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Naturstein aus dem Waldviertel

aus der Zeitschrift "Das Waldviertel" Jahrgang 1967, Heft 7-9. Von Othmar K.M. Zaubek

 

Die Böhmische Masse, also Wald- und Mühlviertel ist ein Überrest des im Erdaltertum entstandenen Südvariskischen Gebirges. Im Laufe der Jahrmillionen wurden diese Gebirgs-stöcke natürlich durch Wind und Wetter abgetragen und zu einer mehr oder weniger sanften Hügellandschaft eingerumpft. Der Gneis entstand bereits am Anfang des Erdaltertums. Er ist in seiner chemischen Zusammensetzung, Feldspat, Quarz und Glimmer, dem Granit gleich, nur ist seine Struktur eine unterschiedliche da er durch Gebirgsbildung umgeformt wurde. Auf diese Weise lassen sich auch die vereinzelten und weit verstreut liegenden Marmorvorkommen im Waldviertel erklären. Marmor ist nämlich ebenfalls durch Erdumschichtungen in seiner Struktur veränderter Kalkspat. Marmor entstand daher zumeist an Bruchlinien oder Unterbrechungen im normalen Auffaltungs-verlauf der Gebirgsschichten. Erst Millionen Jahre später, im Karbon, gegen Ende des Erdaltertums, drang in diese Schichten flüssiges Erdinneres, Magna genannt, ein. Im Verlauf seiner Erkaltung enstand nun unser Granit. Wo die flüssige Masse in Ruhe auskühlen konnte entstanden entsprechend große Gemengteile und Kristalle. Feinkörnige Granite lassen in der Regel auf eine vorzeitige Unterbrechung der Kristallisationsperiode schließen. Das Magma drang oft jäh in die alten Schichten ein und bildete so Gänge in der überlagerten Gesteinsmasse. Auf diese Weise lassen sich auch die Gangquarze, etwa im Gebiet von Weitra erklären. An den Rändern des Eindringgebietes vermischte sich das Magma mit bereits älteren Schichten und auf diese Weise entstand C o r d i e r i t g n e i s, eine Mischung zwischen Granit und Gneis. Im Laufe der folgenden Jahrmillionen wurden die Schichten, die den Granit überlagerten, abgetragen und eingerumpft.

   Wir können ganz grob den Waldviertler Granit in Diorit und Granit einteilen. Beim Granit unterscheiden wir wieder den Weinsberger, den Schremser und Eisgarner oder besser Gmünder Granit mit dem Typus Herschenberg und Aalfang. Alle diese genannten Arten, der Weinsberger am wenigsten, werden wirtschaftlich genutzt. Bemerkenswert ist auch eine Abart des Mauthausners, die roten Feldspat führt, und nur im Gebiet des Nebelsteins aufscheint. An eine wirtschaftliche Nutzung ist bei der Kleinheit des Vorkommens natürlich nicht zu denken.

   Alle Granitarten besitzen eine ausgezeichnete Wetterbeständigkeit, und mit Ausnahme des Diorits, der dunkelgrau bis schwarz ist, auch eine annähernd gleiche Farbe, nämlich hellgrau bis blaugrau. Druckfestigkeit und Härte sind ebenfalls besonders gut. Die verschiedenen Abarten unterscheiden sich hauptsächlich durch die Gemengteilgröße. Hiebei ist der Weinsberger großkörnig, der Gmünder grobkörnig und der Schremser feinkörnig. Beim Diorit haben wir mittlere Korngröße.

   Die Bearbeitung heimischer Steine begann in unserem Gebiet  mit der Römerzeit. In der folgenden Völkerwanderungszeit wurden die Römerbauten oft als Steinbrüche verwendet. Durch die Ostkolonisation der Klöster erlangte der Steinbau wieder seine alte Bedeutung. Die Methoden der Steinbearbeitung und die Werkzeuge blieben von dieser Zeit an bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts ziemlich unverändert. Aus den mittelalterlichen Bauhütten bildeten sich in späterer Zeit die Zünfte.

