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Der Siedlungsvorgang im Oberen Waldviertel

aus der Zeitschrift "Das Waldviertel" 1965 Heft 1-2 

 

(Die Gründung von Oberstrahlbach)

 

   Will man die Besiedlung und Urbarmachung des mittleren und nordwestlichen Waldviertels klarstellen muß man sich in erster Linie mit dem mächtigen Geschlecht der Herren von Kuenring befassen, die - aus dem Rheinland stammend - über Sachsen und Bayern auch in die Babenberger Ostmark kamen, wo ihr Stammvater Azzo (auch Hezzo genannt) für tapferes Verhalten im Dienste des Markgrafen anno 1056 vom deutschen König ein Gut am Hang des Manhartsberges erhielt, Hezzimanneswisa, das spätere Kühnring. Weitere Königsschenkungen im freien Nordwald führten seine Söhne und Nachkommen von ihren Vesten am unteren Kamp aus entlang dieses Flusses im Laufe der Jahre durch das ganze mittlere Waldviertel bis an die böhmische Grenze und darüber hinaus ins Strobnitzgebiet, das sie als böhmisches Lehen vorübergehend in Besitz hatten. Diese Neusiedlungsgebiete im freien Nordwald lagen außerhalb der Ostmark, waren reichsunmittelbarer Besitz und unterstanden dem Herzogtum Bayern. Erst 1156 wurde dieser Raum gelegentlich der Erhebung zum Herzogtum Österreich diesem einverleibt. Da schon vorher Markgraf Leopold III. und Heinrich II. Jasomirgott gleichzeitig Herzöge von Bayern waren, erstreckte sich ihr Machtbereich auch über das Waldviertel, und so ergab sich für sie die Möglichkeit die große bis an die Braunau bei Hoheneich reichende Herrschaft Krumau nach dem Aussterben des dortigen Kuenringerzweiges an sich zu ziehen, obwohl es vom letzten Inhaber für eine Klostergründung gelobt worden war.

   Indessen hatten die Kuenringer das weite Waldland um Zwettl und Schweiggers und auch den Raum um (Alt)-Weitra mit Hilfe ihrer zahlreichen ritterlichen Dienstmannen siedlungsmäßig erschlossen und durch viele feste Burgen gesichert. Das geplante Kloster aber erstand 1139 im lichten Tal am Kamp, unweit der Kuenringer Burg oberhalb der Zwettl-Kampmündung neben der die alte Pfarrkirche für das Zwettler Herrschaftsgebiet entstand, die spätere Propsteikirche, während im Mündungswinkel noch vor 1200 das Städtchen Zwettl planmäßig gegründet und befestigt wurde.

    Beim weiteren Vordringen bis zur Böhmengrenze hören wir 1162 von der neuen Burg Hadmarstein (Harmannstein), um 1165 von Groß-Schönau, dann von (Alt)-Weitra, dem bald als Schwerpunkt der Kuenringer Macht die neue Burg und das neue Grenzstädtchen Weitra folgten, wo 1208 die Doppelhochzeit von Hadmars zweitem Sohn Heinrich und seiner Tochter Gisela feierlich begangen wurde.  

   Wie solche Gründungen vor sich gingen, mag uns ein alter Bericht über die Gründung des bayrischen Klosters Scheyern (um 1030) veranschaulichen: Ein Graf Hermann zog mit Dienstleuten und untertänigen Bauern aus seinem Stammgut in den freien Wald und ergriff davon Besitz in aller Form, wie es nach altem Volksbrauch und Herkunft üblich war, das Erbrecht nach Landesbrauch durch Ersitzung zu gewinnen - nämlich durch Schlägerung der Baumbestände, Entzündung von Herdfeuern, Aufbau von Wohnstätten und dreitägigem Aufenthalt auf diesem Platze.

