Besucher im lfd Monat

Besucher im Vormonat

Juni 2018  14714 

Mai 2018   12322

April 2018 15715

 

BESUCHERSTATISTIK

2013 - 1949/13053 Besucher/Zugriffe

2014 - 4545/15360 Besucher/Zugriffe

2015 - 11556/14525 Besucher/Zugriffe

 

2016 - 8326/19441 Besucher/Zugriffe

 

2017 - 8736/33478 Besucher/Zugriffe 

Zählung je Zugriff ab Mai 2018

Juli 2018
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
 
 
 
 
 
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
 
 
 
 
 

Der Dreißigjährige Krieg 1618 - 1648 

 

Die erste große und zerstörerische Auseinandersetzung auf europäischem Boden, hat halb Europa, besonders Mittel- und Norddeutschland, mehr oder weniger verwüstet und entvölkert. Nach diesem Krieg wanderten viele evangelischen Österreicher, auch aus dem westlichen Waldviertel, nach Deutschland, insbesonders nach Franken aus.

 

   Der alte Kaiser Rudolf hatte den überwiegend protestantischen böhmischen Ständen politische Rechte und vor allem religiöse Freiheiten gewährt, doch der war 1612 gestorben. Und sein Nachfolger, Rudolfs Bruder Mathias, wollte von diesen Zugeständnissen nichts mehr wissen. Außerdem war 1617 Ferdinand, Mathias`designierter Nachfolger als Kaiser und ein radikaler Kämpfer für die Gegenreformation (Re-Katholisierung), zum großen Ärger seiner  Untertanen zum böhmischen König gekrönt worden.

 

   Das Ereignis, das am Anfang des größten Schlachtens stand, das bis dahin auf europäischem Boden stattgefunden hatte, war also eigentlich eine Farce mit Klamauk-Elementen. Der Prager Fenstersturz (es war dies bereits nach 1419 der zweite) löste nicht unmittelbar Kriegserklärungen aus, aber er setzte eine tödliche Kettenreaktion in Gang. Die Beamten Slavata und Martinitz sowie der zu seinem Unglück ebenfalls im Saal befindliche Sekretär Philipp Fabrizius wurden zu den Fenstern gezerrt und in den 17 Meter tiefen Burggraben geworfen. Das alle drei Herren überlebten, war eigentlich nicht vorgesehen gewesen. Einige Aufständische hatten durchaus beabsichtigt, das habsburgische Kaiserhaus in Wien mit einem Mordanschlag zu provozieren und die Situation bis zur offenen Konfrontation eskalieren zu lassen. Doch der Burgraben der Prager Burg war mit Müll und Jauche gefüllt - und die "defenistrierten" kaiserlichen Beamten fielen weich. Nur Slavata wurde einigermaßen schwer verletzt, er tat sich noch Tage später mit dem Gehen schwer. Für die Opfer sollte sich das Ereignis übrigens auszahlen. Slavata und Martinitz wurden befördert, Sekretär Fabrizius in den Adelsstand erhoben. Die "kaiserliche" Propaganda sollte dieses "Wunder von Prag" umgehend und weidlich ausschlachten.

 

   Der Habsburger Ferdinand II., der nach dem Tode seines kinderlosen Bruders Mathias den deutschen Kaiserthron besteigt, ist ein Fanatiker der katholischen Sache. Der erste Habsburger-Kaiser, der von den Jesuiten ausgebildet wird, will den verhassten Protestantismus ein für alle mal auslöschen. In Prag hatte man Ferdinands Wahl zum König bereits für ungültig erklärt, sogar Pläne einer böhmischen Republick werden gewälzt. Doch am 26. August 1619 wählen die böhmischen Stände einen protestantischen deutschen Kurfürsten, Friedrich V. von der Pfalz, zum böhmischen König. Er sollte als "Winterkönig" und eine der tragischsten Figuren in die Geschichte eingehen.

