Besucher im lfd Monat

  

31. März 2020  43100

30. April 2020  43600

 31. Mai 2020  44.400

Juni 2020
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Räuberhauptmann Johann Georg (Hans-Jörg) GRASL - 1790-1818

 

    In der Volksüberlieferung wurde er posthum ohne reale Basis als edler Räuber stilisiert, der - ähnlich Robin Hood - die Reichen bestahl und die Armen beschenkte. In Teilen des Waldviertels ist Johann Georg Grasl eine gezielt vermarktete Touristenattraktion. Gedichte, Erzählungen, Romane und Theaterstücke über ihn und sogar Grasl-Wirtin und Grasl-Heurige gehören zum normalen Alltag, ebenso wie unzählige Graslhöhlen. Ja es gab sogar einen "Grasel"-Janker. Im Horner Höbarth-Museum befindet sich ein Bild, dass den Räuberhauptman darstellen soll. Am 31. Jänner 2018, am seinem 200. Todestag fand in der Basilika Maria Dreieichen ein Gedenkgottesdienst statt und im Museum Horn gab es am selben Tag einen Film- und Festvortrag.

 

   Im Jahre 1968 wurde der Stoff verfilmt. Peter Vogel spielte den Grasel, Guido Wieland den Vater und Kurt Sowinetz den Spitzel Mayer.

 

   Johann Georg Grasel wurde am 4. April 1790 in Neuserowitz in Mähren geboren und in Wien mit zweien seiner Bandenmitglieder (Jakob Fähding und Ignaz Stangel) zum Tode durch den Strang verurteilt und am 31. Jänner 1818 auf dem Glacies vor dem Neutor, dem Areal der heutigen Rossauerkaserne 1818, vor einer großen Menschenmenge, gehängt. 

 

   Die Familie Grasel war eine weitverbreitete Abdeckerfamlie (Wasenmeister-Schinder). Diese lebten meist außerhalb der Ortschaften in ärmlichsten Häusern und waren für die Entsorgung von Tierkadavern zuständig. Grasel lebte von Diebstählen, Raub, Betrug und Hehlerei und scharte dabei zeitweise eine Bande von bis zu 60 Mitgliedern um sich, was ihm in Niederösterreich und Südmähren den Ruf eines "gefürchteten Räuberhauptmannes" einbrachte. 1815 wurde er in Mörtersdorf bei Horn gefangen genommen und später in Wien abgeurteilt und hingerichtet.

 

   Die Familie war arm. Der Großvater Laurenz wurde wegen Diebstahls oft bestraft, der andere Großvater war ein Bettler. Grasels Mutter Regina wurde während ihrer Schwangerschaft 1790 wegen Fischdiebstahls und Landstreicherei verhaftet, mangels an Beweisen wieder freigelassen. Der Vater Thomas Grasel wurde 1792 wegen Einbruchs zu zehn Jahren schweren Kerkers verurteilt. 1799 gelang ihm die Flucht, er nahm den Namen Josef Haller an und zog als Bilderhändler durch die Lande, unterwegs verübte er weiter fleißig Einbrüche. Die Familie hielt sich mit Bettelei über Wasser. Hans-Jörg, wie der junge Gasel genannt wurde, wurde schon mit neun Jahren erstmals eingesperrt. Er wurde in Drosendorf wegen Diebstahls und in Frein wegen versuchten Diebstahls von Mehl verhaftet. 1801 wurden Mutter und Kinder in Mautern verhaftet. Nach einiger Zeit wurden alle, wie es damals üblich war, in ihre Geburtsorte abgeschoben. Für Hans-Jörg änderte sich nichts, er ging nun mit seiner Tante und seinem Onkel betteln. Der Grundherr, der die Vomundschaft gehabt hätte, kümmerte sich nicht um ihn. 

   Grasels Vater hatte in zwischen weitere Einbrüche begangen, unter anderem am Heiligen Abend 1801 in Dobersberg bei einem Bauern, wobei er an dem Dobersberger Schinder dabei einen Mord beging. Die meisten Leute aus der Bande von Grasels Vater wurden damals verhaftet, nur der alte Grasel selbst konnte entkommen.

   Die Familie zog daraufhin für einige Zeit nach Veszprem in Ungarn und kaufte dort eine Wasenmeisterei. 1804 verkauften sie die diese wieder und zogen nach Neusiedel am See weiter. Nachdem der Vater 1804 bei einem Greißler einen größeren Diebstahl begangen hatte, wurde er 1806 verhaftet und mußte die letzten Jahre seiner zehnjährigen Haftstrafe absitzen. Da der Vater eingesperrt war, kam nun wieder große Not über die Familie. Die Mutter ging wieder betteln und traf dabei Johann Georg Berger. Er nannte sich Piringer, da er unter dem Namen Berger gesucht wurde. Als ihm die Mutter ihr Leid klagte, erzählte er ihr, dass er einen Einbruch in Raabs an der Thaya vorhabe. Die Mutter drängte Ihren Sohn dabei mitzumachen. Johann Grasel und der älteste Sohn Piringers standen bei dem Einbruch 1806 Schmiere. Von der Beute erhielt Grasel zwei Leintücher und ein Bettüberzug. 

  Mit der Entlassung seines Vaters 1809 begann Johann Grasels echte Lehrzeit. Von nun an begingen er und sein Vater alle möglichen Straftaten bis hin zum Mord und Todschlag. Später gründete er seine eigene Bande. Allein im Jahr 1814 konnten ihm 71 Verbrechen nachgewiesen werden. Am ertragreichsten dabei war der Einbruch beim Kaufmann Loidolt in Groß Siegharts, am grausamsten der räuberische Totschlag an Anna Maria Schindler in Zwettl, der ihn schlussendlich an den Galgen brachte. Die Regierung setzte eine Belohnung von 4000 Gulden für die Ergreifung Grasels aus, die bewirkte, daß Grasel am 20. November 1815 in einem Mörtersdorfer Wirtshaus in einen Hinterhalt gelockt und mit List und viel Glück gefangen werden konnte. Grasel der bereits einmal aus einem Gefängnis geflohen war, 1815 in Horn, wurde nach Wien gebracht und dort 1818 mit sechs Mitschuldigen abgeurteilt. Hauptgrund für das Todesurteil war das 1814 in Zwettl an Anna Maria Schindler verübte Verbrechen, wobei bereits damals Zweifel aufkamen, ob es sich dabei um Mord oder nur um Todschlag gehandelt hatte.  Die 66-jährige war mit einer Eisenstange erschlagen worden. Grasel wurde nach dem Militärgericht abgeurteilt, auch wenn er seinen Fahneneid 1815 unter falschem Namen abgelegt hatte.

   Eine seiner Freundinnen Rosalia "Salerl" Eigner gebar ihm im Dezember 2015, nach seiner Verhaftung, einen Sohn.

   Grasl Vater starb später im Gefängnis (auf der berüchtigten Festung Spielberg bei Brünn in Mähren. Seine Mutter starb in einem Gefängnishospital, seine Schwester wurde bald aus dem Kerker entlassen. 

 

Faszination Heimat Räuberhauptmann Grasel n

 

 Aus "Robert Bartsch und der Erforschung der Geschichte des Räuberhauptmanns Grasel"

 

Otmar Schuster, einsehbar seit 26. Mai 2018