Besucher im lfd Monat

  

31. März 2020  43100

 

31. Aug  2020  46430

Oktober 2020
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
 
 
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
 
 
 
 
 
 
 
 

Die Windhagsche Stipendienstiftung

 

eine Einrichtung die gerade bei uns im zentralen Waldviertel, mit ihrem heutigen Sitz auf Schloss Waldreichs, nicht unbekannt ist. Diese Stiftung hat als einziger Grundeigentümer des Truppenübungsplatzes Allentsteig 1959 Grund und Boden in Form eines Tauschgeschäftes in rund dreifacher Größe zurückerhalten, was unter anderem mit unterschiedlichen Grundstückswerten und Bodenverhältnissen begründet wurde. 

 

Joachim Enzmilner 1600-1678 , Graf von Windhag, Biographie

 

 

Joachim, Reichsgraf und Herr von und zu Windhag, auf Pragthal, Münzbach und Saxenegg, Freiherr zu Rosenburg am Großen Kamp und Wolfshof(en), Herr zu Großpoppen, Neunzen, Wurmbach und Kirchstetten, Eigentumsherr der Herrschaft Reichau am Freiwalde und Groß Pertholz, der Römischen Kaiserlichen Majestät Rat und Regent des Regiment der Niederösterreichischen Lande, etc. zählte im 17. Jahrhundert zu den großen Grundbesitzern im niederösterreichischen Viertel ober dem Manhartsberg und übt durch die Errichtung seiner Stipendienstiftung auch heute Einfluss auf die Viertelstruktur aus.

 

 Wer war dieser Mann ?

 

Joachim Enzmilner, geboren 1600 im schwäbischen Babenhausen an der Günz, nach zwei Töchtern der erste Sohn der zweiten Ehe seines Vaters. Sein Vater war Magister Jodok, ein lateinischer Schulmeister über den sonst kaum etwas bekannt ist. Joachim konnte nach juridischen Studien, welche er 1626 an der Alma Mater Rudolphina mit einem Doktortitel abschloss, durch Fleiß, Sparsamkeit, soziale Netzwerke und sicher auch Glück im Dienst bei den Ländern und bei Hof eine hervorragende Stellung erreichen und großen Reichtum anhäufen. 1627 schloss er seine 1. Ehe mit der 1608 in Wien geborenen Maria Kirchstetterin, Edle von Kirchstetten. Ihr früh verstorbener Vater Christoph war Handelsmann und kaiserlicher Sekretär im Ritterstand. Wieviel an väterlichem Erbe sie in die Ehe einbrachte, wird im Ehevertrag nicht aufgelistet. Sicher aber waren für die Karriere des jungen Enzmilner ihre familiären Netzwerke sehr wichtig. Ihr Stiefvater, der nö Regimentskanzler Christian Schäffler, ebnete ihm wohl die Wege nach Niederösterreich. Durch ihre Großmutter, eine Eißlerin aus lutherischen Familie, gab es verwandtschaftliche Verbindungen zu den evangelischen Schütter von Klingenberg in Oberösterreich, die Enzmilner als Anwalt vertreten durfte und von denen er die schwer verschuldeten Herrschaften Kirchberg im Donautaler Landgericht und Windhag erwarb. 1629 erfolgte die Geburt seiner einzigen Tochter Eva Magdalena. Genau genommen ist Eva Magdalena nicht seine einzige Tochter. Seine Frau Maria gebar Enzmilner eigentlich fünfzehn Kinder, wovon zehn tot zur Welt kamen und vier nach der Taufe verstarben. Eva Magdalena war die einzige die überlebte.

 

Im Auftrag der Stände führte Enzmilner im Bauernaufstand des Jahres 1632 erfolgreich Verhandlungen mit Rebellen und im selben Jahr wurde er auch zum ersten Mal einer Reformkommission zur (Re-)Katholisierung der Evangelischen beigezogen. 1636 erwarb Enzmilner von der Schütterischen Verwandtschaft die oberösterreichische Herrschaft Windhag um einen Betrag von 50 000 Gulden und 300 Taler. Diese Summe lag weit unter dem Schätzwert. 1637 nahm er die Berufung als kaiserlichen Rat in das Regiment der niederösterreichischen Stände an, eine Funktion die er bis zu seinem Tode innehatte und die sehr unterschiedliche Tätigkeiten einschloss. Die Berufung nach Wien erforderte auch die Anschaffung eines weiteren Hauses, welches zuerst ein Teil des Göttweiger Hofes und dann das Haus in der Bäckerstraße war, welches später von der Windhagschen Stipendienstiftung verwendet wurde. Im Jahr 1640 wurde ihm von Kaiser Ferdinand III. am Reichstag gestattet, das pragerische Wappen als Herzschild in sein Familienwappen aufzunehmen. Neben dem amtlichen Aufstieg kam auch der Standesaufstieg. 1641 wurde er auch in den niederösterreichischen Ritterstand erhoben, 1651 in den Freiherrnstand.

