Besucher im lfd Monat

Besucher im Vormonat

Juli  2018  11552

Juni 2018  14714 

Mai 2018   12322

April 2018  15715

 

BESUCHERSTATISTIK

2013 - 1949/13053 Besucher/Zugriffe

2014 - 4545/15360 Besucher/Zugriffe

2015 - 11556/14525 Besucher/Zugriffe

 

2016 - 8326/19441 Besucher/Zugriffe

 

2017 - 8736/33478 Besucher/Zugriffe 

Zählung je Zugriff ab Mai 2018

Oktober 2018
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Verheerende Unwetter 1781 im Waldviertel

 

aus der Zeitschrift "Das Waldviertel", Jahrgang 1960, Heft 11-12,  von Franz Rauscher

 

   Seit urdenklichen Zeiten wird die Menschheit von Naturkatastrophen vielfältigster Art heimgesucht. In gewissen Abständen erfolgen Erdbeben, Überschwemmungen und Dürreperioden. Von solchen Ereignissen fürchtet der Bauer die während der Sommermonate, oft bis in den Herbst auftretenden Hitzegewitter, deren Heftigkeit in unseren heimatlichen Gefilden oft im Geleite schwerer Hagelschäden, Überschwemmungen, Blitzschlägen und sonstigen nachhaltigen Folgen schon manchen Landmann an den Bettelstab brachten.

   Aus alten archivarischen Aufzeichnungen erfahren wir von eine solchen Unwetterkatastophe, die sich nach einem Bericht des Landgerichtsverwalters Anton Martin Hummel der Herrschaft Gföhl-Jaidhof vom 16. Juli 1781 am 8. Juli 1781 ereignete und von der fast das ganze Waldviertel, der Horner Boden und das Pulkautal heimgesucht wurde.

   Dieser Bericht schickt voraus, daß der damalige Sommer trotz zahlreicher Gewittertage wegen allgemeiner Hitze und Dürre eine schlechte Ernte erwarten ließ und diesmal mit dem Kornschnitt früher als sonst üblich begonnen wurde, bis am genannten Tage jenes unheilvolle Gewitter losbrach, das in vielen Gemeinden des Waldviertels auch den letzten Rest an Erntehoffnungen zunichte machte.

   Gegen vier Uhr nachmittags des genannten Tages stockten am westlichen Horizont schwere, tiefschwarze Wolkenbänke auf, ständig von Blitzen durchzuckt und von ununterbrochenem Donner begleitet. Gegen acht Uhr abends setzte der gefürchtete Wolkenbruch ein, mit einer solchen Stärke, so daß im ebenen Gelände und in muldenreichen Talböden als auch an Bach- und Flußläufen in kürzester Zeit verheerende Überschwemmungen auftraten. An den Hängen rissen die stürzenden Wasser schluchtartige Gräben und legten an vielen Stellen das Urgestein frei. Die Wiesengründe der Untertanen im Gföhlinger-, Schiltinger-, Tautendorfer- und Wolfshoferamt wurden von Sand und Steingeröll vermurrt, deren Ausräumung nachher Jahre in Anspruch nahm. Schwer heimgesucht wurden auch die Ufergebiete des Tiefenbaches im Gföhleramt, am Schladerbach und Kollgraben im Tautendorferamt und am "Steinernen Reithgraben" des Schiltingeramtes. Die dort angesammelten Wassermasssen waren so groß, daß sich, dem Bericht zufolge, die ältesten Einwohner an kein Unwetter solchen Ausmaßes zu erinnern wußten.

   Im Tautendorferamt wurde der Mühlteich abgerissen und von einem Hang des Schladerbachgrabens trug der Wolkenbruch fünfeinhalb Klafter (16,5 Raummeter) buchene Scheiter und sechs Klafter Prügelholz davon. Mit schweren, strichweise auftretenden Hagelstößen vermischt, dauerte dieses Unwetter ohne Unterbrechung bis zum frühen Morgen des folgenden Tages an. 

