Besucher im lfd Monat

  

 Dezember 2018  15.235

 Mai  2019         26.500

Juni 2019         29.300

Juli  2019         32.500

August 2019     36.000

September 2019 38.900 

          

 

 

BESUCHERSTATISTIK

2013 - 1949/13053 Besucher/Zugriffe

2014 - 4545/15360 Besucher/Zugriffe

2015 - 11556/14525 Besucher/Zugriffe

 

2016 - 8326/19441 Besucher/Zugriffe

 

2017 - 8736/33478 Besucher/Zugriffe 

 

November 2019
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
 
 
 
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
 
 
 
 
 
 
 
 

Mineralschätze des Waldviertels

 

aus der Zeitschrift "Das Waldviertel", 1931, Heft 8

(Nach den Blättern für Landeskunde  und anderem zusammengestellt von

Emmerich Schaich, Oberlehrer in Ruhe, Allentsteig)

 

   In bereits früheren Ausführungen konnten wir erfahren, wie seit Jahrhunderten die Bewohner des Waldviertels sich bemühten, dem Granitboden verborgene Metallschätze abzuringen, leider ohne besonderen Erfolg. Diese Bemühungen haben aber zur Gewißheit bewiesen, daß wir vergeblich hoffen, vielleicht in Zukunft erzreiche Gänge aufzufinden. Der Granit als Urgestein enthält nur hie und da Einsprengungen, sogenannte Nester, aber nirgends mächtige, abbauwürdige Erzlagerungen. Dasselbe gilt von den Mineralien. Außer dem die Grundlage des ganzen Waldviertels bildenden Granit kommen andere Gesteine nur in verhältnismäßig verschwindenden Mengen vor, die sich beim Abbau in kurzer Zeit erschöpfen. Beginnen wir unsere Betrachtung beim G r a n i t. Derselbe tritt überall zutage, in besonderem Maße aber bei Gmünd, Hoheneich, Amaliendorf, Arbesbach, Oberndorf und vielen anderen Orten. Er ist oft sehr feinkörnig, häufig auch sehr grob und wird zu Bauquadern, Denksäulen, Grabsteinen, Gruftplatten für Häuser, Kirchen, Brücken verwendet und als Pflasterstein hergerichtet. Die größten Betriebe sind heute bei Echsenbach, Schrems und Gmünd, die viele Arbeiter beschäftigen. Um nur einige Namen anzuführen möge folgendes genügen: Die Popsteikirche in Zwettl, der Kreuzgang in Stift Zwettl, die Pfarrkirche in Waidhofen, in Alt-Weitra, die Tullner Eisenbahnbrücke, dieselbe bei Stein, auf der Margaretheninsel in Budapest, die mehrere Kilometer lange Eisenbahnbrücke in Cerna Voda (Rumänien), Hafenbauten in Triest, Regierungsbauten in Sarajewo und Mostar wurden aus Waldviertler Granit hergestellt. Oft liegen gewaltige Granitblöcke in Wald und Feld zerstreut umher, Findlinge, oft liegen sie turmartig übereinander, wie man auf der Straße von Rastenfeld nach Friedersbach und anderen Orten bewundern kann. Der Wackelstein bei Traunstein, bei Amaliendorf, sogenannte Opfersteine von anderen Orten bilden Sehenswürdigkeiten, die nur zuwenig gewürdigt werden, weil der Besuch zu zeitraubend und umständlich ist.

   Q u a r z. Schon in alten Zeiten wurde er zur Erzeugung von Glas verwendet, auch im Waldviertel wurden im Mittelalter schon damit Versuche gemacht. Die älteste Glashütte soll in Reichenau am Freiwalde erbaut worden sein, 1660; sie wurde 1740 nach Karlstift und dann nach Ehrenreichstal verlegt. 1764 wurde ein Hütte in Josefsthal eingerichtet, die dann nach Hirschenstein verlegt wurde und 1852 noch Glas lieferte. Das Schloßarchiv von Weitra nennt 1851 eine Glashütte in Harmannschlag. Um diese Zeit wurde auch im Weinsberger Wald, beim "Öden Teich", eine solche gegründet, die beim Anlegen dieses Teiches schon bestand und 1678 noch in Arbeit stand. Bei der Hofmühle im Mottinger Amte, Gföhlerwald, bestand 1628 eine solche, 1651 eine bei Schönberg, die aber 1720 aufgelassen werden mußte, weil rundherum der Wald schon abgeholzt und verbrannt worden war. Die Herrschaft Weitra verkaufte 1721 eine verfallene Hütte in Hirschenwies, die 1828 in eine Glasschleiferei umgewandelt wurde. Auch beim Tiergarten in Weitra befand sich eine Glashütte, die 1724 verkauft wurde. Ferdinand Gundaker, Freiherr von Dietrichstein und Arbesbach, baute 1737 in Dietrichsbach bei Alt-Melon eine Glashütte, die sogenannte Wachtelhütte. Der Glasmeister Tobias Schleicher baute 1769 ein Oratorium dazu und erhielt eine Meßlizenz, damit seine 100 Holzer und 200 Schwemmer bei schlechtem Wetter an Sonn- und Feiertagen die Messe hören konnten. Später wurde die Hütte aufgelassen und ein Bauernhof daraus gemacht. 1740 baute Urban Ottilinger in Nagelberg eine Glashütte, die heute noch besteht, die älteste im Waldviertel ist und 1816 durch einen Zubau einer zweiten Hütte, durch Anton Weigl vergrößert wurde. Durch die Familie Stölzle erhielten diese Glaswaren einen Ruf, der weit über Österreichs Grenzen hinausgeht.