   Es ist eher anzunehmen, daß in späterer Zeit eine so willkürliche und eigenmächtige Besitznahme nur selten mehr üblich war, sondern eher durch königliche Schenkungen erbliche Eigentumsrechte begründet wurden. Zumindest aber wurde die Landnahme durch nachfolgende Schenkung bzw. Verleihung beurkundet und beglaubigt. Aus dem Waldviertel ist uns ein Beispiel einer solchen Ortsgründung überliefert. Es handelt sich dabei um die Anlage von Ober-Strahlbach durch den Pfarrer Pilgrim (einem Kuenringer) von Zwettl (um 1150). Diese kam zum Abt von Zwettl mit dem Rate, das Waldland des Stiftes nicht ungenützt zu lassen, sondern dasselbe, da ein großer Teil davon - wohl durch Unwetter - bereits niedergerissen war, ihm zur Kultivierung zu überlassen. Auf die Antwort des Abtes, daß das Kloster weder die Mittel noch die notwendigen Leute aufbringen könne, trug sich Pilgrim an, dies durchzuführen, wenn ihm der Platz zur Verfügung gestellt würde. Auf den Einwand, daß dem Stifte nach der Besiedlung der Wald entfremdet werden könnte, beteuerte der Pfarrer feierlich, daß ihm dies fernliege, er nur ein gutes Werk für sein Seelenheil tun wolle und das Land bei seinem Ableben dem Stifte rückstellen werde. Daraufhin stimmte der Abt zu und überließ ihm den Windbruch zur Besiedlung. Pilgrim hatte jedenfalls als Mitglied der Familie Kuenring die notwendigen Leute aus den Kuenringischen Besitzungen in nah und fern zur Ortsgründung heranzuziehen. So entstand das Dorf Ober-Strahlbach, im Zwettler Stiftungsbuch verschrieben als "Scelebaes", jedenfalls richtig zu lesen als Strelebahes bzw. Straelebaches, Strahlbach. 

   Über die Siedlerwerbung erzählt wieder eine sächsische Quelle, die Pingauer Annalen von 1104: Als Herr Wigbertus (=Wiprecht von Goitsch) im Merseburger Bistum einen Neubruch anlegen wollte, holte er zur Urbarmachung aus den Besitzungen seiner Mutter in Franken siedlungswillige Menschen heran, denen er nach Räumung der Waldbestände die in Gewannen geteilten Felder in erheblichen Besitz übertrug. Der Berichtschreiber findet es spaßhaft, daß er jedes neugegründete Dorf nach dem Namen seines Siedlungsleiters benannte. Dittmansdorf, Hartmansdorf, Heinersdorf, Reichersdorf, Neckersdorf. Man sieht hier die gleiche Ortsnamenbildung mit "dorf", wie sie im Weinviertel üblich war, während sie im Waldviertel mit "schlag", "reith", "brand",  bzw. überhaupt ohne Zusatz nur mit dem Gründernamen gebildet wurden Es ist klar, daß auch die Kuenringer wie ihre Dienstmannen und Lehensritter bei der Erschließung der riesigen Waldungen ganz planmäßig vorgingen und sich aus der alten Heimat dafür ausgebildete und erfahrene Feldmesser und Siedlungsfachleute mitführten, wie solche  in späteren Quellen auch bezeugt sind. So berief Ottokar von Böhmen einen gewissen Conrad von Lewendorf aus Bayern, welcher ihm als "wohlerfahren und besonders tüchtig" auf diesem Fachgebiet empfohlen worden war.

   Jedenfalls mußten, wie sich`s in solcher Lage zwingend ergibt, nach der landesüblichen Besitzname vorerst primitive Notunterkünfte für die Siedler und ein behelfsmäßiger Sitz für den Herrn als Stützpunkt errichtet werden, welcher freilich nur ein mit Wall, Graben und Palisaden geschützter Holzbau gewesen sein konnte. Daran schloß sich die Schlagarbeit im geplanten Ortskern und auf den für Fluranlage bestimmten Flächen. Nach Säumung und Vermeßung mit Meßleine und Meßrute konnte die Aufteilung der Hofmarchen für die Lehen und Hofstätten, sowie die Zuweisung der Hausgründe nach dem Brauch der gewohnten, in der Stammheimat erprobten Dreifelderwirtschaft vollzogen werden. Damit waren die Voraussetzungen für die zur Lebensfähigkeit der neuen Siedlung notwendigen Haus- und Feldwirtschaft geschaffen.

 

Literatur

 

K. Lechner:  Besiedlungs- und Herrschaftsgeschichte des Waldviertels. Wien 1937 (Das Waldviertel, Band 7).

J. v. Frast:  Das Stiftungsbuch des Cisterzienser-Klosters Zwettl, Wien 1851(Fontes Rerum Austriacarum III/2).

W. Weizsäcker: Das deutsche Recht der bäuerlichen Kolonisten Böhmens und Mährens im 13. und 14. Jahrhundert.

(Mitteilungen des Vereines für Geschichte der Deutschen in Böhmen. 51. Jahrgang. Prag 1913, S. 433ff.) 

Josef Fuchs: Mureichs-Ullrichs. Ein Waldviertler Dorfbild im Rahmen seiner Herrschaft Kirchberg am Walde. Zweibändiges Manuscript, Wien 1964