   Aus den dichten, großen Wäldern des Gföhler Herrschaftsgebietes wurden den ausgesandten Jägern und Waldbereitern die schwersten Schäden gemeldet. Bis zu fünfzehn Klafter fassende Baumriesen lagen im vermurrten Gebiet übereinander und meterlange Wurzelballen ragten aus den aufgerissenen Gräben in die Luft. Die unaufhörlichen Blitze zerschmetterten uralte Tannen, Ulmen und Basten. Die Waldstraßen und Holzwege waren zerstört und unpassierbar, so daß der einzige Verdienst, das Holzfrachten, ausfiel und viele bäuerlichen Untertanen, oft nur auf diese einzige Erwerbsquelle angewiesen, in bittere Not gerieten.

   Trotzdem, so berichtet der Landgerichtsverwalter von Jaidhof, glaubte man, im betroffenen Gebiet noch "glimpflich davongekommen" zu sein, gemessen an dem Unwetter, das bereits zwei Tage zuvor, am 6. Juli 1781, über die Gegend von Stadt und Kloster Zwettl, sowie weiter westwärts in Richtung Groß Gerungs, sodann seitwärts gegen Schwarzenau, sich durch dichte, fast tiefschwarze Wolkenwände ankündigte und schließlich über dem vorbezeichneten Gebiet als schwerer Wolkenbruch, vermischt mit eigroßen Hagelschloßen, sich entlud. Die Spuren dieser Unwetterkatastrophe waren unbeschreiblich. Seenartig überflutete, von meterhohem Schlamm und Geröll erfüllte, sowie von tiefen Gräben durchfurchte Wiesengründe waren die eindruckvollsten Spuren der tobenden Elemente. Der Reife entgegengehende Kornfelder wurden in wenigen Minuten in Schlamm überzogene Breiten verwandelt. Häuser und Mühlen wurden weggerissen und verschwanden spurlos in den tobenden Fluten. Der angerichtete Schaden in der Umgebung von Zwettl allein wurde mit mehr als 20.000 Gulden beziffert, und die Untertanen von Rappottenstein haben ihre ruinierten Häuser und Grundstücke der Herrschaft anheimgesagt. Dieses Unwetter verheerte damals die Bezirke Zwettl, Waidhofen an der Thaya und Horn.

   Wie sich jedoch später herausstellte, war das Gewitter am 8. Juli 1781, einem Sonntag, am schwersten und entlud sich zunächst ebenfalls über dem Gebiet von Zwettl und der Herrschaft Rastenberg, drehte aber nach einiger Zeit nach Nordosten ab, verwüstete, wie schon geschildert, das Gebiet des Gföhler- und Hornerwaldes und zog schließlich in die Horner und Pulkauer Gegend, wo es mit noch nie dagewesener Heftigkeit einsetzte. In der Stadt Horn trat schon nach kurzer Zeit der Stadt-Teich über die Dämme. Die gewaltigen Wassermengen sprengten eine beim Wienertor aufgeführte Mauer und ergossen sich hemmungslos über das herrschaftiche Brauhaus. Drei, mit vollen Bierfässern beladene Wagen, alle Wirtschaftsgeräte und das Vieh verschwanden in kürzester Zeit in den hochgehenden Sturzfluten, wobei mehrere Mauern einstürzten und die schweren Braupfannen weggerissen wurden. Der Bestandsinhaber, Braumeister Faber, erlitt einen geschätzten Schaden von mehr als 4000 Gulden und stand hiedurch vor dem völligen Ruin.

    Gleich unterhalb des Brauhauses wurde ein Maurerhäusl weggerissen und samt einem gerade darin befindlichen alten Ehepaar fortgeschwemmt, wobei der Mann anderntags unter der Stadt Horn, sein Eheweib aber erst am dritten Tag in den überschwemmten Auen bei Schönberg am Kamp tot aufgefunden wurden.

