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Der Edelhof - ehemals Stiftsgrangie und Meierhof

 

 

aus "Das Waldviertel", Jahrgang 1961, Heft 9-10

 

   Wer sich früh morgens vom Norden her dem Zwettler Talkessel nähert, erblickt in den Strahlen der aufgehenden Sonne die mächtigen Umrisse des Edelhofes, jener weltbekannten Bauernschule des Waldviertels. Er liegt, geographisch gesehen, in einer dominierenden Lage auf einem sanft abfallenden Gelände an der Straße, die von der alten Kuenringerstadt Zwettl nach dem ehemaligen Markt Döllersheim im Truppenübungsplatz Allentsteig führt.

   Die Geschichte dieses Hofes reicht mehr als 800 Jahre zurück. Als Hadmar von Kuenring im Jahre 1138 das Kloster Zwettl gründete, schenkte er seiner Stiftung einen größeren Landbesitz zur Rodung und Bewirtschaftung. Bald nach 1147, in welchem Jahre König Konrad III. die Rechtmäßigkeit des Besitzes neuerlich bestätigte, begannen die Mönche auf einer waldumkränzten Anhöhe in Stiftsnähe eine sogenannte "Grangie" zu errichten und einen Meierhof, den sogenannten "Erlechhof", zu erbauen. "Erlech" oder "Erlach" bedeutet Erlengestrüpp, womit schon die Bodenbeschaffenheit dieses Grundstückes angedeutet wird. Im 16. Jahrhundert erscheint zum ersten Male die Form "Edelhof", da die Waldviertler Mundart "Erle" wie "Edl" ausspricht. 

   Durch die emsige Rodungsarbeit der Möche, die in der ersten Zeit den Boden selbst bebauen mußten und von den Untertanen keinen Zins oder Robot nehmen durften, wurde schließlich das Flächenmaß des Stiftsgutes von 317 Joch, und zwar 176 Joch Äcker, 130 Joch Wiesen und Weiden, etwas über 1 Joch Wald und 10 Joch Teiche erreicht. Später verpachtete das Stift 145 Joch den Stiftsuntertanen in Rudmanns und Mitterreith als sogenannte "herrschaftliche Zinsgründe". Vor etwa 400 Jahren überließ das Stift diese Zinsgründe gegen Zahlung des bisherigen Pachtzinses den ehemaligen Inhabern als erbrechtliches Eigentum. Gewisse Häuser in Rudmanns und Mitterreith haben in der Edelhofer Freiheit, besonders in der Kohlstatt, im Straßfeld und in den Ziegeläckern noch heute Grundbesitz, der an diese Zeit erinnert.

   Über die Erträgnisse der vom Stift selbst bewirtschafteten Grundstücke früherer Zeiten geben uns erhaltene Rechnungen (Stiftsarchiv) beredte Kunde. Im 13. Jahrhundert wurden am Edelhofe 200 bis 500 Schafe gehalten. Im Jahr 1358 wurden in diesem Stiftsgut 36 Muth Korn geerntet. Ein Inventar aus 1390 weist 22 Ochsen, 30 Kühe und 13 Muth (1 Muth = 30 Metzen = 1,8 m3)  Kornvorrat aus. Die Bewirtschaftung des Hofes führte in jener Zeit, in der die Mönsche die Feldarbeit nicht mehr selbst ausübten, ein Meier mit 7 Dienstboten. Zur Arbeit in der Feldwirtschaft, besonders zum Kornschnitt, wurden auch die robotpflichtigen Stiftsuntertanen herangezogen. Im Jahre 1706 z.B. bringen 134 Untertanen aus Rudmanns, 42 aus Weißenalbern, 40 aus Mannshalm und 11 aus Pötzles unter Aufsicht ihrer Dorfrichter und des Stiftsjägers gegen Erhalt von Brot und Wein die Ernte des Edelhofes ein. Im Jahre 1740 sind in gleicher Weise 335 stiftliche Grundholden zwei Tage lang als Hofschnitter mit der Ernte beschäftigt.

   Als sich unter Kaiser Josef II. der Naturalrobot wesentlich lockerte und neue Reformen aufkamen, entstanden überall bei den altherrschaftlichen Höfen, neue Ansiedlungen, ja ganze geschlossene Ortschaften. Um das Stift Zwettl herum danken die Ortschaften Edelhof, Kleehof, Ratschenhof, Ritzmannshof, Windhof und die Privathäuser in Stift Zwettl  diesen kaiserlichen Verordnungen ihr Entstehen. Das Stift Zwettl gab damals in selbstloser Befolgung dieser Reformen zugunsten der Kleinbauern und bäuerlichen Untertanen seine gesamten Meierhöfe bis auf drei und viele Einzelgrundstücke an neue Ansiedler und die Häuser alter Untertanen ab. Auf seinem neue Besitze hatte der Ansiedler das mittelbare Eigentumsrecht, er konnte dasselbe vererben und verkaufen, jedoch nur mit Genehmigung der Grundherrschaft, der bis zum Jahre 1848 das bisherige unmittelbare Eigentumsrecht verblieb. Am 14. März 1787 wurde auch der Edelhof unter dem damaligen Stiftsabt Ignaz Weißkopf und dem stiftlichen Hofrichter Karl Fürtner in Gegenwart von 15 Bauwerbern mit Gebäuden und Grundstücken veräußert und aufgeteilt. Das Gebäude selbst teilte man in fünf Abteilungen. Die ersten drei Abteilungsnummern, und zwar Scheuer, Schafstall, Stockwerk, Ochsenstall und Gartenmauer, erstand der Bandfabrikant Lorenz Weber aus Schweiggers. den vierten Teil, den Heustadl, den Kornkasten und die Gartenmauer, erwählte Adam Koppensteiner um 265 Gulden. Georg Schulmeister, der letzte Stiftsmeier des Edlhofes, erwarb die Meierwohnung und den anliegenden Kuhstall um 252 Gulden. So wurden um 1272 Gulden Gebäude und um 749 Gulden das Vieh und die Gerätschaften des Edelhofes abgegeben. Neben dem Hofgebäude wurden außer den drei Baustellen auch drei neuerbaute Ansiedlerhäuser verkauft, wozu im Jahre 1828 noch das Kleinhaus Nr 9 sich gesellte.

 

   Die Aufteilung und Zerschlagung des Besitzes verminderte stark dessen Wirtschaftserträgnisse, so daß der Edelhof in den ersten 47 Jahren nach der Aufteilung und Lostrennung aus dem jahrhundertelangen Besitz des Stiftes Zwettl siebzehnmals die Besitzer wechselte; bis schließlich im Jahre 1873 das Land Niederösterreich den Edelhof im heutigen Grundausmaß erwarb.

 

   Durch sechs Jahrhunderte war der Edelhof in der Hand der länderrodenden Kulturpioniere im Mönchskleide des heiligen Bernhard von Clairvaux eine Quelle und ein Brennpunkt Waldviertler Bauernkultur gewesen. Nachdem er fast 90 Jahre die Irrwege und das wirtschaftliche Mißgeschick eines vorübergehenden Privatbesitzes glücklich überwunden hat, möge er fernerhin in einer modernen, dem Kulturbedürfnis unserer Tage entsprechenden Form ein segensreicher Quell- und Ausgangspunkt bäuerlichen Fachwissens, eine unumschränkte Hochburg Waldviertler Bauerntums sein.

 

W.L.P.

L i t e r a t u r: P. Benedikt Hammerl, Geschichte des Gutes Edelhof.