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Georg Ritter von Schönerer 

 

 Den Älteren unter uns wird der frühere Besitzer des Schlosses Rosenau noch aus den Erzählungen der Eltern nicht unbekannt sein. Meine Mutter, geb 1913, hat ihn nur mehr als Bürgerschülerin in Zwettl erlebt, aber sie hat zeitlebens nur gut von ihm gesprochen und daß er mit seinem Pferdewägelchen durch Zwettl, Syrafeld und andere Orte gefahren ist und an die Kinder Münzen verteilen ließ, wenn sie ihm zujubelten.

 

   Schönerer wurde 1842 in Wien geboren. Er war nach zwei Schwestern das dritte Kind von Mathias und Maria Schönerer und der einzige Sohn, dem dann noch zwei jüngere Schwestern folgen sollten. Vater Mathias Schönerer war ein äußerst tüchtiger Eisenbahningenieur, er war Bau- und Betriebsdirektor der Wien-Gloggnitzer-Bahn (WGB)und gründete 1839 die Reparatur-werkstätte in der Nähe des Wiener Bahnhofs der WGB, die spätere österreichische Eisenbahn- und Lokomotivenfabrik. Von einer Studienreise in die USA brachte er 1838 aus Philadelphia eine Lokomotive mit, die mit Erlaubnis des Kaisers in Meidling aufgestellt wurde. Ihr verdankt die Philadelphiabrücke in Wien ihren Namen. 1860 zeichnete ihn Kaiser Franz Josef mit dem Orden der Eisernen Krone dritter Klasse aus. Mit dieser Auszeichnung war auch der Adelstitel "Ritter von" verbunden.

 

   Da der junge Georg ebenfalls eine technische Ausbildung erhalten sollte besuchte er in Wien die Realschule. Hier wurde er ein Problem für die Lehrer, da er nicht lernen wollte und sich ungebärdig benahm. Auch die Eltern dürften ihre Schwierigkeiten mit ihm gehabt haben. Jedenfalls schickte man Georg nun weit weg. Nach Dresden, in eine Landwirtschaftliche Berufsschule. Danach besuchte er in Dresden eine Handelslehranstalt. Es war aber die Landwirtschaft, die den weiteren Lebensweg Schönerers bestimmen sollte.

 

   Nach mehreren Schul- und Praxisjahren in verschiedenen Gebieten Deutschlands und Österreichs kehrte er 1869 nach Wien zurück. Sein Vater hatte in der Zwischenzeit ein beträchtliches Vermögen erwirtschaftet und davon mehrere Häuser und 1868 auch das Schloß Rosenau gekauft, dessen Verwaltung er Georg übertrug. Angeblich soll Mathias von Schönerer für Schloß Rosenau, zu dem immerhin mehr als 102 Hektar Grundbesitz mit den Meierhöfen Rosenau und Schickenhof gehörten, 500.000 Gulden bezahlt haben. Mit seinen Schwestern scheint Georg eher wenig in Kontakt gewesen sein. Nach dem Tode seines Vaters 1881 erbte er ein beachtliches Vermögen, das ca eine Million Gulden betragen haben mag. Sein jährliches Einkommen wird auf etwa 45.000 Gulden geschätzt.

 

1720 bis 1803 war das die Herrschaft samt Schloß Rosenau im Besitz der Grafen Schallenberg. Josef Graf Schallenberg verkaufte 1803 die Herrschaft Rosenau an den hannoveranischen Gesandten in Wien, Ernst Georg Christoph August Graf von Hardenberg, dessen Neffe es 1832 an den Ökonomen Andreas Freiherr von Stift verkaufte. Nach ein paar wechselnden Besitzern kam es in bürgerliche Hände. 1868 erwarb es Mathias Schönerer, er gehörte damals zu den Eisenbahnpionieren Österreichs. Bis 1921 war Sohn Georg Ritter von Schönerer, Führer der Deutschnationalen "Los-von-Rom-Bewegung", Besitzer in Schloß Rosenau. Eine Gewaltaktion gegen politische Gegner brachte ihn ins Gefängnis und um den Adelstitel. (Diesen  erhielt er 1917 durch eine Amnestie Kaiser Karls I. zurück.)  

 

    Schönerer erwies sich als tüchtiger Landwirt und freigiebiger Gutsherr. So unterstützte er die Gründung von Landwirtschaftlichen Gesellschaften (Casinos), Feuerwehren, Volks-büchereien und Turnvereinen. Notleidende Personen in seiner Nachbarschaft und soziale Einrichtungen durften auf materielle Unterstützung hoffen.

