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"Kornschnitt dazumal"

 

aus "Das Waldviertel" 1982, Heft 10-12, von Lepoldine Fuchs aus Grünbach

 

   Wenn das Getreidekorn (Troadkörndl) über den Daumennagel gebrochen abbrach, begann der Kornschnitt (Ernte des Roggens). Sensen wurden gedengelt, (geschärft), von jedem Hof hörte man das gleichmäßige Klopfen. "Wachler" oder "Plättern" genannt, wurden hergerichtet.

   Vor dem Kornschnitt foppte die Wachtel, ein Hühnervogel, im Feld: "Qui, Qui, find`st mi(ch) nit", war aber s`Troad o(h)g`maht, nochha woas stad.

   Im Kornfeld hielten die Grillen Konzert. Hörten sie die Senden rauschen, so waren sie stumm. Rehe hatten ihr Versteck. In hohem Bogen sprangen sie auf und flüchteten in den Wald. Rebhühner mit ihren "Kitt" Jungen, wußten nicht wo aus oder ein.

   Die Familie zog mit Kindern, Knecht und Magd aus dem Haus. Die Kinder mußten Bandl auflegen und Garben tragen - je zehn Stück für ein Mandl. Die zehnte Garbe wurde wie ein Hut übergestülpt. (Erinnerung an den Zehent) Später wurden nur mehr Neuner-Mandl aufgestellt. Scherzhaft sagte man: "Jetzt sind`s Weiber!".

   Ging starker Wind, mußte man die Garben halten. Die ersten drei Garben eines Mandels nannte man den "Stock". Wenn fünf Garben aufgestellt waren, konnte man loslassen.

   Mit einem Schlepp-Rechen (Halm-Rechen) wurden die verstreut liegenden Halme zusammengezogen.

    Das Anmähen des Korns zu schiefliegenden Schwaden war eine Geschicklicheitssache. Nicht jeder Mäher brachte dies fertig. Man hakte gerade ein, dadurch entstand eine zackige Schwade, die schwierig und mühsam zum Aufnehmen war.

    Der Garbenbinder stellte auch Forderungen: Die Wellen nicht zu groß, nicht zu klein aufnehmen, schön einrollen, die Köpfe eben stossen, nicht zu lange Köpfe auflegen!

     Der Garbenbinder bekam den Auftrag, die Bänder fest anzuziehen, damit der Fuhrman nicht lauter "lumperte" Binkerl aufladen mußte.

   Die zehn- bis zwölfjährigen Kinder mußten das Knebeln (Zusammenbinden der Garben) lernen. Großväter waren geduldige Lehrmeister. Hatte man die Sache im Griff, machte die Arbeit Spaß.

    Zur Jausenzeit suchte man ein schattiges Platzerl. Auf jedem Feld war ein Reithl, wo eine Steineiche, eine Dirndlstaude oder eine zerzauste Birke stand. Dort ließ man sich nieder. Es gab: Brot, Butter, Topfen, Most und Wein, gekochte Eier, für die Kinder Brause-Kracherl.    

   Einstimmig sagten alle: "Für den Bauern ist der Schnitt die schönste Zeit." Nicht nur die Familie, alle Dorfbewohner waren auf den Feldern. Scherzworte und Neckereien wurden hin und her geworfen.

   Fast feierlich war die letzte Mahd. Ein Büschel Korn wurde dem Winter verehrt, damit er nicht böse werden sollte. Mit einem kräftigen Jauchzer (Juchetzer!) wurden 20, mehr oder weniger, Halme zu einem Knoten gebunden. Weithin hörte man den Schall - das kündigte den Schluß an.

   Am Heimweg trafen sich die jungen Leute. Es dunkelte bereits jeden Tag. In den Tümpeln quakten die Frösche um die Wette. Es war endlich Feierabend. Zum Abschluß gab es ein Schnitter-Abendessen. Es bestand aus Krapfen und Weinsuppe.

   Hörte man von irgendwo den ersten Jauchzer, den ein junger Knecht oder ein junger Bauer über die Felder erschallen ließ, so wußte man: Die sind fertig! Umso mehr strengte man sich an. Der ganz letzte wollte man nicht sein.

   Die Dienstboten bekamen den "Schnitterlohn", entweder Geld oder Wäsche oder Kleiderstoffe. Auch die mithelfenden Kinder durften nicht leer ausgehen. Sie ehielten eine Krone als Lohn. Beim nächsten Kirtag zahlten Vater und Mutter beim Zuckerbäckerstand ein großes Stamperl Met. Die Mädchen bekamen ein Lebzeltenherz, die Buben einen Roßreiter.

   Bei der Getreideernte blieben nur die ganz alten Leute zu Hause. Sie waren sozusagen die Wächter des Dorfes, denn die Gelegenheit war günstig für Diebe und Einbrecher, besonders in Kriegszeiten.

   Heutzutage ist das Grillenzirpen nur mehr selten zu hören. Rebhühner fliegen auch keine mehr auf. Die Wachtel mahnt nicht mehr. Aus dem Kornfeld springen kaum mehr Rehe heraus.

   Die Steinreuthl sind weggebaggert. Die Bründl sind verschüttet. Die Gräben sind verrohrt. Erlen und Birken stehen nur mehr vereinzelt.

   Junge Menschen fragen: Was kostete früher eine Sense ? Ich frage: Was kostet heute ein Mähdrescher ?

   Auch die Menschen auf den Maschinen müssen schwitzen, sie sind voll Staub, voll Öl und voll Ruß. Ja, der Herrgott hat schon zu Adam gesagt: Im Schweiße deines Angesichtet sollt du dein Brot verdienen! 

 

Otmar Schuster, einsehbar seit 13. Juli 2018