 

   Die Anführer des Aufstandes der tchechischen protestantischen Stände waren der calvinistische Adelige Heinrich Mathias von Thurn und der gemäßigte Lutheraner Andreas vom Schlick. In der Folge kam es 1620 zur Schlacht am Weißen Berg (Bily Hora) bei Prag und diese beendete nach nur zwei Jahren die erste Phase dieses 30-jährigen Krieges. Die Truppen der Katholischen Liga und des Kaisers unter dem Kommando des erfahrenen Feldherrn Tilly sind den Böhmen in jeder Hinsicht überlegen. Der Kaiser sieht Böhmen als erobertes Land an, bestehende Rechte gelten nicht mehr, der Kaiser regiert absolutistisch. Ein kluger Kaiser hätte seine gute Situation genützt um den großen Krieg zu beenden. Doch Kaiser Ferdinand in seinem Machtrausch startet eine Vernichtungskampagne, die sich nicht nur gegen die rebellischen Protestantenführer richtete, sondern gegen die ganze Nation, und die in ihrer systematischen und anhaltenden Grausamkeit in der Geschichte der Habsburger-Dynastie einzigartig bleiben sollte. Mit den Führern des böhmischen Aufstandes wird gnadenlos abgerechnet. Sie werden verbannt, ihr Eigentum konfisziert. Kaiser Ferdinand soll die Todesurteile nur unter schweren Gewissensbissen unterzeichnet haben. Danach soll er, so beschreibt es die Legende, gebeichtet und in Mariazell bei der Gnadenmutter für die Seelen der Hinzurichtenden gebetet haben. Die angebliche Seelenpein hat Ferdinand dann aber nicht davon abgehalten, die Köpfe der 27 zum Tode verurteilten böhmischen Standesherrn und Rebellen zum Zwecke der Abschreckung auf der Karlsbrücke aufgespießt ausstellen zu lassen.  Der Grundstein für eine unleugbare Österreichfeindlichkeit in Böhmen wurde in diesen Jahren gelegt, denn das Land wurde nicht nur "rekatholisiert", sondern auch regelrecht "germanisiert". Deutsch wurde Verwaltungs- und Unterrichtssprache, Tschechisch sprach nur mehr das gemeine Volk. Nur wenige adelige böhmische Familien überstanden diese Tage der Abrechnung, kaiserliche Günstlinge aus allen Teilen des Reiches durften sich an den konfiszierten Gütern der Vertriebenen und Getöteten bereichern. Einer der größten Kriegsgewinnler sollte wenig später die Bühne betreten und mit der Geschichte des 30-jährigen Krieges untrennbar verbunden bleiben: Graf Albrecht Wenzel Eusebius von Waldstein, auch Wallenstein, hatte mit seinem Regiment an der Schlacht am Weißen Berg teilgenommen und wurde durch Enteignungen einer der größten Landbesitzer Böhmens.  Wallenstein kam dem ständig unter Geldnot leidenden Kaiser Ferdindand II. mit seiner Idee der Selbstfinanzierung des Krieges sehr entgegen. Wallenstein bittet alle Bewohner der Gebiete, durch die sein Heer kommt, zur Kasse. Er führte das sogenannte System der Kontributionen ein. Egal ob katholisch, evangelisch, kaiserfreundlich oder -feindlich: Die Bevölkerung muß zahlen und zwar mit Bargeld. Er sollte später, als er dem Kaiser Ferdinand III. zu mächtig wurde, in Ungnade fallen und 1634 im ungarischen Eger ermordet werden, ob mit oder ohne Wissen des Kaisers lassen die Historiker bis heute dahingestellt. 