 

   Laut Diplom erhob Kaiser Ferdinand III. ihn wegen seiner sonderbar, berühmten, guten  Qualitäten, adeliger Sitten und Tugenden, Vernunft, Geschicklichkeit und trefflichen Erfahrenheit auch wegen der weiland Ferdinand II. durch 15 Jahre lang in der niederösterreichischen Regierung treu geleisteten Dienste, in den Freiherrnstand mit dem Prädikate "Wohlgeborner Freiherr von Windhag, Herr auf Pragtal und Saxenegg" unter der Weglassung seines Familiennamens "Enzmilner". Als weitere Verdienste werden noch aufgezählt seine Verwendung in der oberösterreichischen Bauernrebellion in den Jahren 1625, 1626 und 1628.

 

1659 starb Freifrau Maria von Windhaag, die erste Frau des Grafen, und wurde in der Familiengruft der Pfarrkirche Münzbach beigesetzt.

 

1661 kam es dann zur Verehelichung mit seinem ehemaligen Mündel Maria Emilia Katharina Gräfin Sprinzenstein, eine Ehe, welche nicht nur durch den enormen Altersunterschied (36 Jahre) alles andere als glücklich war. Die Dame aus gutem Hause, (die Familie Sprinzenstein besaß ein Schloß an der kleinen Mühl im Mühlviertel, Freiherr Wenzel Reichard von und zu Sprinzenstein wurde 1646 von Kaiser Friedrich III. in den Reichsgrafenstand erhoben) erwartete sich wohl ein glänzendes Leben an der Seite von Joachim Enzmilner, doch dieser zeichnete sich durch seine große Sparsamkeit aus und hielt Abstand von den meisten Vergnügungen. Sie zog sich nach dem Tode ihres Mannes auf das von ihrer Mutter ererbte schlesische Gut Läsoth zurück, wo sie schon 1786 verstarb.

 

Das einzige wofür Windhaag sein Vermögen opferte, war, abgesehen von der Erbauung seines Schlosses, seine Bibliothek sowie seine Kunstkammer.

 

Durch die Verehelichung mit einer Gräfin erklomm er allerdings erneut eine höhere Stufe und 1669 wurde er dann auch in den Grafenstand erhoben - der Höhepunkt seines Aufstiegs.

 

Auch weitere Grundbesitzerwerbungen folgten in Niederösterreich, wie etwa Reichenau am Freiwalde, Groß Poppen und Neunzen, Rosenburg und Kirchstetten bei Laa an der Thaya.

 

Der Graf von Windhag erfreute sich Zeit seines Lebens bester Gesundheit und bewahrte sich bis ins hohe Alter ein äußerst gutes Gedächtnis und seine Sehfähigkeit. Dank seines guten Zustandes konnte er auch noch als alter Mann dem Staat seinen Dienst leisten und so war er mit 70 Jahren noch im Klosterrat tätig. Mit 70 Jahren verfasste er auch sein umfangreiches Testament, auf das jedoch nicht genauer eingegangen werden wird. 

 

Joachim Graf von Windhag starb am 21. Mai 1678 und widmete den Großteil seines Vermögens dem von ihm für seine Tochter gegründeten Dominikanerinnenstift in Windhag und einer Stipendienstiftung für Studierende.

 

Die religiöse Haltung des Grafen Joachim von Windhag die er als Reformationskommissär von Amts wegen vertrat und die ihm oft allein als Mittel zum Zweck seines gesellschaftlichen und finanziellen Aufstieges vorgeworfen wurde, prägte sein gesamtes Leben und Wirken. Seine Tochter Eva Magdalena zeigte früh die Neigung zum Klostereintritt, was ihr Vater nicht tolerieren wollte. Einerseits kannte er das Interesse der Orden an einer so reichen Alleinerbin, andererseits wollte er sein Vermögen sicher auch leiblichen Nachkommen übergeben. Die Tochter scheint jedoch das Durchsetzungsvermögen ihres Vaters geerbt zu haben. Sie legte 1647 mit achtzehn Jahren heimlich das Gelübde ab, floh 1648 aus dem Elternhause nach Tulln, wo eine Tante Nonne im Dominikanerinnenkloster war. 1650 legte sie hier das ewige Gelübde ab. Die Gründung des Dominikanerinnenstiftes in Windhag ist allerdings auch damit zu erklären, das Windhags einzige Tochter in den Orden eintrat. Dies führte zu heftigen Diskussionen in der Familie. Sowohl Windhag selbst als auch seine Frau waren dagegen. Maria von Windhag soll sogar an dieser Entscheidung ihrer Tochter zu Grunde gegangen sein und auch bei Winghag selbst soll dies in weiterer Folge zum Tode geführt haben.