 

   In diesem Sinne lebt er auch in der Erinnerung der Bevölkerung des mittleren Waldviertels weiter, als ein manchmal unnahbarer, aber doch großzügiger und freigiebiger Gutsherr, um dessen Person sich bereits Sagen zu ranken beginnen. Die andere, die politische Seite Schönerers, wird hier meist geleugnet oder zumindest verdrängt. Vielleicht aber war der erzkatholische, eher unpolitische, Waldviertler damit auch überfordert, er lehnte diese ständige Streitpolitik eher ab.

 

    In Würdigung seiner Verdienste und wegen seiner späteren politischen Tätigkeit verliehen ihm mehrere Gemeinden das Ehrenbürgerrecht. Außerdem war Schönerer Ehrenmitglied zahlreicher, landwirtschaftlicher, gewerblicher, politischer und akademischer Vereine, von Feuerwehren und Turnerbünden.  

   

   1878 heiratete Georg Ritter von Schönerer Philippine Edle von Gschmeidler, die Tochter eines Beamten. Es war dies eine glückliche Ehe, der vier Kinder entstammten: Marianne, geb 1879, Anna, geb 1880, Georg geb 1881 und Friederike, geb 1884.

 

  Zu Beginn der siebziger Jahre des 19. Jahrhunderts faßte Schönerer den Entschluß, sich politisch zu betätigen. Mit Billigung der deutschliberalen Führer der Verfassungspartei kandidierte er 1873 für den Reichsrat. Am 24. August dieses Jahres hielt er in Ottenschlag seine erste Wählerversammlung ab. Nach der Wahl am 14. Oktober 1873 zog er als Abgeordneter des Landgemeindebezirkes (dritte Kurie) von Zwettl und Waidhofen an der Thaya in den Reichsrat ein. 1878 wurde er auch in den Niederösterreichischen Landtag gewählt. Im Laufe der Zeit entwickelte er einen persönlichen Stil bei seiner Arbeit im Hohen Haus. Er scheute dabei vor harten Attacken und persönlichen Beleidigungen nicht zurück, geschützt durch seine Immunität als Abgeordneter. In seinen Reden bekannte er offen seine Verehrung für das Deutsche Reich, speziell für Kanzler Bismarck und Kaiser Wilhelm I. Immer wieder forderte er den Anschluß Österreichs an Deutschland. Seinen Parteigängern gegenüber setzte er ein absolutes Führungsprinzip durch indem ihm seine Anhänger unbedingte Treue schwören mußten. Schönerer war auch ein radikaler Verfechter eines radikalen Antisemitismus. Ihm ging es nicht darum, die Angehörigen der mosaischen Religion zu verfolgen, er betrachtete das Judentum nicht als religöse, sondern als Rassenfrage: eine Anschauung, welche sich im folgenden Spruch äußerte:

 

"Ob Jud, ob Christ ist einerlei, in der Rasse liegt die Schweinerei!" 

 

   Besonders die Lokalzeitungen, die Schönerer unterstützten, betrieben massiv antisemitische Agitation. Letztlich nannte Schönerer jeden eine Juden, der auch nur einen jüdischen Vorfahren des 16. Grades besaß. Er ging damit weit über die Bestimmungen der berüchtigten Nürnberger Gesetze von 1935 hinaus. 

   Schönerers erster wirklicher großer Auftritt im Reichsrat fand 1884 statt, als es zum sogenannten "Nordbahn-Skandal" kam. Eisenbahnen waren damals noch gewinnbringende Unternehmen, und so wurde die Kaiser-Ferdinands-Nordbahn" von einer Eisenbahngesellschaft verwaltet, deren Mehrheitsaktionär die Wiener Rothschild-Bank war. Einige Reichsrats-abgeordnete, unter ihnen auch die Deutschnationalen unter Schönerer, forderten die Verstaatlichung des Unternehmens. Letztlich konnte sich Schönerer der Regierung gegenüber durchsetzen und wurde von weiten Teilen der Bevölkerung als Held gefeiert. Während der Debatten im Reichsrat hatte er aber auch die Technik der parlamentarischen Obstruktion erfunden, mit der jede parlamentarische Arbeit lahm gelegt werden konnte. 

   Den großen Tiefschlag für Schönerer brachte das Jahr 1888. Am 5. Mai wurde er in einem Prozeß, den das neue Wiener Tagblatt gegen ihn angestrengt hatte, wegen Hausfriedens-bruches zu einer schweren Kerkerstrafe in der Dauer von vier Monaten, verschärft durch zwei Fasttage im Monat verurteilt. Weiters wurde ihm der Adelstitel auf Lebenszeit aberkannt und das aktive und passive Wahlrecht für fünf Jahre entzogen. 