 

Die Folgen und Auswirkungen dieses Krieges auf das Waldviertel

 

   Kein Krieg ist den Waldviertlern, hier insbesonders den Bauern, so in Erinnerung geblieben als der Dreißigjährige, der (aber ganz unzutreffend) stets als der Schwedenkrieg bezeichnet wird, obgleich sich die Schweden erst in der Endphase des Krieges (1645-1648) hier aufhielten. Die Zerstöung der Burgen Dürnstein und Senftenberg ging auf ihr Konto. In den ersten drei Jahren (1618-1620), bis zu ihrer brutalen Niederwerfung, wüteten hier die böhmischen protestantischen Aufständischen, welche besonders die Waldviertler Klöster heimsuchten. So wurde Stift Geras samt Ort völlig niedergebrannt, das Kloster war jahrelang eine unbewohnte Ruine. Während ab 1638 hindurch das Waldviertel von anderer Herren Söldner, hauptsächlich von kaiserlichen, heimgesucht und verwüstet wurde, gab es seit 1621 eine Phase des relativen Friedens und einer wirtschaftlichen Erholung. Zu diesen anfänglichen Kriegsereignissen kam 1622 im Waldviertel noch eine schreckliche Missernte hinzu, "so daß nicht der hunderste einen Bissen Brot im Hause hatte". In den anderen Jahren hausten hier die kaiserlichen (katholischen) Soldaten und Söldner schlimmer als die Böhmen und später die Schweden. Viele der den Schweden zugeschriebenen Untaten gehören in das Reich der Legenden, auch wenn in fast jedem waldviertler Ort ein Schwedenkreuz zu finden ist. Die schrecklichen Untaten sind zum großen Teil den kaiserlichen Söldnern zuzuordnen. In den Zwettler Zeitzeichen Nr 9 sind die Geschehnisse dieser Zeit umfassend beschrieben. Darauf näher einzugehen, würde meinen mir hier zur Verfügung stehenden Rahmen sprengen.

 

   Ab dem Eintritt der Schweden in den Krieg 1630 (König Gustav Adolf) landete mit 10.000 Soldaten und 3.000 Reitern auf der Insel Usedom) wurde aus dem anfänglichen Religionskrieg ein schreckliches Wüten jeder gegen jeden, wobei das katholische Frankreich mit dem machtbesessenen Kardinal Richelieu mit der offenen Unterstützung für die protestantischen Schweden eine unrühmliche Rolle spielte. Ging den Kriegsherrn das Geld aus, erhielten die Söldner keinen Sold mehr und hielten sich völlig unchristlich am unschuldigen Volk schadlos. So wurde oftmals erst recht sinnlos geplündert, gebrandschatzt und gemordet, dazu kamen Mißernten Krankheit und Epidemien.

 

   Seit 1643 wird um einen Frieden verhandelt, der jedoch erst 1648 tatsächlich erreicht werden sollte, bis dahin ging das sinnlose Morden in halb Europa weiter.

 

   Für das Waldviertel lässt sich der durch die Auswirkungen des Krieges erfolgte Bevölkerungsverlust einigermaßen gut abschätzen. Lamdsteiner/Weigl gehen für das Jahr 1610 von einer Einwohnerzahl des Waldviertels von etwa 160.000 Personen aus. Verglichen mit der nach Abschluß der Rekatholisierung im Lande erfolgten Bestandsaufnahme, welche für das Jahr 1654 eine Bevölkerungszahl von 99.543 Personen ergab, betrug der Verlust somit rund 60.000 Menschen. Demzufolge ist die Bevölkerungszahl zwischen den Jahren 1610 und 1654 im Waldviertel um 37,5% gesunken. 

 

   So gab es zwar in Europa dreihundert Jahre lang keine großflächige Kriegsauseindersetzung (Ausnahme napoleonische Kriege) mehr, doch mit der ständigen Verbesserung der Waffen und dem Aufkommen des Nationalismus war der nächste große Krieg nur eine Frage der Zeit. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts kam es dann zu den nächstgrößeren Katastophen.

 

Quellen:  Die Kriege der Habsburger von Werner Schima, Mitarbeit Deborah Knob

 Zwettler Zeitzeichen Nr 9