Besucher im lfd Monat

Besucher im Vormonat

Juli  2018  11552

Juni 2018  14714 

Mai 2018   12322

April 2018  15715

 

BESUCHERSTATISTIK

2013 - 1949/13053 Besucher/Zugriffe

2014 - 4545/15360 Besucher/Zugriffe

2015 - 11556/14525 Besucher/Zugriffe

 

2016 - 8326/19441 Besucher/Zugriffe

 

2017 - 8736/33478 Besucher/Zugriffe 

Zählung je Zugriff ab Mai 2018

Oktober 2018
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Die "Meier" und "Müller"

 

aus "Das Waldviertel", Jahrgang 1931, Heft 8.

Von Hans Engelbrechtsmüller, Langenlebarn vor Tulln

 

   Daß so viele Menschen mit dem Familiennamen M ü l l e r und M e i e r  auf der Welt herumlaufen, wird schon manchem aufgefallen sein, und besonders die Witzbolde benützen diese Familiennamen gerne, wenn sie irgend jemandem etwa ans Zeug flicken wollen, wie der Vereinsmeier, der Schlaumeier, der Kraftmeier.

   Soweit es sich um den einzelnen Meier oder Müller handelt, den wir in unserem Bekanntenkreis treffen, sind sie schließlich leicht zu unterscheiden; aber für den Lexigraphen und Adreßbuchmacher sind diese Namen, die zu den fünf Großmächten der Familiennamen gerechnet werden, eine Serie von Qual, Irrtum, Mißverständnissen und Verwechslungen. 

   Wie es nun zu dieser Häufung von Familiennamen kam, will ich in möglichst kurzweiliger Form vorführen.

   M e i e r  stammt aus dem lateinischen major, welchen Namen wir im Offiziersrang heute noch finden, und bedeutet Aufseher, in unserem Fall Gutsverwalter.

   Karl dem Großen verdanken wir die Einteilung des Bodens. Der ganze bebaute Boden samt Wald und Weide hieß "Mark". Inmitten dieser Mark saß der Freie auf seiner Hube. (Der Huber ist die dritte Großmacht.) Der Haupthof bekam vom Gutsherren eine Ausseher, den major. Hatte dieser mehrere Höfe zu verwalten, bediente er sich der Unter-majors. Seit dem 11. und 12. Jahrhundert wurden diese majors, oder Meier, wie der Volksmund sie aussprach, auf bestimmte Leistungen gesetzt, weil sie oft auf auf eigene Rechnung wirtschaften mußten. Manche major schwangen sich zu Rittern auf, zum Stand des niederen Adels. Daduch wurde der Haupthof oft gegen Pacht zerstückelt, und so bildete sich das eigentliche Meierrecht. Im 14. und 15. Jahrhundert entstanden durch Waldrodungen neue Höfe und diese Hofbesitzer hießen nun bei der Namenszuteilung Meier. Da das Besitzverhältnis meistens erblich war, traten die Meier in Erbpacht und wurden dauernde Besitzer, wenn auch nicht Eigentümer des Hofes. Be=sitzen und Eigen=tum war damals nicht derselbe Rechtsbegriff. Das Meiertum war am reichsten entwickelt in Westfahlen, Hannover, Bayern und Württemberg und von dort stammt die Fülle dieser Namen. Manche Meier hatten ganz hervorragende Rechte in ihrer Mark.

