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Vom alten Schweinehandel

 

von Dr. Heinrich Rauscher, Aus der Heimat, Heft 1928 3 und 4   

 

   Von unseren Lesern gibt es heute kaum mehr jemanden, der sich noch an die Zeiten erinnern kann, da im oberen Waldviertel (Waidhofen und Umgebung) die sogenannten "Sautreiber" große Herden von "Bakonyern" von Dorf zu Dorf trieben, die sie meist paarweise an die Bauern verkauften. Dieser Handel hat vor etwa 40 Jahren (um 1890) gänzlich aufgehört. Da er mindestens 150 Jahre lang betrieben wurde und vielen Famlien in unserer engeren Heimat ein reiches Einkommen bot, soll das, was ich darüber in Erfahrung bringen konnte, hier mitgeteilt werden und so der Nachwelt erhalten bleiben.

 

   Der Schweinehandel in unserer Gegend läßt sich sicher bis etwa 1750 zurückverfolgen: nach mündlicher Überlieferung soll er noch weiter zurückreichen. Die Schweinehändler, die man wegen ihres Reichtums, im Lande "Schweinebarone" nannte, kauften in Südungarn, Siebenbürgen, Kroatien und Serbien auf den großen Schweinemärkten in Budapest und Ödenburg große Herden Bakonyer und ließen sie in sogenannten "Trieben" nach Österreich bringen. Unter einem "Trieb" verstand man eine Herde von 500 bis 600 Tieren.

   Die Bakonyer wurden hier in größeren Partien an Unterhändlern verkauft und von gedungenen kroatischen oder einheimischen "Sautreibern" im Gebiet des alten Österreich auf die oben angezeigte Art verkauft. Als Absatzländer kamen vor allem Niederösterreich, Oberösterreich, Böhmen und Mähren in Betracht.

  Die großen Schweinehändler in Waidhofen, Thaya und Groß-Siegharts hatten über dreißig solche Verkäufer in ihrem Dienste. Jeder "Sautreiber" hatte ein Herde von 40 bis 100 Stück, die er ins "Gäu" trieb. Der Treiber hatte eine 1 1/2 m lange Peitsche auf einem kurzen geflochtenen Stiel, mit der er kunstvoll über dem Kopfe schnalzen konnte.

   Die getriebenen Schweine wurden jeden Morgen mit Kukurruz oder Kleie gefüttert und bekamen dann den ganzen Tag kein Futter mehr. Beim Treiben fraßen sie an den grasigen Wegrändern, in den Straßengraben und bei Ruhepausen auch auf den Brachfeldern. Dabei "ackerten" sie, wie die Bauern zu sagen pflegten, fleißig mit ihrem Rüssel. Im Sommer wurde den Schweinen immer eine Mittagspause zum Ausruhen gegeben. Wenn sie im Sommer an Tümpeln und Teichen vorbeikamen, stürzten sie sich hinein, um sich abzukühlen. Beim Treiben in der Nacht gingen oft viele Schweine verloren die sich aber alle wieder einfanden, wenn gewartet wurde.

   In Oberösterreich ging der Handel das ganze Jahr, besonders aber im Herbst, in Böhmen und Mähren wurde hauptsächlich vom März bis zum Schnitt gehandelt. Während der Zeit des Haupthandels waren die Händler oft bis zu sechs Wochen von zu Hause abwesend.

   Die Schweine wurden den Bauern auf Borg verkauft. Als Zahltag galt Martini (11. November). Manche Käufer waren aber sehr säumige Zahler, weshalb der Verkäufer die Schuld ratenweise eintreiben mußte was in einem eigenen Einkassierbüchl vermerkt wurde. Ein Paar Bakonyer kostete 12 bis 30 fl (Gulden). Die Händler verdienten dabei 2 bis 3 fl, doch nahmen sie bisweilen auch weniger ein als sie beim Einkauf ausgegeben hatten.

   Die Händler borgten sich meist bei ihren Bekannten das Geld zum Einkaufen auf den Märkten aus. Bauern brachten ihnen nicht selten im Frühjahr 500 bis 1000 fl als Darlehen zu 5 Prozent ins Haus. Zu Weihnachten mußten die Händler das Kapital samt Zinsen zurückzahlen oder es zumindest den Gläubigern zeigen als Beweis dafür, daß sie das Geld hatten.

  Den Höhepunkt hatte der Schweinehandel von etwa 1860 bis 1885. Seit 1860 wurde von den Händlern auch die "Zrima" verhandelt; das waren syrmische Schweine (dritte Schweinerasse aus Kroatien) aus der Gegend um Ruma in Slavonien, die schwarz waren, aber einen weißen Bauch hatten.

   1873 ging wohl im Zusammenhang mit dem Wiener Geldkrach die Ödenburger Bank zu Grunde in der viele hiesige Händler ziemlich bedeutende Geldsummen eingelegt hatten, doch wurden dadurch keine Existenzen vernichtet.

   Um 1880 begann auch der Handel mit galizischen Schweinen, die am Donnerstag in Bielitz-Biala (heute in Polen), in Krakau oder in anderen galizischen Städten gekauft wurden. 1882 wurde der Schweinemarkt von Ödenburg nach Wiener-Neustadt verlegt. Ein Abkommen zwischen der Stadgemeinde Wiener-Neustadt und den Waldviertler Schweinehändlern aus dieser Zeit führt alle Händler aus der Umgebung Waidhofen mit Namen an. In den Achtziger Jahren wurden auch in der Oststeiermark Schweine aufgekauft.

   1889 wurde der Schweinehandel durch Seuchen fast vollständig gelähmt, denn es fielen ihnen ganze "Triebe" zum Opfer. Als später das Tierseuchengesetz herauskam, war dem alten Handel mit seinen Bestimmungen vollständig ein Ende gesetzt. Unter anderem durften die Schweine nicht mehr getrieben werden, sondern mußten mit der Bahn verfrachtet werden.

   Aus dem genannten Wiener-Neustädter Verzeichnis der Schweinehändler von 1882 ist zu ersehen, daß damals in unserem Bezirke 59 Schweinehändler lebten. Davon waren in Waidhofen und Thaya je 10, in Groß-Siegharts 8; weiters solche in den Ortschaften Blumau, Buchbach, Diemschlag, Alt-Dietmanns, Nieder- und Ober-Edlitz, Ellends, Fistritz, Groß-Gerharts, Klein-Göpfritz, Hollenbach, Jasnitz, Karlstein, Sarning, Schlader, Schlagles, Schirnes, Sieghartsles, Speisendorf, Vestenötting, Vitis, Waldreichs und Windigsteig.

   Um 1840 lebten auch Schweinehändler in Dobersberg, Fratres, Frühwärts, Loibes, Nonndorf bei Raabs, Pfaffenschlag, Pyhra, Rossa, Weinern und Wertenau.

   Die bedeutendsten Händlerfamilien waren die Stoifl und Loides aus Thaya und Waidhofen, die wöchentlich 1200 - 1600 Schweine kauften und durch etwa 40 Verkäufer absetzen ließen.

   Um 1850 ließen sich Händler aus unserer Gegend in der Fremde nieder und gründeten Mästereien in Ödenburg (Ungarn), so die Bauer und Pfeiser aus Jasnitz, Johann Lugauer aus Waidhofen errichtete in Raab (Ungarn) eine Mästerei für 800 - 1000 Fettschweine, die er am St. Marxer Markt in Wien absetzte. Er kaufte die Tiee vom ungarischen Grafen Tisza und von den serbischen Familien Obrenovic und Karageorgewic, aus denen bekanntlich serbische Könige hervorgingen.