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Uhrmacherschule in Karlstein

 

Mit der Zeit gehen

 

Mit der Präzision der Zeitmessung und der Entwicklung der Uhr zu einem Alltagsgegenstand etablierte sich im nördlichen Waldviertel eine Uhrenproduktion im "Horologenländchen". In Karlstein an der Thaya wurde die Uhrmacherschule gegründet, die bis heute Schüler aus ganz Mitteleuropa ausbildet.

 

   Wenngleich Menschen, in permanenter Konfrontation mit dem Fluss der Zeit, so ewas wie einer "inneren Uhr" bzw. einem "Biorythmus" folgen mögen, ist es für einen objektiven Umgang mit dem Zeitbegriff zweckmäßig, die Zeitmessung, als eines der ältesten Anliegen der Menschheit, an nachvollziehbare Parameter zu binden.

   Die vorherrschende Zeitrechnung im frühen christlichen Mittelalter war Angelegenheit regionaler Klöster und Kirchen. Gebetszeiten bestimmten die Tageseinteilung. Zeitsignale wurden meist durch Töne, wie etwa Hörner oder Glocken, übermittelt. Mit der Entwicklung der Räderuhr im Jahr 1335 richteten sich die Menschen immer stärker nach dieser "mechanischen Zeit", die sich nicht dem Wechsel der Gestirne und Jahreszeiten anpasste. Lange kamen solche Uhren nur mit einem Zeiger und Stundenschlag aus. Für Repräsentatonszwecke an herrschaftlichen Stadtgebäuden entstanden später monumentale Uhren mit eine Vielzahl an komplizierten Anzeigen. Die astronomische Uhr am alten Prager Rathaus und die Ankeruhr in Wien sind nur zwei Beispiele dafür. Angefertigt wurden diese Kunstwerke von Grobschmieden, Kanonengießern und Schlossern, woraus sich dann in späteren Jahren der Handwerksberuf des Uhrmachers entwickelte.

   Mitte des 18. Jahrhunderts erfüllten die ersten Uhrwerke die erforderliche Ganggenauigkeit zu nun auch wissenschaftlichen Zeitmessung und Einführung von global exakteren Zeitsystemen. Die Industrialisierung und das Aufkommen der Mobilität des Menschen steigerten nicht nur den generellen Bedarf an Uhren, sondern auch mit zunehmendem Alltagsstress und Hektik nimmt auch der Drang zur feineren Teilung der Zeit in Minuteneinheiten, Sekunden und sogar in Bruchteilen davon zu.

   Häusliche Pendel- und Tischuhren sowie durch Miniaturisierung entstandene Taschen- und Armbanduhren schaften für alle einen gemeinsamen Bezug: Die Zeit wurde konkret und hat damit neben der Arbeits- und Lebenswelt auch die Denkmuster der Gesellschaft stark verändert.

   Um den steigenden Bedarf an Uhren abzudecken, begann man im 18. und 19. Jahrhundert in kargen Regionen wie dem nördlichen Waldviertel, dem Schwarzwald, dem Erzgebirge oder im Schweizer Jura einfache Uhren in Heimarbeit oder später in Manufakturen herzustellen. Das Wissen zur Herstellung von Uhren verbreitete sich anfangs überwiegend durch aus England kommende Zuwanderer. Auch als Handwerker umherziehende Uhrmacher gaben ihr Wissen an andere weiter. Die Uhren wurden damals zum Großteil noch aus Holz gefertigt, da die Metallverarbeitung noch nicht so ausgereift war.

   Mit Laubsäge und Feilen wurden Zahnräder und Triebe hergestellt, wie man sie vereinzelt bei Schwarzwälder Kuckuckuhren, neben vielen Schnitzereien, auch heute noch vorfinden kann. Holz ist außerdem auch gut zu bemalen. Wanderhändler verkauften diese Uhren dann den städtischen Bürgern und am Kaiserhof in Wien.