   Nun wissen wir, daß Meier gar kein deutsches Wort, sondern ein lateinisches ist. Was nun die Schreibweise der Namen anlangt, so ist darin an Mannigfaltigkeit geleistet, was überhaupt mit so wenigen Buchstaben zu leisten war. In München schrieb man sie vornehmlich mit ai und ay, in Norddeutschland mit ey. Im 19. Jahrhundert hat sich eine Familie mit ei geschrieben, um sich von den anderen unterscheiden zu können. Vielfach blieb der Name zusammengesetzt, bekam aber von der Bauernschaft oder der Lage des Hofes einen Zusatz, eventuell den Vornamen. Nach der Beschäftigung sind die zusammengesetzten Meier erst in den Städten entstanden. So haben wir Jägermeier, und aus der Bekleidungsindustie die Schürz-, Gugl- und Stiefelmeier; Werkzeug= und Warenmeier wie Eisen=, Glas= und Ziegelmeier; Speisen-Meier wie Bier= und Milchmeier; Eigenschaften=Meier wie Alt=, Blaß= und Fröhlichmeier; Wald= und Busch=Meier wie Holz=, Forst=, Wiesen=, Ried=, Anger=, Moos=, Sumpf= und Pfützenmeier, Wasser=, Teich= und Wehrmeier, Kalk=- Sand= und Steinmeier. Nach der Umfriedung des Besitzes unterschied man Wall=, Graben=, Zaun=, Gatter= und Heckenmeier, und nach dem Hofe und seiner Größe den Halb=, Scheuer= und Stadlmeier. Der Sedlmeier war Pächter auf adeligem Besitz und hieß Siedelmeier von siedeln. Diese sind meist bayrischer Herkunft. Nach den Bodenerzeugnissen kennen wir den Gersten-, Hafer-, Korn-, Weizen- und Linsenmeier. Auch Kraut-, Rosen-, Salat-, Gras- und Kleemeier gehören in diese Gattung. Dann gibt es die Baum-Meier wie: Birk-, Buch-, Eich-, Esch-, Linden-, Nuß- und Dornmeier. Manche dieser Namen, besonders die von Getreidearten, können auch mit der "Zehent"verpflichtung seligen Angedenkens zusammenhängen, wo der Zehentmeier eine große Rolle spielte. Nach dem lieben Vieh nannte man Bock-, Eber- und Roßmeier, und was besonders für österreichische Verhältnisse bezeichnend ist, der Geiß- und Katzmeier. Nach den Robotverpfichtungen gab es den Dresch-, Stroh- und Zinsmeier, und wenn jemand einen Schandelmeier kennt, sei ihm gesagt, daß dieser die Kerzen für die Kirchen zu liefern hatte, und der Name aus dem französischen "Chandelle", die Kerze, stammt. Hier sei eingefügt, daß auch Rosenkränze geliefert werden mußten, die besonders in der Schweiz den Namen "Nußerer" führten, aus dem Pater noster. Auf Abhängigkeit von Stiften deuten die Kirch-, Kloster- und Dommeier. Nach Berechtigungen kennen wir Amt- und Kraftmeier.

   Der Meier als jüdischer Name hat aber mit dem deutschen Berufsnamen nichts zu tun. Das ist eine idealisierter Name aus dem hebräischen me-ir, das ist "erleuchtend", und findet sich schon um 70 n. Chr. Eine jüdische Sage erzählt darüber: "Zwei Männer konnten die Not im belagerten Jerusalem nicht ertragen, wollten aber nicht in das Lager der Römer übergehen. Sie stürzten sich daher in die Flammen des Tempels und verbrannten mit ihm". Von diesen soll sich der Name me-ir auf die Nachkommen übertragen haben. Auch die Bibelerklärer des Mittelalters führten die Namen.

 

    Weniger abwechlungsreich sind wohl die M ü l l e r, den diese waren von Haus aus auf einen bestimmten Beruf festgelegt, aber auch auf eine Gegend, die sich, soweit es sich nicht um Windmühlen handelte, die für das Waldviertel in vereinzelten Fällen in Betracht kamen, auf wasserreiche Orte beschränkten. So haben wir nach dem Standorte der Mühle den Anger-, Au-, Damm-, Berg-, Bach- und Rottmüller, und den Ober-, Unter-, Steg-, Teich-, Wiesen- und Waldmüller. Schließlich seien noch die Müller nach dem Vornamen erwähnt: Max-, Peter-, Kurz-und Franzmüller, sowie die Engelbrechtsmüller, die besonders in Kirchberg am Walde im Waldviertel, also die niederösterreichische Linie, und weiter oben, hinter Grein, also die oberösterreichische Linie, zu Hause sind, und eigentlich von einer gleichnamigen Mühle in Dachau bei München herstammen sollen. Tatsächlich wohnen in München zwei Familien gleichen Namens, die aber über ihre Herkunft, wie leider die meisten österreichischen Familien, gar nichts wissen.

 

Otmar Schuster, einsehbar seit 29. Juli 2018