   Als Schönerer am 20. Dezember 1893 wieder im Vollbesitz seiner bürgerlichen und politischen Rechte war, hatte seine Alldeutsche Bewegung viel von ihrer ehemaligen Bedeutung verloren. Schönerer selbst war durch die Haftstrafe tief getroffen, und so vermied er während seiner fünfjährigen Bewährungszeit jede politische Äußerung, die zu einer neuerlichen Verhaftung hätte führen können. 

   1893 dürfte er auch mit dem Gedanken gespielt haben, nicht mehr in die Politik zurückzukehren. Mitte 1896 fragte dann ein Wählerverein des Landkreises Eger Land bei Schönerer an, ob er bei den kommenden Wahlen für sie kandidieren wolle. Schönerer sagte zu. In seinem bisherigen Wahlkreis (im Waldviertel) wäre er zu dieser Zeit kaum noch gewählt worden. Hier hatte die Christlichsoziale Partei Luegers gewaltigen Einfluß gewonnen. Wichtig für die kommenden Ereignisse ist aber, daß sich Schönerers Wahlkreis nun an der Sprach-grenze zwischen Deutschen und Tschechen befand. 

    So zog Schönerer also im Mai 1897 abermals in den Reichsrat ein, und gerade in dieser Sitzungsperiode erreichte seine deutschnationale Bewegung den Höhepunkt ihrer Macht. Im April 1897 kündigte Ministerpräsident Graf Badeni seine Sprachenverordnung an. Mit dieser Regelung sollte das Tschechische im Königreich Böhmen dem Deutschen gleichgestellt werden. Ein Vorhaben, das in weiten Teilen der deutschen Bevölkerung Angst auslöste. 

   Schönerer erkannte die günstige Stunde für seine Partei. Er und seine Mitstreiter begannen die Arbeit des Reichsrates durch dauernde Obstruktion völlig lahmzulegen. Andere deutsche Abgeordnete fürchteten, daß Schönerer nun allein mit seiner Partei als Schützer des Deutschtums dastehen würde, daher schlossen sie sich der verhängnisvollen Obstruktionspolitik an. Es kam im Reichsrat zu dramatischen Aktionen gegen die Regierung, zu Beschimpfungen, Rededuellen, Ausschreitungen, ja letztlich auch zu Handgreiflichkeiten und wahren Saalschlachten. 

   Dieser Haß gegen die Regierung, die Habsburger, die Slawen und alles, was dem Deutschtum fremd erschien, wurde besonders von Schönerers Alldeutschen aus dem Palament hinaus ins Volk getragen. Hier kam es in manchen Teilen Österreichs zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen, die erst nach längerer Zeit und meist unter Militäreinsatz "normalisiert" werden konnten. Durch seine rücksichtslose Politik war es Schönerer gelungen, in weiten Teilen der Bevölkerung an Ansehen zu gewinnen. Allerdings hatte er damit auch erreicht, daß das Mißtrauen zwischen Slawen und Deutschen unüberwindlich geworden war. Die Fronten hatten sich verhärtet und eine Annäherung der beiden Volksgruppen war nach diesen Krawallen praktisch unmöglich geworden. Ein Zusammenleben, das Jahrhunderte lang halbwegs funktioniert hatte, wurde nun im aufkommenden Nationalismus entgültig erstickt.  

   In dieser Zeit waren die Angriffe Schönerers, seiner Parteigänger und der ihn unterstützenden Lokalpresse an Heftigkeit und Brutalität kaum mehr zu überbieten. Da sich die Abeordneten aber hinter ihrer Immunität verschanzten, konnten kaum gerichtliche Schritte unternommen werden. Einige Ehrenbeleidigungen zogen aber auch Duelle nach sich.

   Nun wurden auch immer mehr Sozialdemokraten und Christlichsoziale zum Ziel der Angriffe der Schönerianer, auch wenn man gelegentlich bereit war, manche Strecke Weges gemeinsam zu gehen. Im Zuge der Angriffe gegen die Christlichsoziale Partei richtete sich Schönerers Propaganda nun vermehrt gegen die Katholische Kirche. Diese Aktionen, die letztlich in der "Los-von-Rom-Bewegung" gipfelten, brachten den Alldeutschen aber gerade in der bäuerlichen Bevölkerung Österreichs wenig Freunde.

