nur mehr ein Bewohner mit Hauptwohnsitz gemeldet. 2014 waren wieder drei Häuser bewohnt, wobei zwei als Zweit- und ein Haus als Hauptwohnsitz genutzt wurde. 

 

   Von der in vielen anderen Orten Mitte der fünfziger Jahre einsetzende Modernisierung von Infrastruktur und Wirtschaftsleben war in Grötschen kaum ewas zu spüren und wurde Mitte der sechziger Jahre durch die enorm hohe Abwanderung fast zur Gänze gestoppt. Erst 1960 erfolgte von der Ödmühle aus die Elektrifizierung der Häuser. 1900 wurden noch 151 ha Acker bewirtschaftet, 1990 waren es nur mehr 1,74 ha. Bis 2014 erhöhte sich dank Bevorrangung agrarischer Flächen durch entsprechende Föderungsprogramme die landwirtschaftlich gesamt genutzte Fläche gegenüber 1990 von 2,8 ha auf 15,7 ha, die jedoch fast ausschließlich von Landwirten von auswärtigen Orten bewirtschaftet werden.

 

   So ist Grötschen heute eine Geisterregion, die vom Wald regelrecht verschlungen wurde, wie wohl kaum ein anderer Ort des Waldviertels. Schade um den Ort, wo doch heute soviele Menschen Ruhe und Erholung suchen. Grötschen ist wohl auch für die völlig unbekannt geblieben.

 

   Ich habe Grötschen vor Jahren einmal bei einer Radrunde rund um Rappottenstein erkundet, die mich unter anderem durch die "Schütt" an Kamp geführt hat. Eine einsame aber landschaftlich ungemein schöne und anspruchsvolle Runde.

 

Otmar Schuster, 7. Jänner 2018, auszugsweise aus dem Heimatbuch Rappottenstein