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Robert HAMERLING

 

   Der sicher bekannteste und bedeutendste im Waldviertel geborene Dichter. Geboren am 24. März 1830 in Kirchberg am Walde 88 als Rupert Hamerling Sohn eines mittellosen Webers. Die Vorfahren Robert Hamerlings können in der Umgebung Kirchbergs bis ins 16. Jahrhundert nachgewiesen werden. 1832 nach dem Konkurs des Vaters, wurde das Haus versteigert und die Familie mußte zum Bruder Josef der Mutter nach Groß Schönau übersiedeln. Der Vater bekam Arbeit im Schloß Engelstein. Hier besuchte Robert die Volksschule und durch die Vermittlung seines Großonkels Pater Ambros Haslinger konnte er 1840 das Unterstufengymnasium im Stift Zwettl als Sängerknabe besuchen. 1844 übersiedelte die Familie nach Wien, nachdem der Bruder seiner Mutter im April des Jahres 1840 verstarb und die Witwe sich wieder verheiratete. In Wien konnte Robert Hamerling Dank der weiteren Unterstützung durch Freunde und Gönner die Oberstufe des Schottengymnasiums absolvieren und 1846 mit der Matura abschließen und sich 1848 der Revolution anschließen. Im selben Jahr begann er sein Studium. Zeitweilig hatte sich in Wien der Vater von der Familie getrennt und arbeitete als Diener und seine Mutter als Näherin. Wieder ermöglichten ihm Freunde und Gönner ein Universitätsstudium. Über die Gönner ist mir nichts bekannt, ich könnte mir jedoch vorstellen, daß der Bruder seines Vaters Lepold Hammerling der oder einer der Gönner war. Die Brüder Hamerling dürften offensichtlich nur sehr wenig Kontakt miteinander gehabt haben, aus welchen Gründen auch immer. Leopold war ebenfalls Weber in Kirchberg im Heimatort der Familie und ein offensichtlich gebildeter Mann, er heiratete 1830 und war Besitzer des Hauses 116 in Kirchberg. Im Revolutionsjahr 1848 war Leopold Hamerling Leutnant der Kirchberger Nationalgarde. Er starb 1856, womit der Kontakt Robert Hammerlings nach Kirchberg entgültig abrieß. Als Student war Robert Hamerling einige Male in Kirchberg beim Onkel zu Besuch. Reiste aber auch nach Schweiggers und verbrachte Ferientage bei Cousine Karoline Koppensteiner, hatte aber offensichtlich wenig Kontakte zur Familie seiner Mutter nach Groß Schönau.  

   1852 war Hamerling als Aushilfslehrer für klassische Sprachen in Wien tätig. 1853 und 1854 unterrichtete er am Akademischen Gymnasium in Graz, von 1855 bis 1866 arbeitete er als Gymnasiallehrer in Triest. 1866 mußte wegen eines chronischen Magenleidens pensioniert werden. Sein letzter Besuch in der Waldviertler Heimat erfolgte vom 22. August bis 25. September 1867 mit seiner Begleiterin Frau von Gstirner. Drei Tage lang hielt er sich damals in Weitra bei dem Tuch- und Teppichfakrikanten Dr. Heinrich Hackl auf, dessen Frau Cäcilia mit Hamerling (mütterlicherseits) verwandt war. Während all der Jahre hat Robert Hamerling seine Liebe zu seiner engeren Heimat bewahrt. 1867 bei seinem letzten Besuch im Waldviertel faßte er seine Gefühle zu diesem Land in einem Aufsatz zusammen, den er "Die schönste Gegend der Welt" titulierte. In seinem Geburtsort Kirchberg am Walde gab es bis 2006 ein Robert-Hamerling-Museum, getragen vom Hamerling-Verein. Der deutschnationale Politiker Georg Ritter von Schönerer, damals Besitzer von Schloß und Herrschaft Rosenau ließ Hamerlings Geburtshaus 1891 niederreißen und an dessen Stelle das Stiftunghaus errichten. Robert Hamerling war bis zuletzt ein großer Verehrer des "Eisernen Kanzlers" Otto von Bismarck und seines Traumes von einem großen Deutschen Reich. 

 

Im 60. Lebensjahr verstarb Hamerling am 13. Juli 1889 an Krebs in (seiner noch heute bestehenden Villa in Stifting) bei Graz. 1901 wurden seine Gebeine in einem Ehrengrab der Stadt Graz beigesetzt.

 

   Am ersten Todestag am 13. Juli 1890, wurde in der Grazer Innenstadt am Haus Hamerlinggasse 6 eine Gedenktafel enthüllt. Anwesend waren dabei unter anderem der Bürgermeister von Graz, sowie Hamerlings Lebensgefährtin Chlothilde Gstirner. Die greise Mutter des Verstorbenen beobachtete das Geschehen von einem Fenster der gegenüberliegenden Oberrealschule. Seine Mutter entstammte einer kinderreichen Gastwirtsfamilie in Großschönau, viele ihrer Geschwister sind jedoch noch im Kindesalter gestorben.

 

   Hamerlings Ruf und Ansehen als Dichter ist auch heute noch unbestritten, obwohl sein Werk heute nur mehr Eingeweihten und Kennern ein Begriff ist. Trotzdem ein kurzer Überblick über sein künstlerisches Schaffen, dabei möchte ich bei einer reinen Aufzählung bleiben:

1857 "Sangesgruß am Strande der Adria", 1858 "Venus im Exil",  

1859 "Sinnen und Minnen", 1861 "Schwanenlied der Romantik",

1862 "Germanenzug", 1865 "Ahasver in Rom",  

1868 "Der König von Sion", 1870 "Danton und Robespierre",  

1872 "Teut", 1875 "Aspasia", 1880 "Lord Luzifer", 1882 "Amor und Psyche", 

 1886 "Blätter im Winde", und 1887 "Homunkulus".

 Sein letztes Werk "Die Atomistik des Willens", konnte er nicht mehr vollenden,

der Tod war schneller.

 

Der heutige Normalbürger Otto Waldviertler kann damit offenbar leider nur mehr wenig anfangen.

 

   Es war mir trotzdem ein Bedürfnis etwas mehr über diesen Mann zusammenzutragen, als man heuzutage sonst in den meist sehr kurzen Biografien zu ihm lesen kann. Nachdenklich stimmte mich, warum offensichtlich niemand aus der Familie Hamerling (weder Bruder Leopold, noch Onkels) 1832 bereit waren bei der finanziellen Notlage zu helfen. Auch später wurde offensichtlich Sohn Robert beim Studium, jedoch keinesfalls die arme Familie unterstützt. 

 

Otmar Schuster

Oberstrahlbach im NÖ Waldviertel