   Schönerer propagierte, daß ein echter Deutscher aus der römisch-katholischen Kirche austreten müsse. Der Übertritt zur evangelischen Kirche wurde nicht gefordert, aber doch gern gesehen, da er nach Meinung mancher Alldeutscher den Anschluß an das Deutsche Reich erleichtern müsse. Schönerer und sein Sohn traten gemeinsam am 15. Jänner 1900 von der römisch-katholischen in die evangelische Kirche über. Die "Los-von-Rom-Bewegung" erhielt bis 1903 große finanzielle und ideelle Unterstützung aus Deutschland. Zahlreiche evangelische Kirchen wurden gebaut, so auch in Zwettl, welche von Schönerer gestiftet wurde, Einweihung 1904.

   Nach 1901 ging Schönerers Einfluß stark zurück. Seine Alldeutsche Partei zeigte Auflösungs- und Spaltungserscheinungen. Vor allem deshalb, weil sie ganz auf seine Führungspersönlichkeit ausgerichtet war. Schönerer selbst aber, der von seinen Anhängern absoluten Gehorsam forderte und keine Widerspruch duldete, zeigte mit seinen 60 Jahren deutliche Führungs-schwächen und nachlassenden Elan. Die Reichsratswahl von 1907, bei der bereits das allgemeine Wahlrecht galt, brachte für Schönerer, der wieder im Wahlkreis Eger Land kandidierte, eine große Niederlage. Er verlor sein Mandat an den Sozialdemokraten Albin Dötsch, nur vier Alldeutsche wurden in den Reichsrat gewählt. Im selben Jahr ließ er nördlich von Schloß Rosenau den einzigen Bismarckturm Österreichs errichten, auf welchem auch in meiner Jugendzeit noch Sonnwendfeiern abgehalten wurden.

   

   Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte Georg Schönerer zurückgezogen, gezeichnet von Schicksalschlägen (Georg jun. einziger Sohn starb 1918 mit Gattin an der Spanischen Grippe in Wien) und Krankheit. Am 14. August 1921 starb er, fast völlig erblindet, in Schloß Rosenau, wo er vorerst auch begraben wurde, ehe er 1922 in der Nähe von Bismarcks Gut Friedrichsruh im Sachsenwald bei Hamburg beigesetzt wurde. Sein Grabstein trägt die Inschrift: "ein Kämpfer für Alldeutschland".

 

   Übrigens war Georg Ritter von Schönerer von 1873 - 1876 und von 1885 - 1888 auch Gemeinderat der Stadt Zwettl, die ihn auch zu seinem Ehrenbürger machte. Schönerer hatte auch testamentarisch verfügt, daß alle Gegenstände aus seinem Nachlaß, die sich auf seine politische Tätigkeit bezogen, der Stadt Zwettl zur musealen Betreuung übergeben werden sollten. So wurde am 4. Juni 1933 die "Schönerer Sammlung" der Stadt Zwettl eröffnet.   

 

   Aus heutiger Sicht, lange nach dem 2. Weltkrieg, seinen Verbrechen und Folgen, ist es schwer Schönerers politische Tätigkeit unvoreingenommen zu beurteilen, die nur mehr wenige Schritte vom System des Nationalsozialismus entfernt war. Er wurde auch von so manchem Historiker als einer der Wegbereiter des Nationalsozialismus bezeichnet. Schließlich schrieb auch Adolf Hitler in "Mein Kampf", daß er dem Alldeutschen Schönerer persönliche Sympathie entgegengebracht hätte und das dieser ihm (im Vergleich mit Lueger) als der bessere und gründlichere Denker in prinzipiellen Poblemen erschienen sei.

 

  Die andere Seite der Politik Schönerers war seine soziale Einstellung, wie seine Position als Gutsherr zeigte. Vor allem in der Frühzeit seiner politischen Karriere spielten soziale Anliegen eine gewisse Rolle. Noch 1912 lobte die Arbeiter-Zeitung seine Standpunkte in der sozialen Frage, wenn sie auch seine politischen Ansichten ablehnte.

