Besucher im lfd Monat

  

31. März 2020  43100

30. April 2020  43600

 31. Mai 2020  44.400

August 2020
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
 
 
 
 
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Die rätselhaften Ruinen auf dem Steinberg

 

(Katastralgemeinde Oberneustift, Stadtgemeinde Großgerungs)

 

Warum ich diesen Beitrag unter HEUTE und nicht unter DAMALS bringe ist leicht erklärt. Obwohl sich schon zahlreiche Experten mit diesem rätselhaften Objekt in neuerer Zeit befasst haben, konnte bis heute niemand ein glaubhafte Erklärung zu Zweck und Alter der Anlage geben. Und es wird auch kaum ohne intensive großräumige Grabungen und Vermessungen eine akzeptable Erklärung zu finden sein. Dafür fehlt offensichtlich das Geld und ein entsprechender Initiator, der die Angelegenheit in die Hand nehmen könnte. Da die Anlage auch von vielen Nichtwaldviertlern und gerade Urlaubern besucht wird, wären meiner bescheidenen Meinung nach hier die Gemeinde Zwettl und Groß Gerungs gefordert tätig zu werden.

 

   Auf dem 756 Meter hohen Steinberg, nahe Josefsdorf, steht im Wald eine stufenförmige Rundpyramide. Der Durchmesser am Fundament misst 16 Meter. Sie hat vier Stufen mit je etwa 1,6 Meter Höhe. Die Geamthöhe beträgt etwa 7 Meter, der Durchmesser an der Spitze betragt rund sechs Meter. Mauerreste in der Umgebung lassen darauf schließen, dass sich an diesem Ort einstmals eine größere Anlage befunden hat.

   Archäologen hat das Bauwerk bisher wenig interessiert. Eigenartig, denn viele Fragen blieben bis heute ungeklärt. Aus welcher Zeit stammt sie, gibt es unter ihr vielleicht Hohlräume? Wozu könnte das Bauwerk gedient haben? Fragezeichen gibt es genug zu dieser Pyramide, die auch als "Waldviertler Wächter" oder gerne  auch als "Keltenpyramide" bezeichnet wird. 

   Vom einstigen Wissen unserer Ahnen ist nur wenig überliefert. Was soll mit solchen Fundsachen, welche nicht in einen bekannten Rahmen passen, eigentlich geschehen? Ignorieren ist keine Lösung. Sie für die Nachwelt zu erhalten, um vielleicht eine spätere Erforschung und Deutung zuzulassen wäre ein Gebot der Stunde. Diese Gnade wurde der Pyramide von Oberneustift wenigsten im Ansatz zuteil, nachdem das Bundesdenkmalamt ihren "historischen Wert" erkannt hatte. Zum Millenium wurde sie runderneuert, mit einem Schutzzaun umgeben und unter Denkmalschutz gestellt und wieder vergessen. Nicht einmal eine Vermessung der Anlage hat bis heute stattgefunden.

   In der Zwischenzeit wurde sie als "Kraftpunkt" oder "Kraftquelle" mystisch und touristisch vermarktet, was ihr ganz offensichtlich nicht gut getan hat und offensichtlich nicht gut tut. Wenn Du sie heute besuchst, dann präsentiert sie sich wirklich als Ruine. Sie mag vielleicht Jahrtausende überstanden haben, aber die letzten drei Jahrzehnte, seit ihrem öffentlichen Bekanntwerden haben ihr sichtbar den Rest gegeben. Es war aber sicher nicht der Zahn der Zeit, der an ihr nagte, nein es waren offensichtlich manche Besucher denen sie nicht mehr standhalten konnte. Wenn Du Fotos von früher mit ihrem Anblick heute vergleichst, dann kommen Dir die Tränen.   

 

Ich selbst habe diese Anlage zum ersten Mal Ende der Achtziger-Jahren besucht als sie einer breiteren Öffentlichkeit bekannt gemacht wurde. Damals lag sie noch gut versteckt im Wald, da war sie noch nicht eingezäunt, damals ist sicher auch schon der eine oder andere  Besucher auf die Idee gekommen sich von diesem rätselhaften Objekt ein Steinchen mit nach Hause zu nehmen.  

 

Doch nun zu Friedl Rainer Molls Beitrag selbst

in der Zeitschrift "Das Waldviertel", Jahrgang 1986, Heft 4 - 6

 

   Im Mai 1985 machte mich HL Lehrer Gerhard Müllauer auf eine Ruinenanlage auf dem Steinberg, in der Nähe von Josefsdorf, aufmerksam. 

   Nach einer Besichtigung derselben durchsuchte ich die mir verfügbare heimatkundliche Literatur auf einschlägige Veröffentlichungen fand aber nur einen kurzen Artikel von Direktor Helmut Sauer aus dem Jahre 1979 (Abschrift liegt bei).