   Die Herrschaft Gutenbrunn errichtete 1800 im Markte Gutenbrunn eine Hütte, und um dieselbe Zeit die Herschaft Weitra in Erdweis im Forchenwalde, der dann zu Ehren der Gräfin Sofie "Sofienwald" und die Hütte "Sofienhütte" genannt wurde.

   Landgraf Fürstenberg von Weitra baute eine in Joachimsthal bei Harmannsschlag, die 1830 in hoher Blüte stand, Graf Seilern eine 1813 in Josefsthal bei Litschau, und später eine Scheiferei mit 13 Werkstätten dazu. Freiherr Osn auf Schloß Schrems erbaute 1829 eine Glasfabrik, die zu Ehren seiner Tochter Eugenie "Eugenienhütte" genannt wurde. 1831 entstand in Aalfang, dann in Neu-Langegg und 1840 in Ludwigshof bei Gmünd eine Glashütte. Auch bei Traunstein und Arbesbach wurden solche errichtet.

   1863 machte Josef Oser in Krems den Versuch, Quarz auch anderweitig zu verwenden und stellte aus ihm Französische Mühlsteine her, die bald solchen Ruf erlangten, daß sie den französischen als vollkommen gleichwertig eingeschätzt wurden und bei den Ausstellungen in Hainburg, Linz, St. Pölten, ja selbst in Paris ausgezeichnet wurden. Er kam auf der Suche nach schönen Steinen bis Merzenstein, Marbach am Walde, Loiwein, Jauerling, Pernegg und Stockern. Hiebei fanden sich oft prächtige Stücke von Bergkristall. Quarz in kleineren und größeren Stücken findet man auf allen Feldern, oft in solcher Menge, daß sie den Bauern lästig werden. Wegen seiner großen Härte ist er aber als Schotterstein sehr beliebt. Während des Krieges wurde beim Malerteiche in der Nähe von Allentsteig, eine Quarzsandwäscherei gegründet, mit allen Maschinen ausgerüstet, mußte aber nach einigen Jahren den Betrieb einstellen, da selbst die Arbeits- und Transportkosten zu teuer kamen.

   K a l k. 1124 wird bei Kottes ein bestehender Ort Chalchgrovbi (Kalkgrub) genannt, 1355 ein Chalcheenreuth bei Eibenstein, ein Beweis, daß um diese Zeit Kalk schon gewonnen wurde. Nun kommt Kalk im Granit nur in sogenannten "Nestern" vor, mehr oder weniger große Anhäufung an Kalkstein, eingeschlossen vom Granit; ist ein solches Nest ausgeleert, ist es aus, nichts mehr zu holen. Solche aufgelassene Kalkhöhlen findet man an verschiedenen Orten, besonders bei Scheideldorf. Dort und in Weinpolz wurde seinerzeit ein wegen seiner Güte berühmter Kalk gebrochen und gleich gebrannt und weit verfrachtet. 1530 verkaufte das Kloster Zwettl einen Hof in Neunzen, nahm sich aber das Kalkbrennen bei den Untertanen in Merkenbrechts, Wurmbach und Steinbach aus. 1581 bezog die Stadt Weitra zur Ausbesserung der Stadtmauern Kalk aus Scheideldorf. 1673 war der gute Kalk aus Germanns bei Neupölla und Äpfelgschwendt berühmt. Bei Klein-Enzersdorf bei Alt-Pölla findet sich schöner weißer Marmor, aus dem 1855 für Dreieichen zwei Altäre gemacht wurden. 1820 wurde bei Ranna schöner Urkalk gefunden. Oberstkämmerer Graf von Wrna schlug vor, ihn als Fußgestell für den aufzustellenden Theseustempel in Wien zu verwenden. Es wurde ein großer Block hergestellt, 1824 mit großer Mühe nach Spitz gebracht. Sechs Wochen dauerte diese schwere Arbeit; dann kam er mit Schiff nach Wien, zersprang aber bei der weiteren Bearbeitung und konnte nicht verwendet werden. Aus dem größten Stücke wurde eine Altarplatte gemacht, die dann nach Schloß Brandhof in der Steiermark kam. Der Steinbruch erzeugte aber dann nur mehr Pflastersteine für Wien. Kalkbrüche und -brennereien bestehen derzeit viele im Waldviertel und liefern einen sehr guten Kalk. Im Allgemeinen ist aber der Boden arm an Kalk und die Landwirtschaft ist gezwungen, Felder und Wiesen mit verschiedenartigen Kunstdüngern das zu ersetzen, was ihnen die Natur nicht bietet. Die Kalkarmut des Bodens soll auch schuld sein, daß die Obstbäume, besonders die Äpfel, in der großen Mehrzahl von Krebs befallen sind. 

 

 Einsehbar seit Mitte Mai 2018