   Auch hier dauerte die Gewalt des Wolkenbruches von zehn Uhr abends bis sechs Uhr früh mit unvermindeter Heftigkeit an. Die an der Stadt vorbeifließende Taffa verwandelte sich augenblicklich in einen reißenden Strom, riß Mühlen, Wehranlagen und Hammerwerke hinweg und wurden den Horner Bürgern selbst ihre Schießstattgebäude fortgetragen. Der der Herrschaft Horn und an deren Untertansgründen entstandene Schaden wurde damals auf mehrere zehntausend Gulden beziffert, worunter die Ortschaften Frauenhofen, Mödring und Breiteneich am schwersten in Mitleidenschaft gezogen wurden, wo selbst der Viehbestand teilweise verloren ging. Durch Blitzschläge würden in Mödring und Nondorf mehrere Bauernhöfe in Asche gelegt und in Horn und den umliegenden Dörfern die Keller und Weinlager unter Wasser gesetzt und größtenteils zerstört.

   Im landesfürstlichen Markt Pulkau wurden mehr als vierzig Häuser teils weggerissen, teils so übel zugerichtet, daß sie abgetragen werden mußten. Einem Kaufmann daselbst wurde das ganze Warenlager zerstört und samt seinem Gelde fortgeschwemmt, wobei er einen auf mehr als 5000 Gulden bezifferten Schaden erlitt.

   Insgesamt wurden zwanzig Menschenleben vermißt, wovon nach verläßlichen Angaben 14 Personen an den darauffolgenden Tagen in aufgerissenen Wasserlöchern aufgefunden und im Zustande fortgeschrittener Verwesung gleich an Ort und Stelle begraben worden sind.

   Besonders schwer wurden die Ufergemeinden längs des Kampes von Gars abwärts über Zöbing, Haindorf, Hadersdorf und Grafenegg bis zur Donau heimgesucht und größtenteils unter Wasser gesetzt. Und da wegen anhaltender Dürre auch hier im selben Jahr ein frühzeitiger Kornschnitt einsetzte und zur Zeit des Unwetters schon viele Kornmandel auf den Feldern standen, schwammen große Mengen von Korngarben, dichtgedrängt, kampabwärts der Donau zu.

   Eine glaubwürdige Bestätigung fand dieser Bericht zuletzt noch durch die Aussage des Hauptmannes v. Bayer vom Toskana-Regiment Nr. 23, der um die angegebene Zeit gerade von Krems über Gföhl nach Waidhofen an der Thaya in "Allerhöchsten Angelegenheiten" zur böhmischen Grenze abreisen mußte, im Dorfe Felsenberg bei Göpfritz von diesem Unwetter überrascht wurde und in der Scheune des dortigen Dorfrichters zu nächtigen gezwungen war. Gelegentlich seiner Rückreise in die Kremser Garnison berichtete er dem Landgerichtsverwalter in Gföhl-Jaidhof über seine während des Unwetters gemachten Wahrnehmungen in den heimgesuchten Gebieten und beteuerte, noch nie in seinem Leben derartig große Eisschloßen und in solcher gewaltigen Menge gesehen zu haben, wobei er die an den Feldern, Wiesen und Wegen angerichteten Schäden am Morgen des 9. Juli 1781 persönlich in Augenschein nehmen konnte.

    Tränen, Verzweiflung und Hilflosigkeit mögen damals in den Hütten der betroffenen Landbauern und Städter Einkehr gehalten haben, weil wirtschaftliche Rückschläge auf Jahre hinaus ihre Schatten voraus warfen. Dennoch bezwang bäuerlicher Fleiß und Zähigkeit, gepaart mit großer Anhänglichkeit an die heimatliche Scholle und hartem Willen auch diesen schier unüberwindlichen Schicksalsschlag. 

   Im Ablauf der Zeiten wurden wurden die damals betroffenen Gebiete seither längst mehr als einmal von ähnlichen Elementarkatastrophen heimgesucht, doch immer siegte der Bauersmann über die entfesselte Natur durch Arbeitswillen, Mut, Zuversicht und Hoffnung, einer besseren ZUkunft entgegenzugehen !

 

Otmar Schuster, im Juni 2018