   Bei mehrmaligen Besichtigungen des Steinberges endeckten Kollege Müllauer und ich nicht nur die 1979 von Sauer erwähnten Baulichkeiten, wir meinen vielmehr, weitere "Entdeckungen" gemacht zu haben. 

   Es dürfte sich hier um eine weitläufige Anlage gehandelt haben, deren Zentrum das runde Bauwerk auf dem Gipfel des Steinberges bildet (Beschreibung und Skizze derselben liegen bei). Um dieses markante Objekt herum befinden sich in weitem Umkreis zahlreiche Gebilde aus Stein, die sicherlich von Menschenhand geschaffen wurden. Nur im Westen der zentralen Anlage auf dem Gipfel fehlen derartige Spuren, sie wurden vermutlich durch die landwirt-schaftliche Nutzung dieser Fläche zerstört. Der Norden, Osten und Süden des Steinberges ist Waldgebiet (Eigentümer: Bundesforste). Hier fallen zahlreiche Steinhügel auf, die eine Länge von 2 bis 4 Metern und eine Breite von 1 bis 2 Metern erreichen. Besonders häufig findet man derartige Hügel mit einer Länge von maximal 2 Metern im NNO des Steinberges. Unwillkürlich drängt sich uns Laien dabei der Gedanke auf, daß es sich hier um ein Gräberfeld handeln könnte. Weiters befinden sich im östlichen Bereich zahlreiche Steine mit geraden Flächen und scharfen Kanten, was im Granit- und Gneisgebiet des Waldviertels ja eher selten ist. Manche von Ihnen weisen auch eindeutig Bearbeitungsspuren auf. Zu welcher Zeit diese Bearbeitung stattfand, müßten natürlich Fachleute feststellen.

   Im N und O der zentralen Anlage erheben sich weiters einige markante Steinblöcke aus dem hier ebenen Waldboden, auch sie haben gerade Seitenflächen. 

   Besonders bemerkenswert erscheinen mir aber die Graben- oder Mauerreste, die rund um den Steinberg (mit Ausnahme der Westseite) zu finden sind. Sie erwecken Assoziationen zu den Kreisgrabenanlagen, die in letzterer Zeit besonders im unteren Kamptal entdeckt wurden. Eine Vermessung der gesamten Anlage, die sicherlich sehr aufschlußreich sein müßte, steht noch aus. Sie wird aber auch ziemlich schwierig sein, da das Gebiet - wie bereits erwähnt -  dicht bewaldet ist. 

   Weiters fanden wir an einem Bach, ca 300 Meter im Süden der Hauptanlage, ein Geviert, das ebenfalls roh aus Steinen errichtet wurde. 

   Die einheimische Bevölkerung ist über diese Anlage verschiedener Ansicht. Manche Leute glauben, daß es sich hier um eine keltische oder germanische Kultstätte handle, auch wird die Meinung vertreten, hier hätte sich eine mittelalterliche Signalstation befunden - eine Ansicht, die ich nicht unbedingt teilen möchte. Im Norden reicht die Sicht zwar bis in den Raum von Schweiggers, im Süden "verstellt" aber der breite Rücken des Stuckberges (758 Meter) den Blick nach Marbach am Walde (hier befindet sich eine ähnliche Anlage aus rohen Steinen) bzw Rappottenstein. Als Signal- bzw. Relais-) Station würde sich viel eher der nahe gelegene Hochberg (806 Meter) anbieten, der eine direkte Sichtverbindung in den Norden, nach Rappottenstein im Süden und Zwettl im Osten ermöglicht. Weitverbreitet ist auch die Ansicht, daß Georg Ritter von Schönerer immer wieder mit seinen Freunden auf die Anlage auf dem Steinberg geritten sei. Es ist zwar anzunehmen, daß diese Grundstücke einst zur Herrschaft Rosenau gehörten (dieser Umstand wurde bisher nicht überprüft: heute gehört das Gebiet um den Steinberg größtenteils den Bundesforsten), ein Bereiten der Anlage ist aber schon aus technischen Gründen unmöglich. Außerdem bestand das Bauwerk schon lange vor Schönerers Zeit.

