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Münzfunde im Waldviertel

 

Von cand. juris Werner H a b e l, Wien

Aus "Das Waldviertel", Jahrgang 1931, Heft 8

 

 

   Das Waldviertel hat mit der Numismatik, wie die Münzkunde genannt wird, im eigentlichen Sinn wenig Beziehungen, denn das niederösterreichische Waldviertel hat nie ein Gebiet umfaßt, daß münzberechtigt war und eigene Prägungen ausgab. Nur die südlichst gelegene und größte Stadt des Waldviertels, Krems an der Donau, trat einmal bestimmend in der österreichischen Münzgeschichte hervor. Denn in Krems entstanden die ersten österreichischen Münzen, dort befand sich die erste babenbergische Münzstätte. Die Bedeutung von Krems verschwand aber schon im dritten Kreuzzug (um 1190) und wurde von Wien abgelöst. Das Waldviertel bietet aber in anderer Hinsicht wertvolle Quellen für die Münzkunde, denn im Waldviertel wurden eine Reihe von Münzfunden gehoben, die wertvolles Material für die Kunde des Geldumlaufs in Niederösterreich abgaben. Diese Münzfunde, die merkwürdigerweise zum Großteil aus dem Mittelalter stammen, hat der bekannte Fachmann auf dem Gebiete der mittelalterlichen Numismatik, Kustos Dr. Fritz Dworschak vom Wiener Kunsthistorischen Museum, in einer Schrift, "Münzkundliches aus dem Waldviertel", zusammengestellt und dabei die unerläßlichen Zusammenhänge mit der Geldgeschichte Österreichs und der angrenzenden Länder aufgezeigt. Dr. Dworschak, 1890-1974, selbst ein geborener Waldviertler, behandelt im zweiten Teil seiner Schrift die Schaumünze, die Medaille, und ihre Zusammenhänge mit dem Waldviertel, mit waldviertler geistigen und weltlichen Größen.

   Die an der Donau ansässigen Keltischen Völker hatten ein dem griechischen ähnliches Münzwesen. Funde aus dieser Zeit fanden sich in Krems, Eggenburg und Zwettl. Zur Römischen Kaiserzeit befanden sich nördlich der Donau eine Reihe von Siedlungen und Kastellen, mit denen vom Hinterland ein reger Handelsverkehr bestand. Funde römischer Münzen wurden an der Donau, dann in Gobelsburg, Gneixendorf, Reichaueramt, Tautendorf, Gföhl, Allentsteig, Karlstift und Gmünd gemacht. Dechant Plesser (1865-1937) zählt dazu noch Edelbach, Nondorf bei Franzen, Thaures und Rastbach auf.

   Der erste Fund aus dem Mittelalter stammt aus Marbach (politischer Bezirk Zwettl) und dürfte um 1210 vergraben worden sein. Der Fund bestand aus über 400 babenbergischen Pfennigen, von denen der größte Teil aus der Kremser Münzstätte stammte. Schon im Fund von Klein-Pertholz (bei Ottenschlag) finden sich keine Kremser Gepräge mehr. Die Vergrabungszeit ist ungefähr 1280. Größere Funde wurden noch in Schwarzenau, Groß Radischen (bei Litschau), Sallingberg (bei Ottenschlag) und Hörweix (Bezirk Zwettl) gemacht.

   Die unsicheren Hussitenzeiten veranlaßten viele Bewohner des Waldviertels, ihre Schätze dem Boden anzuvertrauen. Aus dieser Zeit stammen die Funde von Rossa (Bezirk Waidhofen/Thaya) und Klein-Weissenbach bei Zwettl. Auch der große Fund von Vitis gehört dazu: leider wurde dieser 20.000 bis 25.000 Stück unfassende Schatz im Gewicht von zwölf Kilogramm vollständig zerstreut.

   Waren die früheren Funde von fremden Beimengungen frei, so macht sich der Umlauf ausländischer Münzen in den vorgenannten Funden und in den Funden von Weißenkirchen, Arbesbach und Emmersdorf stark bemerkbar. Zuerst dringen bayrische, mährische und böhmische Gepräge in den Geldumlauf Österreichs ein, auch die Nachahmungen Wiener Pfennige durch die Münzen der Landgrafen von Leuchtenberg (Hals bei Passau) sind den Funden dieser Zeit beigemengt.

   Der Fund von Arbesbach gehört nach seiner Begrabungszeit (1510) bereits der Neuzeit an und leitet hinüber in die neue Epoche, in die das Österreichische Münzwesen tritt. Der Einfluß und die Vorherrschaft der Tiroler Münzen ist so stark geworden, daß von den 5000 Stück des Fundes 1400 Stück Tiroler Kreuzer sind. Der Wiener Pfennig, in seiner Blütezeit bis Siebenbürgen vorherrschend, verlor seit der Schinderlingszeit (Schinderling war eine volkstümliche Bezeichnung für die im Feinsilbergehalt stark verminderten Pfennige aus der Zeit um 1457 - 1460) immer mehr seine Geltung. Er hatte seinen Charakter als Währungseinheit verloren und sank immer mehr zur Scheidemünze herab. Es wurden Pfennigvielfache geprägt, schließlich wurde der tirolische Kreuzer zu vier Pfennig übernommen.

    Aus späterer Zeit sind die Funde von Gottsdorf (Bezirk Langenlois) und Zaingrub (Bezirk Horn) zu erwähnen. Die Zusammensetzung der Funde weist eine große Vielgestaltigkeit auf, aus ganz Süddeutschland sind Münzen von geistlichen und weltlichen Fürsten vertreten. Der letztere Fund ist wohl wegen des Bauernaufstandes verborgen worden, später sind durch die drohenden Gefahren des Dreißigjährigen Krieges mehrere Vergrabungen veranlaßt worden. Funde aus dieser und späterer Zeit wurden in Lindau (Bezirk Waidhofen/Thaya) und mehreren Orten aus dem Zwettler Bezirk gemacht. Die Funde enthielten hauptsächlich Goldmünzen (Dukaten) und Taler. Aus dem 18. Jahrhundert wurden im Waldviertel gar keine bedeutenden Funde gemacht.

   Die Ursachen der Vergrabungen sind hauptsächlich in den Kriegszeiten zu suchen. Größere Kriege, wie Hussitenkriege, Dreißigjähriger Krieg und Türkenkriege, veranlaßten zum Verbergen des Geldes. Auch die Nähe der Grenze war ein Grund zur erhöhter Besorgnis und Grund, bei den leisesten Gerüchten die allzu bewegliche silberne Habe zu verstecken und damit oft das Gegenteil des Zweckes zu erreichen: den vollständigen Verlust des Geldes. Denn unsere Münzfunde sind jene versteckten Schätze, die aus irgendeinem Grunde (Tod?) nicht mehr in Hände ihres Besitzers zurückkehrten.

 

Otmar Schuster, einsehbar seit 21. Mai 2018