   In unserer engeren Heimat wurde nachweisbar erstmalig beim Kirchenbau in Altweitra, also um 1150, Gmünder Granit für die Quader verwendet. Aber erst nach fast 400 Jahren finden wir geregelte Zünfte vor. Aus 1653 ist uns eine Zunftordnung und bereits aus 1563 ein Zunftkrug der Steinmetzen erhalten. Um 1650 beginnt auch ein Meistereinzahlungsbuch der Zunft, aus dem hervorgeht, daß in jener Zeit in Gmünd 4 und in Hoheneich 1 Meister dieser Zunft waren. Um 1700 hat die Steinverarbeitung in Gmünd bereits große Bedeutung. Jüngeren Datums ist die Granitverarbeitung in Schrems. Erstmals wird im Meisterbuch der Zunft in Gmünd ein Meister in Schrems im Jahre 1772 genannt. Es ist allerdings möglich, daß sich bereits einige Jahre früher ein Steinmetzmeister in Schrems angesiedelt hat, da das Meisterbuch keine Berichte aus den Jahren 1762 bis 1771 enthält. Ferner ist noch zu bemerken, daß in jener Zeit nur die Findlingsblöcke, wie sie noch immer fälschlich bezeichnet werden, die oft gewaltige Dimensionen hatten, verarbeitet wurden. Die Granitblöcke des Waldviertels sind keine Findlinge, da man unter diesen nur vom Gletscher in andere Gebiete verfrachtete Blöcke versteht. Das Waldviertel war allerdings nie vergletschert, als Beweis seien die Reliktpflanzen im Hochmoor von Karlstift, die seit der Eiszeit hier angesiedelt sind, angeführt. Unsere Granitblöcke sind vielmehr Restlinge und in unserem Gebiet entstanden und geformt. Wir bezeichnen die Abrundung der Ecken und Kanten der Blöcke durch Wasser, Humussäuren und mechanische Kräfte Wollsackverwitterung. Auf diese Weise sind also die oft sonderbaren Formen im Waldviertler Granit entstanden.

   1868, mit dem Bau der Franz-Josefs-Bahn, trat ein großer Wendepunkt in der heimischen Granitindustrie ein, da nun der Transport ungemein erleichtert wurde. Für alle Donaubrücken im Gebiet der ehemaligen Donaumonarchie, also von L i n z  bis C e r n a v o d a in Rumänien wurde unser Waldviertler Granit verwendet. Auch bei wichtigen Bahnbauten, so bei der Tauernbahn, und bei der Moldauregulierung in Prag bewährte sich das heimische Gestein. Ganz aus Gmünder Granit ist die Nußdorfer Schleuse in Wien sowie die Auffangschale des Lindwurmbrunnens in Klagenfurt. 

   Die beiden Weltkriege waren freilich ein gewaltiger Rückschlag. Aber bald wieder wurde mit dem Aufbau und der Modernisierung begonnen. Derzeit stehen den Steinmetzen die modernsten Maschinen, Fräsen, Gattersägen und Poliermaschinen zur Verfügung. Im Verwaltungsbezirk Gmünd sind derzeit in der Steinindustrie an die 500 Menschen beschäftigt. Drei heimische und ebenfalls drei aus anderen Teilen Österreichs stammende Firmen haben im Bezirk Gmünd Steinbrüche. Die Firma Ullrich aus Gmünd hat Brüche in Allfang und Haslau, die Firma Josef Widy aus Schrems in Gebharts und Eibenstein, Bruch Herschenberg und die Schremser Firma Greiner einen Dioritbruch in Haslau. In Schrems befindet sich auch eine Landesberufsschule für Steinmetzen, so daß keine Sorge für den Nachwuchs besteht. In Haslau hat ferner die Firma Oswald Rada aus Poysdorf einen Dioritbruch. Granitbrüche und ein sehr modernes Schotterwerk im Gebiet von Schrems gehören der Schärdinger Granitindustrie. Abschließend haben noch die Gemeinden Wien und die Vereinigten Baustoff- und Betonwerke Wien Brüche auf dem Hartberg bei Schrems.

   Im Gebiet von Kottes und Els, im Verwaltungsbezirk Zwettl, wird Waldviertler Marmor gebrochen. Er spielt im Gegensatz zum Granit als Bau- und Werkstein keine große Rolle. Seine Verwendung als Zierstein, poliert und geschliffen, ist allerdings erwähnenswert.

   In Zogelsdorf bei Eggenburg wird Sandstein abgebaut, der sich besonders gut für künstlerische Zwecke, also für Plastiken  eignet. Diese Vorkommen wurden bereits in der Barockzeit genützt, wie verschiedene Statuen beweisen.

 

Situation heute: Die Firma Widy wurde anfang der 90er Jahre an die Firma Poschacher, Mauthausen OÖ, verkauft. Sehr bekannt ist heute die Firma Kammerer in Schrems, sowie die Firma Pfeiffer Natursteine in Langschwarza, deren Seniorchef noch bei der Firma Widy seine Lehrjahre absolvierte.

 

Otmar Schuster, einsehbar seit 25. August 2018