 

Die Gründung des Dominikanerklosters in Windhag wurde durch den Entschluss seiner Tochter, in den Orden einzutreten, veranlasst, um sie in seiner Nähe zu haben. Seit 1667 lebte sie nun mit ihren Mitschwestern im ehemaligen Schloss Windhag, welches nun als Kloster verwendet wurde und 1668 wurde Eva Magdalena durch bischöfliche Ernennung als erste Priorin des Klosters eingesetzt. 1673 wurde das Jungfrauenkloster, welches für insgesamt zwölf Nonnen errichtet wurde, von Passau aus ordentlich bestätigt. Der Graf von Windhag sorgte allerdings nicht nur für das geistliche, sondern auch für das leibliche Wohl der Klosterfrauen und versorgte sie mit Wein und Getreide. Eva Magdalena starb 1700 und hinterließ durch ihre Bauwut und andere Unglücksfälle 12 700 Gulden an Schulden. Das Kloster wurde 1782 aufgelöst.

 

Die Windhagsche Stipendienstiftung für Niederösterreich

 

 Ins Leben gerufen1670 von Joachim Enzmilner, Graf Windhag. Sie diente nach seinem Tode 1678 der Unterbringung, Verpflegung und Ausstattung von Studenten des Wiener Seminars (Alumnat), das in seinem Haus in Wien in der Bäckerstraße untergebracht war, sowie Studenten der Universität Wien. Nach der Aufhebung des Alumnats durch Joseph II. wurden Handstipendien vergeben. Durch gute Verwaltung ist das Vermögen der Stiftung gewachsen und im 19. Jahrhundert war diese Stipendienstiftung die größte in Österreich.

 

Die Stiftung ist eine eigene Rechtspersönlichkeit, die seit 1670 von der niederösterreichischen Landesregierung bzw. vom niederösterreichschen Landeshauptmann/Landeshauptfrau verwaltet wird und mehrfach in ihrer Form geändert wurde. Gemäß den aktuellen Richtlinien werden jährlich zwanzig Leistungsstipendien für besondere Studienleistungen an bedürftige katholische Studenten aus Niederösterreich vergeben.  

 

Die Stiftung ist Eigentümerin des Forstamtes Ottenstein mit Sitz in dem 1258 erstmals erwähnten und 1983 restaurierten Schloss Waldreichs und verfügt über 3120 Hektar Grundfläche, davon Forstwirtschaft 2300 Hektar, Landwirtschaft 310 Hektar, Stausee 410 Hektar, Teichwirtschaft 70 Hektar, Forstgarten 25 Hektar und sonstige Flächen 5 Hektar. Weiters ist die Stiftung auch Eigentümerin eines Hauses in der Bäckerstraße in Wien 1.

 

Das Windhag`sche Stiftungshaus in der Bäckerstraße 9

 

Das Gebäude war ein bemerkenswertes Renaissance-Bürgerhaus das 1559 für den Wiener Bürgermeister Johannes Thau errichtet wurde. Es gelangte 1648 in den Besitz des Joachim Freiherr von Windhag, der ein von 1682 bis 1784 bestehendes geistliches Alumnat stiftete. Das Haus mit seinem Renaissance Arkadenhof wurde 1944 weigehend durch Bomben zerstört, so dass nur die Fassade in der Bäckerstraße bis zum 1. Obergeschoss erhalten blieb. 1951/1952 erfolgte aus Mitteln des Wohnhauswiederaufbaufonds ein völlige Neubau im Innern. 1988/1989 erfolgte eine Renovierung und unter anderem ein Anschluß an die Fernwärme Wien.

Hervorzuheben ist das Renaisance-Rundbogenportal in einer Rechteckrahmung. Es zeigt die Bauinschrift 1559 und ein Wappen. Darüber befindet sich ein voluten- und vasenbekröntes Fenster, das Anfangs des 17. Jahrhunderts durch palmettenbesetzte Voluten mit dem Portal zusammengefasst wurde. Über dem Fenster befindet sich eine Wappenkartusche, links davon eine reich ornamentierte Figurennische aus dem 3. Viertel des 17. Jahrhunderts mit einer Muttergottes des Mariahilf-Typus um 1700.

 

1840, drei Jahre nach seiner Hochzeit mit Amalie Mohaupt, zieht der 35-jährige Adalbert Stifter in dieses Wohnhaus. In diesem Jahr erscheint sein Text "Der Condor" in der "Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode".  

 

 

Otmar Schuster, einsehbar seit 8. Juli 2018

Oberstrahlbach im NÖ Waldviertel