   Schönerer stellte - im Gegensatz zu anderen Gutsbesitzern - überwiegend Ehepaare ein und begnügte sich mit 2,5% Verzinsung aus seinen Gütern. Den Rosenauer Meierhof bewohnten bis zu 60 Menschen, nach Auskunft seiner Schwester, welche bis 1928 für die Erbengemeinschaft  das Gut verwaltete, unterstützt von Forstmeister Ing. Gruhlich, welcher 1929 in das Stift Schlägl wechselte. Daneben besaß er noch zahlreiche Häuser, in denen er seine Angestellten und deren Familien unterbrachte. Er setzte sich im Reichsrat für Krankenkasse, Alters-versicherung, Arbeitszeitbeschränkung, Sonn- und Feiertagsruhe und viele andere soziale Errungenschaften ein. Schönerer gab seinen Beschäftigten, welche aus Alters- oder Krankheits-gründen nicht mehr arbeitsfähig waren, die Möglichkeit, auf seinem Gut, im sogenannten "Spital" (Altersheim) im Ausgedinge bis zu ihrem Tode zu verbleiben. Sein Motto war: "Für meine Ausgedienten sorge ich!".

   Bei existenzbedrohenden Brand- oder Viehschäden half Schönerer aus. Im Armenhaus der Doppelmonarchie, dem niederösterreichischem Waldviertel, hat er an die 200 Feuerwehren unterstützt oder begründet. Er war Organisator vieler landwirtschaftlicher Vereine, sogenannter "Casinos". Schönerer setzte sich persönlich für die Förderung der Raiffeisen-Darlehenskassen ein - (einer Selbsthilfeorganisation, welche Schönerer offensichtlich bei seiner landwirtschaft-lichen Ausbildung in Deutschland kennengelernt hatte - gerade in Mühldorf im Waldviertel wurde 1883 die erste österreichische Raiffeisenkasse gegründet) und gewährte seinen Leuten selbst Vorschüsse. Oftmals strich er selbst die Rückzahlung offener Lohnvorschüsse bei mangelder Zahlungsfähigkeit und ermöglichte so seinen Pächtern ein wirtschaftliches Arbeiten. Nachweislich fanden drei - von allen anderen Gutsbesitzern als untauglich abgelehnte - Taubstumme in seine Gärtnerei Arbeit, zwei körperlich Versehrte verdingten sich als Eselsführer des Milchfuhrwerks. "Auch sie haben Hunger" pflegte er zu sagen.

   Schönerer nahm ausserdem Stellung gegen den auf Vor- und Nachmittag verteilten Unterricht in den Volksschulen auf dem Lande mit Rücksicht auf die langen Schulwege, außerdem forderte er im Interesse der Landwirtschaft eine Sommerbefreiung für Jugendliche. Von ihm wurde in Schloss Rosenau das Grundkapital für eine Suppenanstalt gestiftet, damit die Kinder mit langen Schulwegen im eisigen Winter des Waldviertels Suppe und damit auch einen warmen Aufenthaltsraum bekamen. Eine gleichwertige Suppenanstalt befand sich auch in der Hamerlinggemeinde Kirchberg am Walde. Von seinen Gutsverwaltern forderte er: "Geben sie den Leuten, was rechtens ist!"  

 

   Schönerer war ein großer Verehrer von Wagner und Hamerling. An der Stelle des Geburts-hauses des Dichters in Kirchberg ließ Schönerer 1890-1893 eine Gedenkstätte mit Museum errichten.

 

   Am 7. Juli 1927 wurde der Meierhof Schickenhof bei einem schweren Gewitter vom Blitz getroffen und brannte nahezu vollständig nieder und wurde wieder aufgebaut.

 

  Die Abwicklung des Erbes Schönerers wurde immer wieder verzögert, so daß Schloß Rosenau 1938 samt Zubehör und Grundbesitz schließlich in den Besitz der Deutschen Aussiedlungs-gesellschaft kam und 1943 an die aus Krain stammende Familie Lazarini-Zobelsberg verkauft wurde. Nach dem 2. Weltkrieg 1945 fiel der Besitz in die Verwaltung der russischen USIA und wurde erst 1955 teilweise verfallen und die landwirtschaftlichen Gründe verlottert wieder an die Familie Lazarini-Zobelberg zurückgegeben und verpachtet. Meine Eltern hatten hier einige Jahre lang mehrere Hektar Grund gepachtet, welche zuerst einmal ein Jahr lang von meterhoch wachsenden Distelstauden befreit werden mußten, dabei durfte ich selbst noch mithelfen. Wenn ich mich richtig erinnere, hieß der damalige Verwalter Scheidl.

 

   1964 erfolgte wegen Unwirtschaftlichkeit der entgültige Verkauf von Schloss Rosenau und der dazugehörigen Besitzungen an die Siedlungsgesellschaft des Landes Niederösterreich.

 

Otmar Schuster, unter Inanspruchnahme verschiedenster Quellen, einsehbar seit 23. August 2018