 

K. u. K. Uhrmacherschule

 

   In Karlstein ist die Ansiedlung eines Einwanderers aus dem Böhmerwald mit der Berufsbezeichnung "Horologicus" (vornehmes, lateinisches Wort für Uhrmacher) für die Zeit um 1730 urkundlich belegt. Daraus entwickelte sich eine respektable Hausindustrie, welche Mitte des 19. Jahrhunderts jährlich immerhin an die 140.000 Stück Uhren herstellte. Zur Förderung der Uhrentechnik und zur Ausbildung des Uhrmachernachwuchses gründete Kaiser Franz Josef 1873 die k.u.k. Uhrmacherschule in Karlstein. Strategisch günstig an der damaligen Reichsstrasse gelegen, erlangte die Uhrmacherschule des Ortes aufgrund ihrer hervorragenden Ausbildung schon bald überregionale Bedeutung. Die Schüler kamen aus allen Regionen des Reiches sowie angrenzenden Nachbarländern zur Uhrmacherausbildung nach Karlstein, die Absolventen zogen nach der erfolgreich absolvierten Ausbildung in die ganze Welt, um dort als hochgeschätzte Uhrmacher zu arbeiten. Und das sollte sich bis heute nicht ändern.

   Im vor kurzem generalsanierten und erweitertem Schulgebäude befinden sich nun zwei Schulen gemeinsam. Einerseits die Bundesberufsschule für Uhrmacher/innen und Zeitmesstechniker/innen und anderseits die vollzeitschulische HTL. In der HTL werden zwei berufliche Fachrichtungen ausgebildet: Die Fachrichtung für Präzisions- und Uhrentechnik wird in der Schulform einer vierjährien Fachschule geführt, die Fachrichtung für Mechatronik wird sowohl in der Schulform einer vierjährigen Fachschule als auch in der Schulform einer fünfjährigen höheren Lehranstalt mit Reife- und Diplomprüfungsabschluss geführt.

 

Schüler aus ganz Mitteleuropa

 

   Entsprechend seiner historischen Tradition bildet Karlstein das Zentrum der österreichischen Uhrmacherausbildung. An der einzigen Uhrmacherschule dieser Art in Österreich werden mittlerweile Schülerinnen und Schüler aus ganz Mitteleuropa unterrichtet und zu Meistern ihres Kunstwerkes qualifiziert. Die Anfertigung einer Pendluhr, Uhrenrestauration, Service und Reparatur von Groß- und Kleinuhren sowie Präzisionsarbeiten an Armbanduhren erlauben ein praxisnahes Arbeiten und lassen die Ausbildungszeit wie im Flug vergehen. Mit Inspiration und uhrmacherischem Feingefühl entstehen am Ende wertvolle Meisterstücke an filigraner Feinmechanik.

   Kunstvolle Technik und edles Design prägen den "schönsten Beruf der Welt", wie es ein Absolvent einmal treffend formulierte, der auch heute wieder nachgefragt ist. Dabei erfordert die Eignung für diesen Beruf nur drei Voraussetzungen: die Feinmotorik der Hände, die gute Sehkraft der Augen und die Motivation des Gehirns zum Verstehen technischer Zusammenhänge.

   Die Fachrichtung Mechatronik entspricht dem aktuellen Trend zu einer breit gefächerten technischen Ausbildung und ist auf die Anforderung der Betriebe in der unmittelbaren Region des Waldviertels abgestimmt. Absoventen und Fachkräfte mit Mechatronik-Kenntnissen sind derzeit am Arbeitsmarkt sehr gefragt.

   Bei näherem Interesse an Uhren und deren Technik gibt das Uhrenmuseum am Hauptplatz von Karlstein einen Einblick in das Handwerk des Uhrmachers.

 

Im Internet: Uhrmacherschule Karlstein

auch www.uhrenmuseum.at

 

Aus Schaufenster Kulturregion, Februar 2017, Text von Andreas Teufl

 

Otmar Schuster, 18. Februar 2018