 

Warum sollte Schönerer nicht mit Freunden zu dieser Anlage geritten sein, vielleicht führte ja schon damals von Osten ein Weg zu dieser Anlage hinauf. Interessant wäre, wenn Schönerer diese Anlage gekannt hat, was ich als gegeben voraussetze, dann müßten doch irgendwelche Aufzeichnungen, Stellungnahmen oder Notizen dazu von ihm vorhanden sein. Gibt es Archivgut des Gutes Rosenau aus dieser Zeit (1868 - 1922) und wo wäre es einsehbar?   (Otmar Schuster)

 

Die Anlage ist ohne Mörtel aus relativ kleinen Steinen errichtet und besteht aus vier kreis-förmigen Stufen. Die Höhe dieser Stufen ist vom Gelände abhängig und schwankt zwischen 130 und 160 cm. Das gesamte Bauwerk ist ca 6 m hoch. Die Breite der einzelnen Stufen beträgt rund 160 cm. Die oberste Plattform hat einen Durchmesser von ca 6 m. Da einzelne Teile des Bauwerkes abgebrochen sind, können keine exakten Maße angegeben werden. Möglicherweise befand sich auf der Ostseite ein Aufgang. Von der obersten Plattform reicht im Norden die Sicht bis Schloß Rosenau (ca 3 km Luftlinie) und Schweiggers (ca 10 km Luftlinie). Die Sicht nach Marbach/Walde im SSO (ähnliche Lage) ist wegen des dazwischenliegendes Stuckberges (758 m) unmöglich. 

   Im "Zwettler Kurier" Nr. 17 vom Mai 1979 schrieb VD Helmut Sauer (+) über rätselhafte Ruinen im Raum Zwettl. Er berichtete in diesem Artikel ausführlich über den "Steinhügel" in  Marbach/Walde und erwähnte auch die Anlage auf dem Steinberg.

 

Dieser Teil des Aufsatzes soll hier wiedergegeben werden:

 

Die zweite rätselhafte Ruine, die ich ihnen heute vorstellen möchte, liegt rund 4 km nordwestlich von Marbach, im Gebiet von Oberneustift. Dort ist der 726 m hohe Steinberg, auf dessen höchster Stelle ein seltsamer Steinbau steht. Meine Kenntnis von diesem Hügel stammt von Dr.  Edith Wagesreither und ihrem Gatten Wilhelm Wagesreiher aus Rosenau, die sich beide die Mühe machten, um das Bauwerk gemeinsam zu besteigen. Ich möchte diesen bekannten Heimatforschern dafür herzlich Danke sagen. 

 

Zuerst wieder die Skizze und die Beschreibung der Anlage:

 

2. Auf dem Steinberg eine Keltenruine?

 

Rund 150 Meter nordöstlich des Vogelhofes (Oberneustift 31) erhebt sich ein aus vier Baustufen bestehender Steinhügel. Die einzelnen Baustufen haben ziemlich genau die Gestalt von Kreisen. Sie sind von unten nach oben 150 cm, 180 cm, 140 und 150 cm hoch, wobei die einzelnen Höhen leicht schwanken und dem Bodenniveau angepasst sind. Das Bauwerk hat also eine durchschnittliche Gesamthöhe von 650 cm. Jede Stufe ist 160 cm breit. Die oben abschließende Fläche hat einen Duchmesser von 6 Metern. Das ganze Bauwerk ist aus relativ kleinen Steinen errichtet und ohne Mörtel aufgebaut worden. Teile davon sind abgebrochen und abgestürzt, doch die Stufenanlage ist teilweise sehr gut erhalten.

    Etwas nördlich des Hügels sind Überreste einer etwa 100 Meter langen Mauer erkennbar, die 150 bis 200 cm breit gewesen sein muß. In der weiteren Umgebung des Hügels finden sich überall regellos zusammengeworfene Steinhaufen, die durchaus von früheren Gebäuden herrühren können. Bei einigen von ihnen sind behauene Steine erkennbar, deren Bearbeitung feine Rillen aufweist. 

   So wie in Marbach gibt es auch zu dieser Ruinenanlage keine schriftlichen Aufzeichnungen. Die Volksmeinung glaubt, daß es einer jener alten "Kreidefeuerberge" ist, von denen die Bevölkerung bei Annäherung von Feinden durch Feuerzeichen gewarnt wurde. Dieser soll dabei der Verständigung zwischen den Burgen in Arbesbach und Rastenberg gedient haben. Übrigens, "Kreidefeuer" hat nichts mit "Kreide" zu tun. Es kommt vom alten Wort "kride" und heißt soviel wie "Angriffszeichen".

   Im Volksmund heißt der Tum auch Hungerturm, und zwar soll während seiner Erbauung eine riesige Hungersnot geherrscht haben. 

   Ich war natürlich auch hier bemüht, eine fachmännische Meinung zu hören. So gelang es, auf Initiative von ZK-Herausgeber Josef Leutgeb hin, den Ausgrabungsexperten Dr. Falko Deim (er führte übrigens die Ausgrabungen 1978 im Stift Zwettl durch), dafür zu interessieren. Er besichtigte mit großem Interesse das Bauwerk und meinte dann: "Wenn ich in Irland wäre, so wüßte ich, was ich vor mir hätte!" Zu weiteren Äußerungen ließ er sich nicht bewegen...

 

   unten links Skizze MOLL                          unten rechts Skizze SAUER

 

 

 

Steinpyramide nach der Runderneuerung durch das Bundesdenkmalamt 2000